Blood Red Sky (2021)

Blood Red Sky (2021)

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  3. 121 Minuten

Filmkritik: Terroristen und Vampire als Fluggäste

Netflix
Vampire haben Angst vor Sonnenlicht.
Vampire haben Angst vor Sonnenlicht. © Netflix

Elias (Carl Anton Koch) fliegt mit seiner schwerkranken Mutter Nadja (Peri Baumeister) nach New York, wo ihr ein Arzt helfen soll. Doch nur kurz nach dem Abflug übernimmt eine Männermannschaft, zu der einer der Flugbegleiter (Alexancer Scheer) und sogar der Copilot (Kai Ivo Baulitz) gehören, das Kommando, nachdem sie den Piloten sowie die Flugpolizei an Bord ausser Gefecht gesetzt haben. Das Ziel scheint, das Flugzeug abstürzen und es wie einen islamistisch motivierten Terroranschlag aussehen zu lassen. Alles läuft nach Plan, bis sich die Männer mit Nadja anlegen - denn so hilflos, wie sie aussieht, ist sie nicht.

Der Steward hat böse Absichten.
Der Steward hat böse Absichten. © Netflix

Nadja hat nämlich nicht Leukämie, sondern ein Virus in sich, der sie zu eine Art Vampir macht. Sie setzt sich deswegen wortwörtlich mit Krallen und Zähnen den Männern entgegen. Die Terroristen wie auch die Passagiere wissen nicht, wie ihnen geschieht. Es beginnt ein Kampf zwischen Waffengewalt und animalischer Urgewalt. Während Nadja versucht, das Leben ihres Sohnes zu retten, muss Elias mitansehen, wie sich seine Mutter immer mehr in das Monster verwandelt, gegen das sie ein Leben lang angekämpft hat.

Die Vampir-Terrorismus-Flugzeugkatastrophen-Geschichte von Peter Thorwarth mischt Spannungselemente mit Horror und Familiendrama. Der Film bedient sich bereits bekannter Motive des jeweiligen Fachs. Es ist aber die Kombination aller Elemente, die in der ersten Hälfte des Films zu einer beachtlichen Spannung führt. Doch überfrachtet der Regisseur schliesslich die Handlung, und in der zweiten Hälfte dominieren die Actionszenen, die sich irgendwann im Kreis drehen und auch den Film künstlich in die Länge ziehen.

Peter Thorwarth versucht seit Ende der 1990er-Jahre, dem deutschen Film zu mehr Genre zu verhelfen. Schon einige Male hat er es mit intelligenten Krimi-Thriller-Komödien wie Was nicht passt, wird passend gemacht, Bang Bang Boom oder Nicht mein Tag geschafft. Die eher bescheidene Auswertung der Filme zeigt, dass es auf dem deutschen Markt allerdings nur wenig Platz dafür gibt. Und dies lässt sich auch in seinem aktuellen Werk ablesen, für das er eine internationale Produktion angestrebt hat. Was dem Film in Bezug auf ein eindeutig höheres Budget anzusehen ist, ihm aber leider auch einen konventionelleren Charakter gibt, als es sonst bei Thorwarth der Fall ist.

Was in Blood Red Sky ganz fehlt, ist die Ironie, durch die sich der Regisseur eigentlich auszeichnet. Allenfalls muss man in diesem Film auf einen eher unfreiwilligen Humor hinweisen. Dieser zeigt sich in der Zeichnung der Vampire, die auffällig ähnlich wie die Nosferatu-Figur von Murnau aussehen, oder in der Banalität einiger Szenen aus den Rückblenden. Das Mittel der Rückblenden an sich hätte man in diesem Projekt überdenken sollen. Abgesehen davon, dass sie nicht immer einen Mehrwert ergeben, sind sie recht problematisch in Bezug auf den Rhythmus des Films, weil sie diesen unnötig bremsen.

Originell ist auf jeden Fall aber der Verzicht darauf, die Geschichte bis in die Details aufzulösen. Es bleibt bis zum Schluss der Zweifel, was eigentlich wirklich der Plan dieser Flugzeugentführer war. Das ist sehr intelligent konstruiert, auch wenn der Verweis auf die Diskriminierung von arabischstämmigen Personen, die man sofort mit einem Terroranschlag in Verbindung setzt, etwas flach geraten ist. Stattdessen hätte man gerne mehr von der Dynamik zwischen Mutter und Sohn gesehen. Nadja muss sich entscheiden, ob sie sich ihren Trieben hingibt und damit eine totale Verwandlung in ein Monster riskiert, um ihren Sohn zu retten. Immer mehr entfernt sie sich von ihrer menschlichen Seite, schafft es aber im letzten Moment das richtige Opfer zu machen.

Es ist am Ende vermutlich zu viel verlangt, die Geschichte auf philosophischer Ebene zu analysieren. In erster Linie will Blood Red Sky Spannung mit ein paar Schockmomenten bieten. Trotzdem hätte dem Film eine Reduktion der Mittel, beispielsweise im Hinblick auf das aussergewöhnlich umfangreiche Schauspielersensemble, gut getan, um einen bleibenderen Eindruck zu erzielen.

Teresa Vena [ter]

Alles begann bei Teresa damit, dass sie, noch viel zu jung dafür, ihren Vater überzeugen konnte, «Gremlins» im Fernsehen schauen zu dürfen. Seitdem gehört absurder Humor und Spannung zu jedem guten Film dazu. Kino aus Asien und Lateinamerika, aber auch aus der Schweiz sind ihre Steckenpferde.

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Kommentare Total: 2

muri

Interessante Ausgangslage, aus der man aber leider viel zu wenig rausholt. So versumpft die Story nach starkem Beginn zu einem Thriller, der nur noch beschränkt spektakulär und spannend ist. Toll ist die Hauptdarstellerin und wenn Dominc Purcell seine Aufwartung macht, dann passt das auch hier.

ter

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