Belle - Belle: Ryu to Sobakasu no Hime (2021)

Belle - Belle: Ryu to Sobakasu no Hime (2021)

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  2. 121 Minuten

Filmkritik: Singstar

Zeit für eine digitale Serenade.
Zeit für eine digitale Serenade. © Filmcoopi

Suzus Freundeskreis ist sehr klein, mit ihrem Vater spricht sie praktisch nicht und ihre Leidenschaft, das Singen, bereitet ihr keine Freunde mehr. Seit einem tragischen Ereignis in der Familie hat Suzu Bindungsschwierigkeiten. Ihre Freundin Hiroka bringt sie dazu, der VR-Welt «U» beizutreten, wo sie als «Belle» digital neugeboren wird - wegen eines technischen Fehlers mit dem Aussehen ihrer viel beliebteren Klassenkameradin Ruka.

Fensterplatz
Fensterplatz © Filmcoopi

In «U» fühlt sie sich sofort wohl und kann endlich wieder singen - und erobert die digitale Welt im Sturm. Über Nacht wird sie zum Superstar, doch niemand kennt ihre wahre Identität. Eines ihrer Konzerte wird von einem berühmt-berüchtigen, fast unbesiegbaren User namens «The Beast» heimgesucht. Während eine Gruppe Selbstjustizler ihn fassen und demaskieren will, möchte Suzu ihn kennenlernen.

Ready Player One trifft auf Die Schöne und das Biest: Mamoru Hosoda entführt uns einmal mehr in eine digitale Welt. Und diese sieht umwerfend aus. Visuell ist Belle ein Spektakel. Leider kann die Handlung dabei nicht mithalten, denn diese verliert sich zu sehr in verschiedenen Nebenthemen. Diese hätten alle Potenzial, aber so ist von allem zu viel und gleichzeitig zu wenig da. Schade, denn die sympathischen Figuren und die spannende Ausgangslage hätten Besseres verdient. Aber alleine für die bildliche Wucht ist Belle dennoch sehenswert.

Mamoru Hosoda und sein Studio Chizu bleiben ihrem Drei-Jahres-Rhythmus treu. Drei Jahre nach dem Oscar-nominierten Mirai sind sie zurück. Dabei behandeln sie ein Thema, das Hosoda bereits zweimal in seiner Karriere aufnahm: Das Lösen realer Probleme in der digitalen Welt. Nach Digimon - Der Film und Summer Wars folgt nun also Belle, eine Art Mischung aus Ready Player One und Die Schöne und das Biest.

Belle ist dabei der visuell beeindruckendste Film in Hosodas Karriere. Während die Charakterdesigns, primär in der Realwelt, typisch reduziert und schlicht sind, wirken die Avatare aus «U» detailverliebt und abenteuerlich. Die Umgebungen sind jedoch in beiden Welten absolut umwerfend und bei gewissen Einstellungen lässt Studio Chizu einfach mal seine Muskeln spielen. Auch die beiden Welten nicht nur stilistisch, sondern auch animationstechnisch zu trennen, ist eine kluge Entscheidung. Während dreidimensionale und computeranimierte Welten in der Anime-Community generell schlecht wegkommen, funktioniert dieser Touch in Belle sehr gut.

Jedoch scheitert die Geschichte vor allem an der Erzählweise. Zwar sind die vier Hauptfiguren sympathisch und haben ein paar herzige Szenen zusammen. Das Drumherum will dann doch zu viel. Anstatt sich auf die Hauptstory - die digitale Coverversion von Beauty and the Beast, die Tanzszene wurde dabei praktisch eins-zu-eins übernommen - zu konzentrieren, verliert er sich mit Teenager-Lovestorys, älteren Gesangsdamen und seltsamen Selbstjustizlern zu fest gegen Ende. So kommen alle Stränge zu kurz und der Film fühlt sich gehetzt und träge gleichzeitig an. Mehr Fokus hätte der Handlung gut getan.

Auch die scheinbare Inspiration durch den Riesenerfolg Your Name hilft dem Film nicht, denn dessen Höhen erreicht er nie. Das ist schade, denn bei Belle kommt weder der romantische noch der emotionale Aspekt wirklich durch. Und das trotz einer grundsätzlich emotionalen Geschichte. So bleibt am Ende vor allem die visuelle Wucht des Films - und wenig davon, was sich in dieser Wucht effektiv abspielt.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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Trailer Deutsch, 01:10