Auf die eigene Art (2021)

Auf die eigene Art (2021)

  1. 87 Minuten

Filmkritik: Nicht ganz sauber, dafür rein

Katerfrühstück
Katerfrühstück © MovieBizFilms

Zuerst die Natur, dann die Kunst, dann alles andere: Tierschützerin Brigitte Uttar Kornetzky setzt sich in Indien und auf dem Toggenburger Homberg für eine Welt ohne Gewalt ein - und ohne Shampoos. Unweit davon in Lütisburg durchforstet Peter Keller eine Altmetallmulde. Was andere zu Schrott degradieren, befeuert seine Kreativität: Er repariert Velos und werkelt an Fahrzeugen herum, mit denen er Spass haben kann - einzig verkaufen will der Super-Rezyklierer nichts. Er sei dann im Unfrieden mit sich selbst.

Dem Ingeniör ist nichts zu schwör - ausser Ordnung zu halten natürlich.
Dem Ingeniör ist nichts zu schwör - ausser Ordnung zu halten natürlich. © MovieBizFilms

Dem Unfrieden weicht der im Tessin lebende Aikido-Meister Thomas Zolliker aus, bevor jener überhaupt am Horizont auftaucht. Mehr als eine ausgiebige Meditation und den Kräuterzmittag aus dem Wald braucht der ehemalige Goldschmied nicht. Ja, er musste sich auch schon vor dem Steueramt erklären, weil er so wenig verdiente. Zwischendurch sorgt er aber doch noch für den grossen Knall - wenn er an Filmsets für explosive Spezialeffekte sorgt.

Auf die eigene Art predigt zwar Tiefe, bleibt aber weitgehend an der Oberfläche. Es ist nicht so, dass die Protagonisten nicht ab und an für inspirierende, motivierende oder erheiternde Momente sorgten, doch der Funke will nicht recht überspringen. Das hat unter anderem mit strukturellen und erzählerischen Mängeln zu tun. Dieser Dokumentation hätte es gutgetan, wenn ihre Macher sich mehr an den Leitgedanken ihrer Protagonisten orientiert hätten.

Ob man nun einen Wasserfall anjoikt, nach Frankreich fährt, um mit einem umgebauten Geländewagen durch sumpfige Mulden zu pflügen oder einem gebrochenen Rücken etwas Positives abgewinnen kann, schlussendlich lebt jedermann sein und jedefrau ihr Leben auf die eigene Art. Und wenn man sich ihnen lange genug widmet, treten bei allen irgendwann gewisse Spleens und Lebensweisheiten zutage.

Wenn es also darum gehen soll, einen Film über Menschen mit besonders spezieller Lebensführung zu drehen - so suggeriert zumindest der Filmtitel - nun, dann sollten sie schon besonders speziell sein. Angesichts dessen scheinen die drei Protagonisten für einen Dokumentarfilm dieser Länge doch etwas wenig herzugeben, und in der aktuellen Zeit, in der Achtsamkeit und Nachhaltigkeit den sozialen Diskurs bestimmen, sind ihre Ansichten zwar nicht von gestern, aber eben auch nicht visionär.

Auch der Aufbau des Films kommt ihnen nicht zugute. Regisseur (und Stuntman) Manuel Schweizer (Camino de Santiago, Aktiv ins Alter) verpasst es, dem Film einen klaren Aufhänger zu geben. Zudem tritt die Darstellung der drei Personen auf der Stelle, alle ihre Aussagen klingen wie ein Fazit - und von denen gibt es reichlich.

Denn viel wird hier gepredigt. Viel Wahres und Weises zwar, was aber selten berührt. Denn unglücklicherweise wurden die Statements so wild zusammengeschnippelt und mit Schnittbildern überfrachtet, dass in das Ganze eine gewisse Hektik kommt. Der vorgelebten Kunst des «Weniger ist mehr» hätte sich auch der Regisseur verschreiben dürfen. So gefällt sich der Film zu sehr in den eigenen Erkenntnissen, und es verwundert schliesslich nicht, dass der Regisseur den Film mit einem eigenen Zitat beschliesst.

«Wir schauen nicht in die Tiefe!», kritisiert Brigitte Uttar Kornetzky die moderne Gesellschaft und damit nolens volens auch den Film, der - weil er mitunter die Personen so stark in den Fokus rückt - thematisch an der Oberfläche bleibt.

Tom von Arx [arx]

Für OutNow schaut Tom seit 2015 Filme und detektiert seit 2019 Stilblüten und Vertipper. Der Profi-Sprecher und überzeugte Hufflepuff lässt sich gerne bei sublim konstruierten Psycho-Thrillern vom metaphysischen Gruseln packen und wünscht sich eine tierleidfreie Welt voller biggest little farms.

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Trailer Schweizerdeutsch, 01:50