Asakusa Kid (2021)

Asakusa Kid (2021)

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  2. 122 Minuten

Filmkritik: Fürst Takeshi bittet zum Tanz

Netflix
Ich bin oben, Du bist unten. So ist es und wird es immer sein.
Ich bin oben, Du bist unten. So ist es und wird es immer sein. © Netflix

Mitte der 1970er Jahre: Nach nur einer Woche bricht Takeshi Kitano (Yuya Yagira) sein Studium für Ingenieurwissenschaften ab. Er heuert in Asakusa, einem der bekanntesten Unterhaltungsviertel in Tokio, in einem Varieté des in die Jahre gekommenen Comedy-Stars Senzaburo Fukami (Yo Oizumi) an. Dieser leitet das Varieté zusammen mit seiner Freundin Mari (Honami Suzuki). Kitano ist von den Auftritten von Fukami fasziniert und möchte von ihm lernen. Fukami bringt Kitano den Stepptanz bei und hilft ihm mit harter Hand dabei, seine Unbeholfenheit abzulegen.

Kitano lernt die Sängerin und Tänzerin Chiharu (Mugi Kadowaki) kennen. Die beiden entwickeln grosse Sympathie füreinander. Als Kitano nach einigen Jahren der Zusammenarbeit mit Fukami beschliesst, fortan mit Kiyoshi (Nobuyuki Tsuchiya) auf Tour zu gehen, stösst das bei Fukami auf wenig Gegenliebe.

Asakusa Kid ist durchaus ein gelungenes Biopic, das einen kurzen Zeitraum aus Takeshi Kitanos Leben zeigt. Der Film lebt vom Zusammenspiel zwischen Kitano und seinem Lehrmeister und dem sich langsam, aber stetig verändernden Verhältnis zueinander. Einige Dialoge landen direkt in der Magengrube und die Schauspieler, wenn teils für westliche Verhältnisse auch ein wenig gewöhnungsbedürftig, spielen recht stark.

Der Film endet um einiges vor der Zeit als Takeshi Kitano z.B. als Gameshow-Moderator von «Takeshi's Castle» als Fürst Takeshi auch hierzulande grosse Bekanntheit erlangt hat. Im weiteren wurde Kitano nach seiner Zeit als Comedian auch als Schauspieler, Regisseur, Dichter, Maler und Moderator bekannt. Nicht zuletzt ist er seit vielen Jahren an der Tokyo National University of Fine Arts and Music als Dozent tätig.

Regisseur und Drehbuchautor Gekidan Hitori tanzt mit seiner Inszenierung von Asakusa Kid eine ganze Weile auf der Rasierklinge. Denn lange Zeit droht der Film nicht nur das Leben als Comedian zu zeigen, sondern auch zu einer nicht sehr guten Comedy zu verkommen. Doch spätestens im letzten Drittel fällt der Film auf die Seite des tragikomischen Dramas, das für einmal die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Kitano und der Tänzerin Chiharu hinten runterfallen lässt. Stattdessen wird immer wieder kurz mit dem Scheinwerfer auf die Beziehung zwischen Kitano und seinem Mentor geleuchtet, bevor sie dann in hellem Licht erstrahlt.

Ein Highlight ist sicher auch die gute Mischung zwischen traditioneller Musik und rassigem Sound. Wenn man bereit ist, den teilweise rasanten und nicht immer sehr guten Dialogen der angehenden Comedians im Film zu folgen und sich vom teils ein wenig überdrehten Schauspiel nicht abschrecken lässt, darf man sich auf ein gutes bis sehr gutes Biopic des japanischen Multitalents Takeshi Kitano freuen.

Christoph Reiser [chr]

Christoph arbeitet seit 2020 als Freelancer für OutNow. Er weiss, dass man Animationsfilme nicht hassen darf, dafür liebt er Sergio-Leone-Western. Der Besuch eines Filmfestivals ist zuoberst auf seiner Bucket-List, naja fast. Und er mag kein Popcorn im Kino, denn er steht auf Chips.

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