Day After... - Anyadin... (2021)

Day After... - Anyadin... (2021)

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  3. 115 Minuten

Filmkritik: Holy Ship

18. Zurich Film Festival 2022
Eine Seefahrt, die ist lustig…
Eine Seefahrt, die ist lustig… © Zurich Film Festival

Der alte Raddampfer «Rocket» hat schon einiges gesehen und miterleben müssen. Trotzdem fährt das einst so stolze Schiff treu diverse Passagiere übers Meer. Gezeichnet von der Zeit, hie und da etwas rostig und trotzdem funktionstüchtig. Dieses Mal läuft Rocket vom ehrwürdigen Hafen von Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesh, aus in Richtung Khulna an der Südküste.

Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist grau.
Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist grau. © Zurich Film Festival

Die unterschiedlichsten Menschen nehmen auf dem Kahn Platz und warten gespannt darauf, dass die Reise bald losgeht. Darunter sich auch der junge Influencer und Vlogger Mamun, der die Reise regelmässig in seinen Video-Tagebüchern festhalten will. Obwohl sich die Passagiere kaum kennen, leben sie auf der mehrtägigen Reise wie eine grosse Familie miteinander. Sie kochen, singen, tanzen und beten gemeinsam. Zwischendurch halten Sie kurz an Anlegestellen an, um weitere Passagiere aufzunehmen. Je länger die Schifffahrt dauert, desto mehr steigt der Druck auf Schiff und Besatzung. Gleichzeitig schwindet langsam der Vorrat an Nahrungsmitteln.

Day After… hat es in sich. Die Dokumentation beginnt zuerst gemächlich. Wortwörtlich. Einige Mitglieder der Besatzung verspäten sich, und auch mit der Technik des alten Raddampfers «Rocket» scheint noch nicht alles im grünen Bereich zu sein. Da der Film ausschliesslich auf diesem Raddampfer spielt, bekommen die Zuschauerinnen und Zuschauer auch nur wenig von der Landschaft Bangladeschs mit. Das will man irgendwie aber auch nicht. Die spannenden Menschen mit den verschiedensten kulturellen Bräuchen tragen den Film ans rettende Ufer.

Wenn man die 222 Kilometer lange Strecke zwischen Dhaka und Khulna mit dem Auto fahren würde, bräuchte man ungefähr 4.5 Stunden. «Rocket» halt als beinahe ausgedienter Raddampfer natürlich länger. Über mehrere Tage dauert die Reise. Doch dass es keine einfache Seefahrt wird, fällt zu Beginn kaum auf. Alle sind gut gelaunt, singen und tanzen zusammen über das Schiffsdeck.

Regisseur Kamar Ahmad Simon setzt seine «Wasser Trilogie» fort. Nach dem ersten Teil aus dem Jahre 2012, die den wundervollen Namen «Shunte Ki Pao!» oder hierzulande auch Are You Listening! trägt, legt er mit Day After… nochmals eine Schippe drauf und begibt sich mutig ins tiefe Fahrwasser. Der Film ist mit seinen 115 Minuten etwas zu lange geraten, war doch Kamar Ahmad Simons erster Streich satte 25 Minuten kürzer. Dies ist einer der wenigen Punkte, die man dem Film vorwerfen kann und muss.

Mit «Rocket», dem Raddampfer, hat man schon etwas Mitleid und hofft, dass er bis zum Ende durchhält und nicht kurz vor dem Ende der Fahrt noch sinkt. Das Schiff gleicht einer Arche. Die Menschen darauf sitzen wortwörtlich im selben Boot und vertragen sich dem entsprechend. Eine der poetischen Mitteilungen, die uns der Regisseur dabei auf den Weg geben will, ist, dass die Menschen auch auf engstem Raum koexistieren und gemeinsam selbst die schwierigsten Stürme durchsegeln können.

Bis auf den Vlogger Mamun, einen begabten Gitarristen und Sänger, und den Kapitän gibt es keine wirklich nennenswerte Person, da kaum ein anderer Passagier vorgestellt wird. Das ist sehr schade, wären doch die Geschichten der anderen Gäste bestimmt auch spannend gewesen. Was hat sie auf dieses Schiff bewegt? Wohin führt die Reise? Was machen sie, wenn sie da ankommen? Hier lässt uns der Regisseur etwas im Stich.

Grundsätzlich ist die Dokumentation dennoch gelungen und bietet wunderschöne Gesänge und eine tolle Message. Man hätte den Film aber gut und gerne 30 Minuten kürzen können. Abhaken und sich auf den dritten Teil der Trilogie freuen.

Sandro Götz [goe]

Sandro bringt seit 2021 für OutNow seine Worte auf den Bildschirm. Sein erster Kinofilm, «The Lion King», hat den Löwen in ihm geweckt. Seither liebt und lebt er alles, was mit dem Thema Film zu tun hat. Auch für Videospiele ist er stets zu begeistern und daddelt gerne auf Controllern rum.

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