Ankahi Kahaniya (2021)

Ankahi Kahaniya (2021)

  1. ,
  2. 110 Minuten

Filmkritik: Love hurts

Netflix
Grüezi!
Grüezi! © Netflix

Der junge Mann Pardeep (Abhishek Banerjee) verkauft in einem Laden Kleidung. Er ist vom Land in die Stadt Mumbai gezogen und muss mitansehen, wie alle auf Dates gehen und sich verlieben, nur er bleibt alleine. Seine Gefühlslage ändert sich schlagartig, als sein Chef eine weibliche Schaufensterpuppe kauft, die Pardeep abholen muss. Vom ersten Augenblick an ist er völlig in diese verschossen und behandelt diese fortan wie seine Freundin, ganz zum Missfallen seines Chefs.

Und ade.
Und ade. © Netflix

Manjari (Rinku Rajguru) lebt in Mumbai und kommt aus schwierigen Verhältnissen. Zu Hause drangsaliert, findet das Mädchen seinen Ausgleich in der Welt des Kinos. Hier trifft sie auf den Jungen Nandu (Delzad Hiwale), ebenfalls aus zerrütteten Verhältnissen stammend, der im Kino und am dazugehörigen Snackstand arbeitet. Durch Manjaris immer regelmässiger werdende Kinobesuche verbringen sie und Nandu immer mehr Zeit zusammen, bis sie beschliessen, etwas in ihren Leben zu verändern.

Ebenfalls in Mumbai treffen sich Tanu (Zoya Hussain) und Manav (Kunal Kapoor) aus unerfreulichem Grund: Ihr Partner Arjun (Nikhil Dwivedi) und seine Partnerin Natasha (Palomi Ghosh) hatten eine Affäre. Zusammen versuchen sie am Ort des Geschehens - einem Hotel, in dem die beiden an einem Business-Meeting teilgenommen haben - die Affäre zu rekonstruieren. Dabei gelangt das eine oder andere private Problem der beiden Paare ans Tageslicht.

Der indische Episodenfilm Ankahi Kahaniya erzählt drei unterschiedliche Storys, die nur thematisch einen Bezug zueinander haben. Es geht um die Liebe und die dazugehörigen Schwierigkeiten. Die Episoden unterscheiden sich in Spannung und Qualität, ist eine eher langweilig, greift eine andere interessante Ansätze auf. Als Vorteil an dieser Aufteilung erweist sich die Kürze der Episoden: Gefällt eine weniger, ist diese bald um und eine neue beginnt.

Eine Regisseurin und zwei Regisseure stehen hinter Ankahi Kahaniya, wobei sie für jeweils eine der drei Episoden verantwortlich waren.
Dabei vermischen sich weder die Charaktere noch Storyelemente. Der Film erzählt die Episoden als eigenständige Kurzgeschichten, die sich lose mit ähnlichen Themen befassen. Ebenso hätten die ungefähr 30- bis 40-minütigen Episoden als eigenständige Kurzfilme umgesetzt werden können. Der Aufbau mit Abblendung und Blackscreen zwischen den Episoden wirkt befremdlich, da diese zwar mit den Namen der Regisseurin oder des Regisseurs gekennzeichnet sind, selbst aber keinen Titel tragen.

Die einzelnen Episoden unterscheiden sich dann auch in deren Qualität und Unterhaltungswert, wirken alles in allem dann aber zu kurz, um eine intensivere Wirkung zu entfalten. Gerne hätte man - zumindest in der zweiten Episode - mehr über die Charaktere und deren Beweggründe für ihr Handeln erfahren.

Was sich in dieser spezifischen Episode als Nachteil erweist, wird in einer weiteren Episode jedoch zum Vorteil: Durch die begrenzte Laufzeit fällt es nicht zu sehr ins Gewicht, dass die erste Episode zwar gut gemeint ist, jedoch dennoch skurril daherkommt. Es geht dort um die Liebe zwischen einem jungen Mann und einer Schaufensterpuppe, wobei die Objektophilie thematisiert wird. Dabei befremdet nicht die Objektophilie als solche, sondern vielmehr die übermässig romantisierte Darstellung davon mit Super-Slow-Motions und einem immer widerkehrenden, nervigen Soundtrack, was das Thema ins Lächerliche zieht.

Die dritte Episode um das Aufarbeiten einer Affäre wiederum lässt relativ kalt. Es fällt dabei schwer, sich in die unterschiedlichen Charaktere einzufühlen, dafür ist deren Screentime zu kurz und die Story zu banal. Am interessantesten bleibt die zweite Episode, die durch ihre Machart und ebenso inhaltlich eine Ode ans Kino darstellt, mit körnigem Bild, schnellen Kameraschwenks auf die Charaktere und natürlich dem Kino als Spielort. Doch auch hier bleibt einiges unklar und unausgesprochen. Aus dieser Episode hätte allerdings gut ein eigenständiger Film drehen lassen, im Gegensatz zu den beiden anderen, die als Kurzgeschichte durchaus genügen.

Leider funktioniert Ankahi Kahaniya nur bedingt und unterhält als Gesamtwerk mässig. Die angedeutete Gesellschaftskritik ist zu leise und unaufdringlich, um langfristigen Eindruck zu hinterlassen dem Film Relevanz zu verleihen. Er ist so weder Fisch noch Vogel und bleibt bloss ein Film unter vielen.

Yannick Bracher [yab]

Yannick ist Freelancer bei OutNow seit Sommer 2015. Er mag (Indie-)Dramen mit Sozialkritik und packende Thriller. Seine Leidenschaft sind Filmfestivals und die grosse Leinwand. Er hantiert phasenweise noch mit einem Super-8-Projektor und lernt die alten Filmklassiker kennen und schätzen.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. facebook