Afterlife of the Party (2021)

Afterlife of the Party (2021)

Gibt es ein Leben nach der Party?
  1. 109 Minuten

Filmkritik: Heaven is a place on earth

Netflix
Shit, den Kochherd vergessen auszuschalten.
Shit, den Kochherd vergessen auszuschalten. © GRAHAM BARTHOLOMEW/NETFLIX

Cassie (Victoria Justice) liebt Partys. Genauso liebt sie es, im Mittelpunkt zu stehen und sich aufzustylen. Regelmässig überredet sie ihre Mitbewohnerin und beste Freundin Lisa (Midori Francis), mit ihr mitzukommen. So auch in Cassies Geburtstagswoche, in der traditionellerweise jeden Tag Party auf dem Programm steht. Nachdem sie bereits ordentlich getrunken hat und unbedingt mit ihren Freunden weiterziehen will, kommt es zum Eklat zwischen den beiden: Nach einem Streit geht Lisa nach Hause, Cassie feiert weiter.

Knuddel-time!
Knuddel-time! © GRAHAM BARTHOLOMEW/NETFLIX

Als Cassie betrunken nach Hause zurückkehrt, fällt sie im Bad unglücklich um und stirbt. Sie erwacht kurze Zeit später in einer Zwischenwelt wieder. Dort erklärt ihr der Engel Val (Robyn Scott) das Prozedere: Cassie hat auf der Erde noch offene Aufgaben zu erledigen. Fünf Tage hat sie nun Zeit, diese abzuschliessen, dann entscheidet sich, ob sie nach oben (in den Himmel) oder nach unten (in die Hölle) kommt. Das Problem: Sie kann sich zwar blitzschnell von Ort zu Ort teleportieren, wird von den Lebenden jedoch nicht gesehen oder gehört.

Afterlife of the Party versucht es allen recht zu machen und scheitert genau daran: Die Komödie ist wenig innovativ in der Umsetzung, besitzt nur geringfügig interessante Charaktere und schafft es nicht, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Die Story ist überzogen, zu kitschig inszeniert und viel zu vorhersehbar. Bedingt empfehlenswert ist der Film höchstens für Fans der Darstellerinnen oder leichter Unterhaltung.

Die im deutschen Synchrontitel gestellte Frage, ob es ein Leben gebe nach der Party, beantwortet die Komödie von Stephen Herek schon recht früh: Ja, gibt es. Es gibt sogar ein Leben neben der Party (welch eine Überraschung!).

Die Komödie beginnt mit Freundschaft, mit Outfits, mit Party. In dieser Anfangsphase wird kein Klischee ausgelassen, ein offenbar durch Oberflächlichkeiten und Belanglosigkeiten dominiertes Leben nachgezeichnet. Zwischen grellem Gekreische, Trinkgelagen und sinnbefreiten Dialogen entdecken die beiden jungen Frauen, dass sie doch unterschiedlicher sind als angenommen und sich sowieso auseinandergelebt haben. Durchaus möglich, dass ihr Verhalten der Realität durchschnittlicher Teens in diesem Alter entspricht, nervtötend ist es dennoch.

Erst als Cassie das Zeitliche segnet, kommt eine neue Story-Komponente mit ins Spiel, die etwas ernstere Töne anschlägt und zum Denken anregt: Nach Cassies Tod dämmert ihr durch die gütige Mithilfe des in der Zwischenwelt ansässigen Begleitengels Val doch noch, dass sie in irdischen Tagen durchaus eine Familie und (zumindest eine) gute Freundin hatte. Nichts mehr mit Party, schliesslich muss sie ins Lot bringen, was sie zu Lebzeiten nicht die Bohne interessiert hatte: Interesse an geliebten Menschen, Empathie, Rücksicht.

Doch auch diese Themen werden schnell durch stereotype Charaktere und Charaktereigenschaften ersetzt, sodass die interessante Phase des Filmes schnell vorbeizieht und die Komödie in alte Fahrtwasser gleitet. Neben der unsympathischen Hauptdarstellerin Victoria Justice - gecastet aus dem Nickelodeon-Universum - erstaunt die Emotionslosigkeit, die mit dem Film mitschwingt; und wenn Emotionen im Spiel sind, werden diese in purem Kitsch ertränkt. So bleibt die Idee der Story interessant, in der Umsetzung jedoch schwach.

Nachhaltig bleibt von dem Film nicht viel in Erinnerung. Füllerszenen wie Aufnahmen von einer Stadt oder aus der Natur, die nichts zur Story beitragen und oft in Soaps oftmals gebraucht werden, strecken die Laufzeit. Auch schauspielerisch bewegt sich Afterlife of the Party auf bescheidenem Niveau, es werden kaum Emotionen auf das Publikum übertragen, der Film plätschert vor sich hin. Hier wäre definitiv mehr möglich gewesen.

Yannick Bracher [yab]

Yannick ist Freelancer bei OutNow seit Sommer 2015. Er mag (Indie-)Dramen mit Sozialkritik und packende Thriller. Seine Leidenschaft sind Filmfestivals und die grosse Leinwand. Er hantiert phasenweise noch mit einem Super-8-Projektor und lernt die alten Filmklassiker kennen und schätzen.

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