You Cannot Kill David Arquette (2020)

You Cannot Kill David Arquette (2020)

  1. 91 Minuten

Filmkritik: Das Kind im Manne

Superstar? Wohl kaum!
Superstar? Wohl kaum! © Amazon Prime

David Arquette war einst ein vielversprechender Jungstar aus Hollywood, der mit Kinohits wie der Scream-Reihe oder Never been kissed auch finanziell erfolgreich war und eigentlich eine goldene Zukunft hatte. Dann aber kam Ready to Rumble, eine Komödie im Wrestlingzirkus, und Arquette leckte Blut. Zu Promotionszwecken wurde ihm in einer grossen Wrestlingshow (WCW Nitro) sogar der Weltmeistergürtel verliehen, was ihn einerseits filmisch völlig aus der Rolle brachte und gleichzeitig zum Buhman einer ganzen Unterhaltungsecke machte. Wie kommt man dazu, einem Hollywood-Typen einen prestigeträchtigen Weltmeistergürtel zu verleihen? Das geht doch nicht!

Arquettes Leben war danach nicht mehr das gleiche. Im Wrestling konnte er, auch mangels Fähigkeiten und Ausstrahlung, nicht Fuss fassen, und Filme (den lustigen Eight Legged Freaks mal ausgenommen) kamen auch keine mehr. Nun sitzt er, zwanzig Jahre später, vor dem Nichts. Zwar mit einer tollen und wunderbaren Ehefrau (Christina McLarty-Arquette) und herzigen Kids gesegnet, fasst sich dieses Kind im Männerkörper den Entschluss, sein grosses Wrestlingcomeback zu starten. Fern von Scheinwerfern und Zuschauermassen macht er sich auf, seinen Lebenstraum zu erfüllen. Sei es auch schmerzhaft, blutig und lebensgefährlich - David Arquette will als Wrestler ernstgenommen werden!

Für Wrestlingfans lohnt sich You cannot kill David Arquette absolut. Die Welt hinter dem Vorhang, ohne Glanz und Gloria, kann nicht oft genug gezeigt werden. Das Blitzlicht und die Zuschauermassen können nur nur wenige Kämpfer geniessen. Wrestling als Lebensunterhalt ist ein dreckiges Geschäft, das uns David Arquette eindrucksvoll näherbringt. Als Mensch verdient der Kerl nichts als grössten Respekt, und es darf gehofft werden, dass er diese Reise noch weiterführen kann. Zu gönnen wär's ihm.

Wir haben uns 2008 gefreut, dass mit The Wrestler ein Film breiten Anklang fand, der das Leben hinter den Kulissen des Wrestling-Zirkus zum Thema hatte. Damals quälte sich Mickey Rourke durch schmerzhafte Aktionen, im realen Leben übernimmt diese Rolle David Arquette. Der sympathische Kerl, dem man trotz seiner vielen dummen Ideen nicht recht böse sein kann, lässt sich in You cannot kill David Arquette von einer Kamera verfolgen, wenn er vom deprimierten Couch-Potato zum respektablen Kämpfer im Ring wird. Oder werden will - denn der Weg dorthin bringt ihn nicht nur körperlich an seine Grenzen, sondern vor allem auch psychisch.

You cannot kill David Arquette macht sich auf den Weg, David Arquette bei seinem Training, seinen Arztbesuchen und seinen Auftritten zu folgen. Doch die Welt wartet nicht auf einen aus der Form geratenen Hollywoodstar, und so muss er sich in Hinterhöfen prügeln, sich in Reissnägel werfen und Absage um Absage verarbeiten. Dieser Kampf, vom kaputten Nichts bis zum einigermassen respektierten Menschen ist beeindruckend. Ob in Mexiko, kämpfend an der Strassenampel, oder irgendwo im Keller schmerzen ertragend. Arquette will seinen Traum nicht einfach so aufgeben.

Natürlich setzt You cannot kill David Arquette Interesse am einerseits brutalen und glanzlosen Wrestlingbusiness oder der Person David Arquette voraus. Wer sich aber auf diese Doku einlässt, sieht einen Menschen, der eine Hollywoodkarriere versaute, sich seinem Traum hingab und nun dafür kämpfen muss. Immer wieder von Interviewausschnitten seiner Geschwister (Rosanna Arquette, Patricia Arquette) oder auch Ex-Ehefrau (Courtney «Friends» Cox) unterbrochen, überzeugt dieser Film mit Härte, Realität und einem schwitzenden, keuchenden, aber kämpfenden Protagonisten.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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