Wonder Woman 1984 (2020)

Wonder Woman 1984 (2020)

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  3. 151 Minuten

Filmkritik: Hol das Lasso raus!

Es funkt gewaltig zwischen den beiden!
Es funkt gewaltig zwischen den beiden! © & ™ DC Comics and Warner Bros. Entertainment Inc.

Washington, D.C. im Jahr 1984: Diana Prince (Gal Gadot) führt seit dem Tod von Steve Trevor ein zurückgezogenes Leben, doch setzt sie ihre Wonder-Woman-Superkräfte auch immer mal wieder ein, wenn fiese Diebe unschuldige Menschen bedrohen. Wenn Diana nicht gerade ihre Rüstung trägt, arbeitet sie am Smithsonian National Museum und kommt dort mit einem Gegenstand in Kontakt, welcher anscheinend Wünsche erfüllen soll.

Hol das Lasso raus. Wir spielen Cowboy und Mandalorianer.
Hol das Lasso raus. Wir spielen Cowboy und Mandalorianer. © & ™ DC Comics and Warner Bros. Entertainment Inc.

Doch nicht nur für Diana ist dieser Gegenstand von Interesse, sondern auch für die Smithsonian-Mitarbeiterin Barbara Minerva (Kristen Wiig) und den Geschäftsmann Max Lord (Petro Pascal). Als alle drei je einen Wunsch erfüllt bekommen, hat dies gravierende Auswirkungen auf die Menschheit und den ganzen Planeten. Denn besonders Barbara und Max driften immer mehr ins Böse ab. Gleichzeitig realisiert Diana langsam, dass es gut ist, wenn man nicht alles hat, was man sich wünscht. Doch wird diese Einsicht vielleicht zu spät kommen?

Wonder Woman 1984 ist eine gelungene Fortsetzung, da sie spannende neue Figuren einführt und die eigentlich unzerstörbare Heldin nicht nur mit Pistolenkugeln, sondern vor allem auch mental testet. Ein äusserst menschlicher Film, welcher mit Gadgets und seiner simplen, manchmal sogar kitschigen Story nie seine Herkunft leugnet.

Es ist nicht ganz einfach, über Wonder Woman 1984 einen Text zu schreiben, ohne darin zu spoilern. Wird nämlich erklärt, von welcher (auch mal von den Simpsons erzählten) Horrorkurzgeschichte diese Fortsetzung inspiriert wurde, wird sie recht vorhersehbar. Deshalb lassen wir das bleiben und erzählen lieber, dass Diana Princes zweiter Solofilm dem Erstling ins nichts nachsteht und in einigen Belangen sogar besser ist.

Das Filmteam um Patty Jenkins und Co. hat bei seinem Vorhaben ein paar Seiten aus dem Dark-Knight-Lehrbuch entnommen. Es führt mit Barbara Minerva (Kristen Wiig) und Max Lord (Pedro Pascal) zwei interessante neue Figuren ein, bringt für Comic-Fans bekannte Gadgets auf die Leinwand und vergisst dabei nicht, mit Gefühl und Action ein unterhaltsames Erlebnis zu bieten. Auffallend ist, dass die Titelheldin zwischendurch fast ein bisschen in den Hintergrund gedrängt wird.

Wonder Woman 1984 hat mit Diana Prince, Barbara Minerva und Max Lord eigentlich drei Hauptfiguren. Jenkins lässt sich genügend Zeit mit diesem Trio, wobei alle durch viel Menschlichkeit auffallen und besonders Wiigs Charakter eine ziemlich coole Wandlung durchmacht - gemeint ist dabei nicht unbedingt die äussere, CGI-mässig eher schwach gemachte Verwandlung gegen Ende des Filmes. Zu Beginn erinnert ihre Barbara mit der Verunsicherung und der Tollpatschigkeit etwas an Wiigs Ghostbusters-Rolle, doch spätestens nach einer Stunde ist das vergessen.

Dass Chris Pines im ersten Film eigentlich verstorbener Steve Trevor zurückkehrt, wurde in allen Trailern und auf Artworks ja bereits verraten. Die Frage war, wie überzeugend das erklärt wird. Die Antwort macht innerhalb der erzählten Geschichte Sinn, wobei Trevor mehr zum Test für die mehrheitlich mit sich selbst kämpfende und deshalb umso menschlicher wirkende Heldin wird. Höhepunkt ist dabei eine herzzerreissende Szene, welche mit dem bekanntesten Stück aus dem Sunshine-Score untermalt wurde.

WW1984 erreicht jedoch nie die Komplexität des vorhin erwähnten Batman-Trilogie-Mitteilteils von Christopher Nolan, sondern erinnert mit seiner simplen Story und der leicht verständlichen Botschaft mehr an einen Samstagmorgen-Cartoon oder an eine der WW-Folgen mit Lynda Carter.

Daran dürften sich einige stören, da das Superheldengenre eigentlich auch Grösseres zu leisten imstande ist. Doch manchmal tut es einfach gut, einen Blockbuster zu sehen, der sein Herz am rechten Fleck hat und Hoffnung, Vergebung sowie innere Stärke predigt. Zwar ist das in 151 Minuten etwas zu breit ausgewalzt, doch im Kino, wo wir den Film sehen konnten, lässt man sich trotzdem gerne von diesem Bilderrausch überwältigen.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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Kommentare Total: 4

gunrock

Der Film nimmt sich Zeit und hat nicht die grössten Action Szenen. Trotzdem war ich besser unterhalten als ein grosser Teil der Marvel Filmen. Ich kann mir aber Vorstellen, dass dies im Heimkino mit all seinen Ablenkungen nicht funktioniert.

bachi86

Eine solide Fortsetzung die sich im Mittelfeld bewegt. Man nimmt in diesen Zeiten was man kriegt. Ich war froh, wiedermal etwas neues zu sehen, nach all den Verschiebungen. Das 80er Jahre Setting gefällt!

crs

Filmkritik: Hol das Lasso raus!

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