Wolfwalkers (2020)

Wolfwalkers (2020)

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  3. 103 Minuten

Filmkritik: Hungry Like the Wolf

45th Toronto International Film Festival
«Na, bei dir piept's wohl.»
«Na, bei dir piept's wohl.» © 2020 Apple Inc. All rights reserved.

Irland im 17. Jahrhundert: Der englische Jäger Bill Goodfellowe (Stimme: Sean Bean) und seine junge Tochter Robyn (Stimme: Honor Kneafsey) reisen ins irische Kilkenny, um dort die letzten Wölfe zu töten, die im Wald vor der Stadt ihr Unwesen treiben. Als die abenteuerlustige Robyn eines Tages ohne die Erlaubnis ihres Vaters den Wald alleine erkundigt, macht sie tief im Dickicht die Bekanntschaft mit Mebh (Stimme: Eva Whittaker).

Wie ging das nochmals mit der hohlen Gasse?
Wie ging das nochmals mit der hohlen Gasse? © 2020 Apple Inc. All rights reserved.

Das junge Mädchen wurde von Wölfen aufgezogen und gehört zu einer sageumwobenen Gruppe von Menschen, die sich in der Nacht in Wölfe verwandeln soll. Einer dieser Menschen in Wolfgestalt sei anscheinend auch Mebhs Mutter, die hinter den Mauern Kilkennys vom sinistren Lord Protector (Stimme: Simon McBurney) gefangen gehalten wird. Robyn beginnt immer mehr zu realisieren, dass die grösste Gefahr nicht von den Wölfen im Wald ausgeht, sondern von machthungrigen Menschen in der Stadt.

Mit Wolfwalkers endet die Irish Folklore Trilogy, welche mit The Secret of Kells und Song of the Sea begann, auf ihrem Höhepunkt. Der von der Story her an Prinzessin Mononoke erinnerende Familienfilm beeindruckt mit handgezeichneter Zeichentrickkunst, einem grossen Herz und tollen Figuren. Der bisher beste Film des irischen Animationsstudios Cartoon Saloon.

Nach einem Ausflug nach Kabul mit The Breadwinner erzählt das auf keltische Folklore spezialisierte, im irischen Kilkenny ansässige Animationsstudio Cartoon Saloon nun wieder eine Geschichte, die in der Heimat angesidelt ist. Und wie schon The Secret of Kells und Song of the Sea ist auch der Abschluss der «Irish Folklore Trilogy» mit dem Titel Wolfwalkers ein Film, der es verdient hat, mehr als nur ein Geheimtipp zu sein.

Wie üblich beim Studio - das übrigens schon vier Oscarnominationen verbuchen konnte -, wurde auch bei Wolfwalkers auf aufwändigen CGI-Schnickschnack verzichtet. Stattdessen gibt es viele handgezeichnete 2D-Bilder, auf denen optisch flach wirkende Charaktere mit Hilfe der simplen, aber effektiven Geschichte und Sprechern wie Sean Bean mit zunehmender Laufzeit immer mehr zu dreidimensionalen Figuren werden, mit denen man mitfühlt. Gewöhnungsbedürftig ist sie schon, diese spezielle Art der Zeichentrickkunst, die durch die vielen Striche immer etwas wirkt, als hätten die Macher vergessen erste Bleistiftskizzen wegzuradieren. Aber ist man erstmals gefühlsmässig in dieser Sagenwelt angekommen, entfaltet sich ein mitreissender und berührender Familienfilm, der auch nicht vor etwas düsteren Elementen zurückschreckt. Zu vergleichen ist das am ehesten noch mit dem Ghibli-Klassiker Prinzessin Mononoke.

Besonders der von Charakter-Darsteller Simon McBurney gesprochene Bösewicht gehört zu den fiesesten Kreaturen, welche Cartoon Saloon je erschaffen hat. Zwar ist der Animationsstil weit von jenem der Disney-Filme entfernt, doch erinnert dieser Lord Protector an die Fieslinge aus Beauty and the Beast und Pocahontas. Mit letztgenanntem Film teilt Wolfwalkers die Sichtweise auf die ach so zivilisierte Welt, die viel rücksichtsloser als die als wild titulierten Bewohner agiert. Wo im Disney-Film von 1995 dann jedoch herzige Sidekicks und Kitsch die Intensität etwas verminderten, ist Wolfwalkers die ganze Zeit über roh, wild und besitzt so eine unbändige Energie, womit auch sehr gut Heldin Mebh beschrieben werden kann. Gut, dass die Handlung nicht aus ihrer Sicht erzählt wird, sonst könnte einem schwindlig werden. Mit Protagonistin Robyn wird man behutsam in diese fantasievolle Welt platziert, deren Erkundung trotz einiger vorhersehbarer Elemente immer Lust auf mehr macht. Ein magischer Film!

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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