The Witches (2020)

The Witches (2020)

Hexen Hexen
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  3. 104 Minuten

Filmkritik: Verhext und zugemaust

Was viele nicht wissen: Der Joker hat eine Schwester.
Was viele nicht wissen: Der Joker hat eine Schwester. © Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved

Im Jahr 1968 verliert der achtjährige Jack (Jahzir Bruno) bei einem Autounfall seine Eltern und zieht deshalb von Chicago zu seiner Grandma (Octavia Spencer) nach Alabama. Eines Tages begegnet der kleine Junge in einem Laden einer seltsamen Lady, die ihm Süssigkeiten anbieten will. Weil er aber ein ungutes Gefühl hat, läuft er schnell weg. Seine Grandma verrät ihm daraufhin, dass die Frau eine Hexe sein müsse. Hexen gebe es nämlich wirklich und sie kennen nichts Schöneres, als kleine Kinder in Tiere zu verwandeln.

«Bub, halt dich bloss von der Katze fern!»
«Bub, halt dich bloss von der Katze fern!» © Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved

Grandma beschliesst deshalb, sofort wegzufahren. Sie buchen sich in einem schicken Hotel am Meer ein, da Hexen es ja nur auf arme Leute abgesehen haben. Leider findet genau in diesem Hotel ein Hexenkongress statt, der von der Grossmeisterhexe (Anne Hathaway) geleitet wird. Als Jack den Hexen zufällig auf die Schliche kommt, gerät er in ihre Fänge und wird durch einen Zaubertrick in eine Maus verwandelt. Mit seiner Grandma und seinen neuen Freunden Bruno Jenkins (Codie-Lei Eastick) und Mary (Stimme: Kristen Chenowith), beides ebenfalls in Mäuse verwandelte Kinder, will er nun versuchen, den Hexen das Handwerk zu legen.

Robert Zemeckis' Neuverfilmung von Roald Dahls gleichnamigem Kinderbuchklassiker verleiht der bösen Märchenhexe eine neue, gruselige Fratze. Versetzt ins Alabama der 1960er-Jahre und mit einem afroamerikanischen Protagonisten im Zentrum, ist The Witches ein äusserst kurzweiliger Familienfilm geworden, der mit gelungenen Effekten und bekannten Gesichtern aufwartet. Insbesondere die effektlastigen Sequenzen mit Anna Hathaways fieser Oberhexe halten dabei einen ordentlichen Schuss Gruselspass bereit.

Bereits 1990 fand Roald Dahls gruseliges Buch über böse Hexen ein erstes Mal den Weg auf die Leinwand. Damals begeisterte der Film mit aufwändigen, gruseligen Effekten aus den Jim Henson Studios sowie durch den starbesetzten Cast (u. a. mit Anjelica Huston und Rowan Atkinson). Dass nun eine Neuadaption des Romans produziert wurde, welche sowohl die Möglichkeiten der weiterentwickelten Visual Effects nutzt als auch aufwändiges Monster-Makeup einsetzt, war fast schon zu erwarten. Auch dass Robert Zemeckis auf dem Regiestuhl Platz nahm, überrascht kaum, hat er doch während seines ganzes Filmschaffens immer wieder von den neuesten filmischen Möglichkeiten Gebrauch gemacht. Und diese sind hier durch animierte Mäuse, entstellte Hexenfratzen und spektakuläre Furzflüge auch reichlich zu sehen.

Die Neuverfilmung versetzt die Geschehnisse aus Grossbritannien in die Südstaaten der USA, wo durch die Situierung in den späten Sechzigern - zumindest am Anfang - auch etwas Motown-Feeling aufkommt. Mit Oscarpreisträgerin Octavia Spencer (The Help) bekommt die brave norwegische Oma aus dem Buch einen taffen, aber immer noch liebenswerten afroamerikanischen Spin. Als Off-Erzähler ist zudem Chris Rock als erwachsener Protagonist zu hören, der seine Zeilen allerdings - ganz typisch - schon ziemlich übertrieben zum Besten gibt.

Neben der wie immer sympathisch auftretenden Spencer als anpackende Oma ist es jedoch in erster Linie Anne Hathaway, deren durch und durch böse Figur den stärksten Eindruck hinterlässt. Zwar stört ihr osteuropäischer Akzent, der sehr uneben geraten ist, doch sieht man ihr die Freude am Fies-Sein in jeder Minute an. Mit aufwendiger Garderobe, Bösewichterbüsi und spektakulärem Makeup drückt sie dem Film über weite Strecken ihren Stempel auf. Hier sind auch die aufwendigsten Effekte zu sehen, wenn sich etwa der Mund der Grossmeisterhexe in eine venomähnliche Fresse verzieht oder sie ihre Arme immer länger wachsen lässt, um die verzauberten Kinder zu fangen.

Für ganz kleine Zuschauer sind diese Sequenzen also bestimmt nicht geeignet - aber das war diese Geschichte ja sowieso nie. Bei allen Gruselbildern ist The Witches aber vor allem ein temporeiches Fantasy-Abenteuer über drei Kids und ihre Oma, die dem Bösen mit cleveren Einfällen zeigen, wo der Hammer hängt.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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Kommentare Total: 2

muri

Hathaway rettet einen recht öden Familienfilm. Hat mir die alte Version schon besser gefallen.

pps

Filmkritik: Verhext und zugemaust

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