Welcome to Chechnya (2020)

Welcome to Chechnya (2020)

  1. 107 Minuten

Filmkritik: Mit Deepfake die Wahrheit zeigen

16. Zurich Film Festival 2020
In Sicherheit?
In Sicherheit? © Zurich Film Festival

Ein geheimes Netzwerk von Aktivisten setzt sich für queere Menschen in Tschetschenien ein. Während Präsident Ramzan Kadyrov behauptet, dass es in seinem Land keine Homosexuellen gibt, werden dort immer wieder Mitglieder der LGBTQ+-Community brutal angegriffen oder noch schlimmer von der Polizei aufgegriffen und brutal gefoltert. Meist hilft nur die Flucht ins Ausland. Der Dokumentarfilm von David France zeigt an ein paar Beispielen auf, wie schwierig und gefährlich es ist, die gefährdeten Leute in Sicherheit zu bringen - und wie auch Mitglieder des Netzwerks ins Fadenkreuz geraten können.

Um die Leute, die im Film gerettet werden müssen, zu schützen, verwendet diese Doku die Deepfake-Technologie. Ihre Gesichter werden so unkenntlich gemacht. Dies sieht zwar befremdlich aus, ist jedoch weit weniger verstörend als das, was der Film an brutalen Überwachungskamera-Aufnahmen und psychischem Horror zeigt. Welcome to Chechnya ist kein einfacher, sondern ein bedrückender Film, der betroffen und wütend macht und dabei so spannend wie ein Thriller ist. Von vielen Dokumentarfilmen wird ja schnell mal behauptet, dass sie «wichtig» seien. Dieser hier ist es definitv, da er ein Scheinwerferlicht auf etwas richtet, das man sonst nicht für möglich halten würde.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Trailer Originalversion, mit englischen Untertitel, 01:49