Undine (2020)

Undine (2020)

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  3. 90 Minuten

Filmkritik: Märchenhafte Unterwasserwelt

70. Internationale Filmfestspiele Berlin 2020
Bädälä
Bädälä © Schramm Film/Christian Schulz

Undine (Paula Beer) sitzt in einem netten Café und schaut ihr Gegenüber ungläubig an. Hat ihr Freund tatsächlich gerade mit ihr Schluss gemacht? Sie gibt ihm eine halbe Stunde Bedenkzeit und geht zur Arbeit, doch als sie wiederkommt, ist er verschwunden. Auf der Suche nach ihm stolpert sie über Christoph (Frank Rogowski), der sich für ihren stadthistorischen Vortrag bedanken will, den sie kurz vorher gehalten hat. Beide sind mit ihren Blicken so versunken ineinander, dass Christoph nicht bemerkt, gegen ein Regal zu stolpern. Ein grosses Aquarium geht dabei zu Bruch und beide werden mit dem kompletten Inhalt wasserfallartig übergossen.

"Na, wo is' sie denn?!"
"Na, wo is' sie denn?!" © Schramm Film/Marco Krüger

Fortan sind sie unzertrennlich und reisen in jeder freien Minute zueinander. Als Christoph bei seinem Job als Industrietaucher schwer verletzt wird, bricht für Undine eine Welt zusammen. Muss sie sich für ihren Geliebten opfern, damit er ins Leben zurückkehren kann? Oder wird es ihnen beiden noch einmal möglich sein, zusammen glücklich zu sein?

Undine ist die zweite Zusammenarbeit des Regisseurs Christian Petzold mit Frank Rogowski und Paula Beer in den Hauptrollen. Hatten sie in Transit nicht die Möglichkeit, ihre Liebe zu entfalten, so ist sie hier umso kraftvoller angelegt. Ein Liebesmärchen um die bekannte mystische Wasserfigur Undine und den Taucher Christoph, kraftvoll, bezaubernd, märchenhaft und wunderbar gespielt.

«Undinen» sind weibliche, halbgöttliche Wassergeister, die erst dann eine Seele bekommen, wenn sie sich mit einem Menschen vermählen. Einem untreuen Begleiter bringen sie den Tod, und sie selbst müssen ins Wasser zurückkehren. Die Undine in Christian Petzolds gleichnamigen Film ist kein Geist, sondern vielmehr eine bodenständige junge Frau, die einem ordentlichen Beruf nachgeht. Nichtsdestotrotz muss auch sie sich den Gegebenheiten der Liebe fügen und eine überraschende Trennung von ihrem Geliebten verkraften. Sie droht ihm mit dem Tod, findet aber alsbald Ablenkung in der kraftvollen, ungeahnten und überrollenden Begegnung mit Christoph.

Es ist quasi Liebe auf den ersten Blick, und Paula Beer sowie Frank Rogowski glaubt man das sofort. Beide verschmelzen miteinander, sind wie füreinander geschaffen und ihrer Liebe scheint nix im Weg zu stehen. Ein platzendes Aquarium steht für den Beginn ihrer Beziehung und Wasser wird sie fortan auch begleiten, denn es ist der tägliche Arbeitsort von Christoph, dem Industrietaucher.

Das Wasser ist quasi ihr Element, sie fühlen sich beide darin bestens aufgehoben. Eine der schönsten Szenen ist ein gemeinsamer Tauchgang, bei dem sie fast vertrauter miteinander umgehen als an Land. Es ist auch das Wasser, das die beiden wieder voneinander trennen wird, aber auch Neues erschaffen wird. Untermalt werden die ruhigen, friedlichen Unterwasserszenen von den Klängen Johann Sebastian Bachs.

Die Idee zum Film entstand bereits bei den Dreharbeiten zu Christian Petzolds Transit, in dem beide Darsteller auch die Hauptrollen übernahmen, ihre Liebe jedoch unerfüllt blieb. Der Wunsch des Regisseurs war es, den beiden Schauspielern auch einmal ein glückliches Drehbuch in die Hand zu geben, eine Geschichte, in der sie zumindest kurzweilig ihr Glück miteinander ausleben können.

Undine ist ein erstaunlich sinnlicher und ruhiger Film geworden, eine stille Liebesgeschichte eingebettet in Vorträge über die Berliner Stadtgeschichte. Diese bodenständigen Fakten stehen im Kontrast zu dem mystischen Aspekt. Die Mystik ist es, die dem Film etwas Märchenhaftes verleiht, die Liebe der beiden ist bezaubernd anzusehen, die zwei Schauspieler sind wunderbar besetzt in ihren Rollen. Zum Ende des Films wendet sich das Glück des Paares, aber in eine durchaus akzeptable Richtung, die in die Zukunft weist.

Julia Stache [jst]

Julia ist seit 2007 Freelancerin bei OutNow und kommt aus Berlin. Seit 2002 ist sie regelmässig bei der Berlinale dabei. In Jane-Austen-Filmen kann sie träumen und mitleiden. Sehr angetan haben es ihr Thriller, Christian Bale und James McAvoy.

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