The Truffle Hunters (2020)

The Truffle Hunters (2020)

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  2. 84 Minuten

Filmkritik: Ich möchte so 'ne Knolle, koste es was es wolle

16. Zurich Film Festival 2020
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Die Trifolai, die Trüffeljäger, sind ganz besondere Gesellen. Die meisten sind bereits in einem hohen Alter und eingedenk des Wertes ihres Wissens hüten sie ihre Geheimnisse sorgfältig und zugleich resolut. Die Trifolai haben sture Köpfe und es ist schwer, sich ihnen anzunähern. Da ist etwa der greise Trüffeljäger, der sich auch im hohen Alter mit Taschenlampe und Hund ausgerüstet in der Nacht auf die Suche nach den seltenen Pilzen macht. Damit treibt er seine Frau zur Verzweiflung, die sich Sorgen um ihn macht. Wieder ein anderer hochbegabter Trifolaio hat die Schnauze voll von der Gier und möchte alles hinschmeissen.

Die Trüffelauktionen zeigen, wie gesucht diese Rarität ist und sogar ein Händler mit jahrelanger Erfahrung muss hartes Brot essen, um sich über Wasser halten zu können. Als einer der Hunde einen Giftköder erwischt, ist der Besitzer völlig verzweifelt. Der Film zeigt die Faszination am Trüffel und wie die Trifolai wie Druiden die Natur lesen können. Es kommen aber auch die Schattenseiten des Geschäfts zur Sprache.

Das faszinierende Porträt der Trüffeljäger im Piemont ist eine Liebeserklärung an die Natur. Die Welt der Trüffel ist nur schwer greifbar und die Trifolai einzugrenzen, die betagten Sucher und Kenner der Knolle mit ihren Hunden, ist nicht viel einfacher. Die Regisseure nähern sich jedoch mit Geduld dieser Welt an und macht einen poetischen Film daraus.

Was kann ein Regisseur über ein Thema erzählen, das so voll von Rätseln ist? Er nähert sich dem Thema Schritt für Schritt an. Das Cinéma vérité des Filmemachers, der ohne Erzählerkommentar Teil des Geschehens ist, erweist sich für das Thema als Punktlandung. Daraus ergeben sich besonders faszinierende Momente, wenn die Hunde mit einer Art Helmkamera nach Trüffeln suchen.

Das Eintauchen in die Tradition der Trüffeljäger, die in Einklang mit der Natur über Generationen weiterwandert, braucht für den Regisseur viel Geduld und er nähert sich dieser Welt mit gelassener Neugierde an. Die betagten Männer sind gesellig und gesprächig, aber sobald der Fokus auf die Trüffel gelenkt wird, geht bei ihnen ein Schutzwall hoch und sie schweigen. Ein Trüffelhändler spricht mit einem kinderlosen Trifolaio und erklärt ihm, dass sein Wissen verloren gehen könnte, wenn er es nicht weitergebe. Er rennt jedoch an. Das Geheimnis der Stellen, wo sie besonders viele Trüffel finden, hegen sie wie einen Schatz im Tresor. Auch im hohen Alter gehen sie bevorzugt in der Nacht in den Wald, um möglichst wenig Spuren zu hinterlassen und nicht nur einmal lassen sie die Ehefrau und auch den Zuschauer besorgt zurück, wenn sie sich in der Dunkelheit in das Dickicht der Wälder im Hinterland von Asti wagen.

Der Film befasst sich aber nicht nur mit der Faszination der Trüffel, sondern auch mit den Schattenseiten dieser Welt. Ein Trifolaio hat beispielsweise die Nase voll von der Gier, die die wertvollen Knollen umgibt, und schmeisst alles hin. Das Flehen eines befreundeten Trüffelhändlers macht in nur noch wütender und es ist ihm egal, dass sein Wissen verloren geht, wenn der mit Trüffeln nichts mehr zu tun hat. Dass sogar Giftköder für die Hunde gelegt werden, lassen den Zuschauer nachdenklich zurück und die Auktionen der Trüffel zeigen, dass das Geschäft damit alles andere als faszinierend ist, sondern knallhartes Geschäft.

Mit gutem Schnitt und Timing geben die Filmemacher Michael Dweck und Gregory Kershaw dem Film eine spannende Erzählstruktur mit viel Drive. Ihr umfassender Blick auf die Welt der Trüffel ist faszinierend und desillusionierend zugleich, aber schlussendlich doch versöhnlich.

Giancarlo Schwendener [gia]

Giancarlo ist James Bond 15 Jahre lang auf Augenhöhe begegnet. Mit dem Abgang von Daniel Craig ist damit vorerst Schluss, aber er hat diese Zeit genossen. Er liebt die grosse Anzahl an denkwürdigen Filmen, aber drei Leute bilden für ihn das Triumvirat: Sergio Leone, Robert De Niro und Marlon Brando.

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