Tove (2020)

Tove (2020)

TOVE - Auf der Suche nach Freiheit und Liebe
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  3. 103 Minuten

Filmkritik: Liebe, Sehnsüchte und knuffige Trollwesen

Woran denkt sie wohl?
Woran denkt sie wohl? © Sami Kuokkanen

Den älteren Semestern unter uns dürften die Mumins noch ein Begriff sein. Die knuffigen Trollwesen waren nicht nur in Comics und Büchern, sondern auch auf dem Fernsehbildschirm gern gesehene Figuren und haben wohl so manche Kindheit geprägt. Hinter den putzigen Kreaturen steht die finnische Künstlerin Tove Jansson (1914-2001), die heute noch als eine der bekanntesten und bedeutendsten Künstlerinnen Finnlands gilt.

Herumt(r)ollen
Herumt(r)ollen © Sami Kuokkanen

Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs steht die junge Malerin Tove im Schatten ihres von der Kunstwelt hochgeschätzten Vaters. Während sie versucht, sich einen eigenen Namen als Künstlerin zu machen, lernt sie die lebenslustige Vivica Bandler kennen - und lieben. Zwischen den beiden ungleichen Frauen entflammt eine Romanze, die versteckt bleiben muss. Nicht nur weil Homosexualität in der gesellschaftlichen Schicht, in der sich Jansson bewegt, ein Tabu ist, sondern auch, weil mit dem liebenswürdigen Atos ein Mann in Janssons Leben tritt, der sie gerne heiraten möchte.

Alma Pöysti trägt diesen Film auf ihren Schultern und liefert eine hervorragende Leistung ab. Ihr gelingt es in diesem ruhigen und gemächlichen Film mit reduziertem Schauspiel eine vielschichtige Figur zu zeichnen, deren Sorgen, Ängste und Wünsche jederzeit nachempfunden werden können. Mehrheitlich mit der Handkamera gedreht und in blassen Farben gehalten, ergibt sich ein intimer Einblick in das Leben und Schaffen von Tove Jansson.

Gleichzeitig hat der Film aber auch eine Schwere, die ihm manchmal selbst zur Last wird. Regisseurin Zaida Bergroths Ansatz, vor allem die Beziehungen zwischen Jansson und ihrer grossen Liebe Vivica Bandler ins Zentrum zu rücken, ist zwar nachvollziehbar, drängt aber Janssons wohl bekannteste Schöpfung zu sehr in den Hintergrund. Die Mumins und ihre Bedeutung in Tove Janssons Leben sowie für ihren Ruf als Künstlerin werden nur angeschnitten, was ziemlich schade ist.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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