Tesla (2020)

Tesla (2020)

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  2. 96 Minuten

Filmkritik: Oh, wie süss! Ein Büsi!

«Ich streichle mal die Katze.»
«Ich streichle mal die Katze.» © Vestron Pictures Switzerland. All Rights Reserved.

Nikola Tesla (Ethan Hawke) ist ein brillanter junger Erfinder, der sich rund ums Thema Elektrizität nicht in den Schatten von Thomas Alva Edison (Kyle MacLachlan) zu stellen braucht. Das zeigt sich während seiner sechs Monate, die er für Edison arbeitet, blitzartig. Alleine die Tatsache, dass Edison sich ausschliesslich mit Gleichstrom beschäftigt und den Wechselstrom keines Gedankens würdigt, missfällt Tesla. Deshalb kehrt er Edison den Rücken und versucht, seine Visionen woanders Realität werden zu lassen. Aber auch eine Zusammenarbeit zwischen ihm und George Westinghouse (Jim Gaffigan) verläuft nicht ohne Spannung. Obwohl dieser ein grosser Befürworter des Wechselstroms ist.

«Ich hab' da was gebastelt.»
«Ich hab' da was gebastelt.» © Vestron Pictures Switzerland. All Rights Reserved.

Auf der Suche nach Investoren knistert die Luft plötzlich aus einem anderen Grund. Als Tesla mit dem Bankier und Unternehmer J. P. Morgan (Donnie Keshawarz) verhandelt, erscheint dessen Tochter Anne Morgan (Eve Hewson) auf der Bildfläche. Und Anne scheint sich durchaus von Tesla angezogen zu fühlen. Doch die Nähe von Menschen und der Umgang mit ihnen bereiten Tesla grosse Mühe. Allein deshalb, weil er sein Ziel nicht aus den Augen verlieren möchte.

Unlängst lief mit The Current War ein Film in den Schweizer Kinos an, der von Edison, Westinghouse und Tesla handelt. Dass Regisseur Michael Almereyda dieselbe Geschichte aufgreift, wenn auch aus der Perspektive Teslas, zeugt entweder von gutem Selbstvertrauen oder aber grober Fahrlässigkeit. In vorliegendem Fall trifft beides zu. Der Handlung fehlt aus wörtlich bekannten Gründen («The Current War») die Spannung. Doch Almereyda lässt die Geschichte nicht ausschliesslich linear erzählen. Im Zusammenspiel mit elektrisierender Musik gelingt so ein sehenswertes Biopic über Nikola Tesla.

Es dem Film gleichtuend, kann die schwarze Katze aus dem Sack gelassen werden: Der Film ist nicht spannend. Dies kann einerseits daran liegen, dass mit The Current War dieselbe Geschichte des Stromkriegs in den USA bereits erzählt wurde. Andererseits bietet Tesla als menschenscheuer und vom Zwischenmenschlichen schnell überforderter Protagonist gar nicht erst die Möglichkeit, Spannung aufbauen zu lassen. Diese Distanz den Personen gegenüber wird direkt an die Zuschauenden weitergeleitet.

Spannung liegt dennoch in der Luft, wenn auch nicht aufgrund der Handlung. Die Erzählweise in Form einer Rahmen- und Binnenerzählung lässt den Film in einem viel helleren Licht erstrahlen. Eine der Hauptfiguren der Binnenerzählung (Ende des 19. Jahrhunderts) berichtet in der Rahmenerzählung (im Jahre 2019) über Tesla und Co. Aufgrund dieser Doppelfunktion der Figur stellt sich bereits die Frage, was wahr und was erfunden ist. Teilweise wird die Geschichte gar bewusst und explizit falsch erzählt. Dieser Wechsel zwischen Fiktionalität und Faktualität passt in beide Zeiten: Als Verdeutlichung von Teslas Innenleben gesehen, geht einem hier ein Licht auf. Und die Frage nach dem Unterschied zwischen Fakten und blossen Meinungen könnte aktueller als im Twitter-Zeitalter nicht sein. Vor allem die Anspielung auf Blow Up wirkt hier thematisch so virtuos wie die Erfindung der Elektrizität genial.

Grundsätzlich sind viele Szenen zu loben, vor allem bezüglich der Kulissen, Requisiten und der Beleuchtung. Egal, ob Kerzen-, Tages- oder elektrisches Licht: Die Figuren scheinen immer genau in jenem Ausmasse im Licht oder Schatten zu stehen, wie es die Geschichte erfordert. Zudem spielt der Film mit echten und unechten Kulissen und setzt die Erzählung so perfekt in Szene. Und wenn Tesla, ohne ihm Beachtung zu schenken, an einem Vorläufer der heutigen Kinos vorbeiläuft, sagt das bereits viel über diese Figur aus - ganz ohne Worte.

Musikalisch gesehen wird bis auf eine Gesangseinlage Ethan Hawkes weitgehend auf Text verzichtet. Doch der Übergang von klassischer, orchestraler Musik hin zu moderner Elektromusik während des Films lässt einen erstens das Thema Elektrizität nicht vergessen und zweitens erzeugen die künstlich generierten Klänge eine Spannung, die der Handlung fehlt - diese aber unter Strom setzt.

Thomas Abplanalp [abt]

Thomas schreibt seit 2015 als Freelancer Filmkritiken für Outnow. Kinematografisches impressioniert nämlichen ohnegleichen: Filmisches ist leidenschaftlich multiplex. Originalität und traumhafte Nostalgie orchestrieren wunderbar.

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