Stürm: Bis wir tot sind oder frei (2020)

Stürm: Bis wir tot sind oder frei (2020)

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  3. 118 Minuten

Filmkritik: Dä Belafonte isch aber besser!

«Fühl mi wie dihei!»
«Fühl mi wie dihei!» © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Anwältin Barbara Hug (Marie Leuenberger) ist in den Achtzigern entsetzt ob dem Rechtssystem der Schweiz. Die Jugend will Änderungen, geht auf die Strasse und wird von Polizisten eingepfercht. Barbara Hug muss vor Gericht gegen den «Bünzli»-Anwalt Rothenburg (Anatole Taubman) in den Paragraphenkampf gehen, um ihre Klienten davor zu bewahren, in dieses Rechtssystem geworfen zu werden. Gleichzeitig lernt sie einen Mann namens Walter Stürm (Joel Basman) kennen, der zwar immer wieder hinter Gittern landet, dort aber meist bald wieder ausbüchsen kann. Sein Wille nach Freiheit soll nun helfen, dass ihr Anliegen nach Veränderung vor die breite Masse kommt.

«Ich fahre, nöd du!»
«Ich fahre, nöd du!» © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Der Anfang dieser ungewöhnlichen Partnerschaft («Dutzed sie mich bitte nöd!») bringt das Duo in politisch revolutionäre Kreise, hindert aber Stürm nicht daran, weiterhin seine Überfälle und Raubzüge durchzuführen, auf denen wer immer wieder erwischt wird. Je mehr sich Hug und Stürm miteinander abgeben, desto klarer wird, dass sich die Lebensziele der beiden nur schwer vereinbaren und somit Konflikte an der Tagesordnung stehen. Als Stürm dann hinter Gittern in einen Hungerstreik tritt, überschreitet er endgültig eine Grenze.

Der Trailer von Stürm: Bis wir tot sind oder frei führt uns in Versuchung! Der Spruch mit dem Birchermüesli ist toll und passt wunderbar, entpuppt sich aber als Ausnahme in einem in die Länge gezogenen Film, der inhaltlich die Thematik «Stürm» nur streift. Da wäre definitiv viel mehr dringelegen - Chance verpasst.

Walter Stürm, der Ausbrecherkönig. In den 1970ern und 1980ern erlangte der Berufsverbrecher nationale Berühmtheit, indem er diverse Ausbrüche aus Strafanstalten schaffte, auch mal Notizzettel hinterliess und somit zu einem kleinen Symbol für die Freiheit wurde. 1999 nahm er sich hinter Gittern das Leben. Regisseur Oliver Rhis (Achtung, Fertig, WK!) hat sich nun für seinen Film Stürm: Bis wir tot sind oder frei dieses Themas angenommen und präsentierte im ersten Trailer eine schwungvolle und mit Wortwitz angereicherte Serie an Ausschnitten. Der Film aber geht dann aber doch in eine ganz andere Richtung.

Eins vorneweg: An Marie Leuenberger und Joel Basman liegt es keinesfalls, dass Stürm: Bis wir tot sind oder frei nie in die Gänge kommt. Die beiden Darsteller liefern mittlerweile immer mindestens solide Vorstellungen ab und verkörpern auch hier ihre Figuren sehr glaubwürdig und überzeugend. Dass sie sich aber in einem Film bewegen, der seine Chance nicht packt und ziemlich zäh erzählt daherkommt, tut ihren Leistungen keinen Abbruch.

Das grosse Problem von Stürm: Bis wir tot sind oder frei liegt in dessen Geschichte. Diese kommt kaum vorwärts, verlegt sich auf Nebenschauplätze, wie zum Beispiel in eine Kommune in Deutschland, und weiss nicht so recht, ob sie jetzt lustig, dramatisch, ernsthaft oder gar spannend sein soll. Es wird geflickt, zusammengeführt und weggeschwenkt, dass sich der Zuschauer gezwungenermassen fragt, warum man eigentlich einen Film über Walter Stürm ankündigt und dessen Figur dann als grössere Nebenrolle platziert. Denn den Hauptpart übernimmt die Anwältin, deren Leidensweg - es fehlt ihr eine Niere - wir verfolgen, sie beim Diskutieren im Anwaltsbüro beobachten oder auch bei der schnellen Nummer im Hinterhof. Ist sie echt interessanter als der Stürm?

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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