Spontaneous (2020/II)

Spontaneous (2020/II)

  1. , ,
  2. 97 Minuten

Filmkritik: A Burst of Love

2. OutNow Film Festival 2021
Blutige Anfänger
Blutige Anfänger © Paramount Pictures

Mara (Katherine Langford) ist ein menschgewordener Mittelfinger. Sie hat keinen Bock auf Schule und möchte lieber mit ihrer besten Freundin Tess (Hayley Law) abhängen. Wie aus dem Nichts passiert im Klassenzimmer etwas Verrücktes: Die Mitschülerin vor ihr zerbirst in einer nassen Blutwolke. Darauf wird die ganze Klasse in ein Quarantäne-Zimmer verfrachtet. Da schenkt sie zum ersten Mal dem scheuen Nerd Dylan (Charlie Plummer) ihre Aufmerksamkeit. Dieser fasst sich ein Herz, öffnet sich ihr und teilt ihr mit, dass sie sein Schwarm sei.

Die beiden beginnen, mehr Zeit miteinander zu verbringen und sich allmählich zu verlieben. Während platzen ihre Klassenkolleginnen und -kollegen in unregelmässigen Abständen weiter. Alle fragen sich, woher der «Covington-Fluch» kommt - ausser Dylan und Mara, sie haben nur Augen füreinander...

Romantische Komödien in ein Horror-Szenario zu verpacken scheint unkonventionell, funktioniert im Fall von Spontaneous aber prima. Das Haupt-Duo Katherine Langford und Charlie Plummer spielt hervorragend auf, sodass nicht nur die beiden sich ineinander verlieben, sondern auch wir als Zuschauer. Die Balance zwischen herziger Teenie-Romanze und blankem Horror wird toll gehalten und macht den Ablauf der Story umso effektiver. Da möchte man gleich platzen vor Freude.

Das Regiedebüt von Brian Duffield mag auf dem Papier bizarr klingen. Eine Love-Story in einem Horror-Szenario mit explodierenden High-School-Schülern? Spontaneous vermischt diese beiden scheinbar schwer kompatiblen Genres hervorragend miteinander. Geschuldet ist dies zum einen der Balance zwischen dem sicheren Gefühl der florierenden jungen Liebe und dem blanken Horror, den sie erleben, sowie dem endlos sympathischen Lead-Duo.

Katherine Langford funktioniert toll in der Rolle des rebellierenden, «No Fucks Given»-High-Schooler, auch wenn sie stellenweise die Grenze zum nervigen Teenager streift. Ihr Gegenüber Charlie Plummer hält mit ihrer kommandierennden Art wunderbar mit. Die Chemie der beiden ist wahnsinnig glaubhaft, und es macht richtig Freude, den beiden beim Verliebtsein zuzusehen. Vor allem die «I have a crush on you»-Montage erobert das Herz mit seiner charmanten Art und der kreativen Umsetzung. Schade lernen wir über Maras Charakter nicht viel, ausser dass sie keine Lust auf Schule hat.

Spontaneous verliert nämlich keine Zeit. Die erste Schüler-Explosion passiert früher, als man vielleicht denken könnte. Mit diesem schnellen Setup wird sofort Spannung kreiert, wer wann in die Luft gehen könnte. Da der Film nicht ständig zwischen den beiden Genres Horror und romantischer Komödie hin- und her springt, sondern sich hauptsächlich auf den Romcom-Aspekt konzentriert und den Horror mehr als Hintergrund nutzt, funktioniert die gesamte Dramaturgie umso besser.

Es wird auch nicht zu viel Zeit damit vergeudet, das Phänomen zu Tode erklären zu wollen, man wird einfach in diese Welt geworfen. Diese ist sehr «Millennial» in ihrer Art und Weise, wie sie unter anderem offen mit Depression umgeht. Denn am Ende sollten wir das Beste aus unserer Zeit machen, ob wir nun eines natürlichen Todes sterben - oder kurzerhand explodieren.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Instagram
  6. Letterboxd