Le sorelle Macaluso (2020)

  1. 94 Minuten

Filmkritik: It's a cruel, cruel summer

77. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2020
Ab an den Strand.
Ab an den Strand. © Studio / Produzent

Maria, Pinuccia, Lia, Katia und Antonella leben im obersten Stock eines alten Hauses in Palermo. Die fünf Schwestern von neun bis achtzehn Jahren vermieten Tauben an Hochzeiten und ähnliche Anlässe, weshalb gleich über ihrer Wohnung viele der weissen Vögel in einem Schlag leben. Eines heissen Tages begeben sich alle fünf Macaluso-Schwestern ans Meer zum Baden. Es wird ihr Leben für immer verändern.

Stunk am Tisch.
Stunk am Tisch. © Studio / Produzent

Ungefähr dreissig Jahre später treffen sich die Schwestern wieder für ein Abendessen. Es ist immer noch dieselbe Wohnung in Palermo, aber nur noch vier Frauen sind anwesend. Pinuccia (Donatella Finocchiaro) und Lia (Serena Barone) geraten sich in die Haare, während Maria (Simona Malato) eine traurige Nachricht zu überbringen hat.

Le Sorelle Macaluso beweist, dass ein Theaterstück durch eine Verfilmung an Facetten bereichert wird. Die Trauerarbeit der titelgebenden Schwestern gewinnt ungemein durch die Freiluftaufnahmen von tanzenden Mädchen, gurrenden Tauben und den Drohnenshots einer sizilianischen Mietskaserne. Ein tieftrauriger Film über Erinnerung, Familienbande und die Grausamkeit eines flirrend heissen Sommers.

Emma Dante verfilmt ihr eigenes Theaterstück auf drei Zeitebenen. Zwölf Schauspielerinnen verkörpern die fünf Schwestern in der Jugend, als Mittvierzigerinnen und kurz vor dem Tod. Die Unbeschwertheit im ersten Teil der Teenager-Sisters erinnert an The Florida Project. Ein Freiluftkino und ein altehrwürdiges Badehaus sind die schönen Kulissen für den tragisch endenden Badespass mit der Kamera auf Augenhöhe der Kinder.

Im zweiten Teil ist alles etwas düsterer. Wir sind in der Wohnung, die wir bereits kennen. Geister der Vergangenheit tauchen auf. Und eine grobe Fressattacke markiert die Mitte des Films. Den Taubenschlag gibt es immer noch, und das Gewusel der Vögel fasziniert ein zweites Mal dank der schwelgerischen Kamera.

Doch die Bildsprache funktioniert in Le Sorelle Macaluso nicht nur in den bewegten Kameraschwenks. Die Wohnung wird selber zum Protagonisten mit ihren abgewetzten Möbeln und vergilbten Wänden. Besonders zum Schluss, als die Alterswohnung zum dritten Mal in fixen Sequenzen fast schon dokumentarisch beäugt wird. Hier wurde gelebt, gelacht und gestritten. Schön, dass der Zuschauer am Leben der Schwestern auf diese Art teilhaben könnte.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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