The Sleepover (2020)

The Sleepover (2020)

  1. , ,
  2. 100 Minuten

Filmkritik: Mama, mach sie alle!

Netflix
Fesselnde Unterhaltung
Fesselnde Unterhaltung © CLAIRE FOLGER/NETFLIX

Clancy (Sadie Stanley) und Kevin (Maxwell Simkins) sind zwei ganz normale amerikanische Teenager. Naja, fast normal, verbieten ihnen die spiessigen Eltern Margot (Malin Akerman) und Ron (Ken Marino) doch ein eigenes Smartphone, was die begabte Cellistin in ihrer Schule zur Aussenseiterin macht. Kevin wiederum handelt sich durch sein loses Mundwerk immer wieder Probleme mit anderen Schülern ein - und mit den Lehrern, als er für einen Vortrag über seinen Grossvater kurzerhand die Story eines Hollywoodfilms adaptiert.

Rock Me Amadeus
Rock Me Amadeus © CLAIRE FOLGER/NETFLIX

Ansonsten verläuft das Familienleben aber in einigermassen gewohnten langweiligen Bahnen, bis zu einer denkwürdigen Nacht, in der Kevins überbehütetes Schulgspänli Lewis (Lucas Jay) zum Übernachten kommt und sich gleichzeitig Clancy, die eigentlich unter Hausarrest steht, zusammen mit ihrer Freundin Mim (Cree Cicchino) heimlich für eine Party aus dem Haus schleichen will. Als nämlich finstere Gestalten ihre Eltern entführen, stellen Clancy und Kevin fest, dass ihre Mutter nicht die brave Hausfrau ist, für die sie sie gehalten haben. Das ist der Auftakt für ein turbulentes Abenteuer, in dem die vier Teenager von der einen brenzligen Situation in die nächste stolpern.

Besonders originell ist die Story von The Sleepover nicht, doch in den besten Momenten ist dieser Mix aus The Hangover und We're the Millers durchaus unterhaltsam. Zudem bietet der Film von Trish Sie einige gut aufgelegte, unverbrauchte Gesichter und gewährleistet solide Unterhaltung für zwischendurch. Auch wenn dem Geblödel in der zweiten Filmhälfte allmählich die Luft ausgeht - man kann seine Zeit auf Netflix sicher sinnloser verschwenden.

Wohl nicht ganz zufällig erinnert der Titel des Filmes an The Hangover - spielt sich doch auch dieser Film im Verlaufe einer Nacht ab, in der so einiges drunter und drüber geht. Und mit dem eher derben Humor dürfte der Film auch Fans von Judd Apatows Komödienklassiker als Zielpublikum avisieren. Ausserdem hat sich das mässig originelle Drehbuch auch von Familien-Haudraufkomödien wie We're the Millers inspirieren lassen.

Bei diesen Vorbildern darf natürlich keine filmische Feinkost erwartet werden. Aber vor allem die erste Stunde bietet durchaus gelungene Situationskomik. Eine Handvoll Spassvögel von Hollywoods B- oder C-Liga kriegen Gelegenheit, zu zeigen, was sie auf dem Kasten haben. Insbesondere Ken Marino, eine Mischung aus Brendan Fraser und Hangover-Dödel Ed Helms, dreht dabei so richtig auf. Ob sein Overacting lustig ist - Geschmackssache. Doch Freunde der Chaos-Komödie werden den einen oder anderen Lacher erleben.

So bewegt sich der Streifen zumindest auf solidem Netflix-Komödien-Niveau eines Coffee & Kareem. Mit diesem Film hat The Sleepover nicht nur die Dichte an Gags und die überdrehte Handlung gemeinsam, in der die Protagonisten vom einen Schlammassel ins nächste stolpern, sondern auch einen dicklichen Teenagerjungen mit grosser Klappe. Maxwell Simkins ist es hier, der als Kevin (ein reichlich vorbelasteter Name im Freche-Jungen-machen-Seich-Filmgenre) seinem Filmvater die Gags streitig macht. Für etwas weniger Klamauk, dafür etwas mehr Charakter sorgen die beiden weiblichen Protagonistinnen: Malin Akerman, wohl der bekannteste Name im Cast, sorgt als Badass-Mama für die Action, während Sadie Stanley als Clancy so etwas wie der emotionale Anker ist - dabei aber leider auch etwas blass bleibt.

Was The Sleepover davor bewahrt, zum totalen filmischen Rohrkrepierer zu werden - wovon es unter den Netflix-Eigenproduktionen ja auch schon einige gibt -, das ist neben der turbulenten und unterhaltsamen Inszenierung ein gewisser Charme, der immer wieder durchschimmert. Die Darsteller hatten zudem sichtlich Spass an ihren Jobs, ein Spass, der durchaus ansteckend wirkt und über Logiklücken und mittelmässige Pointen hinwegsehen lässt - selbst dann, wenn schliesslich nach einer guten Stunde die genreüblichen Körperflüssigkeiten austreten.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. facebook
  5. Twitter
  6. Instagram
  7. Letterboxd