Identifying Features - Sin Señas Particulares (2020)

Identifying Features - Sin Señas Particulares (2020)

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  2. 95 Minuten

Filmkritik: Alptraum-Reise ins Traumland USA

16. Zurich Film Festival 2020
Willkommen zurück in Mexiko
Willkommen zurück in Mexiko © trigon-film

Jesús (Juan Jesús Varela) und ein Freund machen sich auf den Weg von Nordmexiko in die USA. Unterwegs verschwinden die beiden allerdings spurlos. Als Jesús' Mutter Magdalena (Mercedes Hernández) bei der Polizei eine Vermisstenanzeige aufgeben will, macht ihr die Polizei das aussichtslose Unterfangen klar. Sie soll ein Papier unterschreiben, wonach sie den Tod ihres Sohnes bestätigt, da sie einen Gegenstand von ihm auf Polizeifotos erkannt hat.

Miguel und Magdalena auf der Suche
Miguel und Magdalena auf der Suche © trigon-film

Dabei lernt sie eine andere Mutter, eine Augenärztin, kennen, die eine ähnliche Geschichte erlebt hat. Ermutigt durch deren Worte macht sie sich selbst auf die Suche nach ihrem Sohn. Auf der beschwerlichen Reise durch grösstenteils durch Verbrechersyndikate kontrollierte Gebiete von Mexiko trifft sie auf Miguel (David Illescas). Dieser wurde vor wenigen Tagen aus den USA wieder nach Mexiko abgeschoben und ist auf dem Heimweg zu seiner Mutter.

Sin Señas Particulares ist ein Drama mit einer sehr dichten Atmosphäre, visuell stark umgesetzt. Beeindruckend spielt Mercedes Hernández eine Mutter, die den Behörden keinen Glauben schenken will und sich auf eigene Faust auf die Suche nach ihrem totgeglaubten Sohn macht. Ein sehr beklemmender Film über das Thema Migration mit einigen wenigen Längen, visuell toll umgesetzt.

In ihrem Spielfilm-Debüt nimmt sich Fernanda Valadez einem grossen Thema in all seiner Tragik an. Sin Señas Particulares deutet die beschwerliche Reise von Mexikanern Richtung USA an und zeigt sie in Person von Magdalena, gespielt von Mercedes Hernández, einer Mutter, die versucht, die einzelnen Reiseschritte ihres verschwundenen Sohnes Jesús nachzuvollziehen.

Der Film wirkt teilweise fast wie ein Dokumentarfilm. Er kommt sehr oft mit nur spärlichen Dialogen aus. Zu dieser fast dokumentarischen Wirkung des Films trägt auch Hauptdarstellerin Mercedes Hernández ihren Teil bei. Es ist sehr glaubwürdig, wie sie die leidende, immer nahe der Resignation wirkende Mutter Magdalena spielt. Und dennoch zeigt sie in ihren Augen auch die nie schwindende Hoffnung.

Sehr oft wird die Kamera auf unkonventionelle Weise geführt, indem von Gesprächspartnern von Magdalena nur der Rücken gezeigt wird, manchmal wird das Gesicht nach etlichen Sekunden gezeigt, manchmal auch gar nicht .

Sin Señas Particulares ist wegen der thematischen Umsetzung definitiv kein Feelgood-Movie. Teilweise verstörende Bilder (wie eine Augen-Operation oder japsende Fische) tun ihr übriges, dass einen der Film mit einem mulmigem Gefühl zurücklässt. Trotz einiger weniger langatmigen Szenen ist der Film spannend, visuell fesselnd und definitiv ein Erlebnis.

Christoph Reiser [chr]

Christoph arbeitet seit 2020 als Freelancer für OutNow. Er weiss, dass man Animationsfilme nicht hassen darf, dafür liebt er Sergio-Leone-Western. Der Besuch eines Filmfestivals ist zuoberst auf seiner Bucket-List, naja fast. Und er mag kein Popcorn im Kino, denn er steht auf Chips.

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Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 02:02