There Is No Evil - Sheytan vojud nadarad (2020)

  1. , ,
  2. 150 Minuten

Filmkritik: Decisions, Decisions ...

70. Internationale Filmfestspiele Berlin 2020
Von Sünden reinwaschen?
Von Sünden reinwaschen? © Cosmopol Film

Vier Geschichten aus dem Iran. 1. «There Is No Evil»: Der 40-jährige Heshmat (Ehsan Mirhosseini) ist ein liebevoller Familienvater, der nicht nur seine Frau und seine Tochter bei vielem unterstützt, sogar auch für seine Schwiegermutter einkaufen geht. Man kann sagen, dass er ein völlig normales Familienleben führt. Doch etwas in seinem Leben ist alles andere als normal. 2. «She Said, You Can Do It»: Pouya (Kaveh Ahangar) hat vor kurzem seinen zweijährigen obligatorischen Militärdienst begonnen. Doch nun wird ihm ein Befehl erteilt, bei dem er grosse Mühe hat, diesen auszuführen.

Erwischt?
Erwischt? © Cosmopol Film

3. «Birthday»: Javad (Mohammad Valizadegan) reist zu einer Freundin, damit er ihr an ihrem Geburstag einen Heiratsantrag machen kann. Doch bei seiner Ankunft ist die Stimmung aufgrund des Todes eines Familienfreundes getrübt. 4. «Kiss Me»: Die in Deutschland lebende Darya (Baran Rasoulof) reist zum ersten Mal in den Iran, damit sie etwas Zeit mit ihrem Onkel Bahram (Mohammad Seddighimehr) und dessen Frau Zama (Shahi Jila) auf dem Land verbringen kann. Nach ein paar Tagen wird Darya jedoch mit einer schweren Vergangenheit konfrontiert.

There Is No Evil zeigt Menschen im Iran, die schwere Entscheidungen fällen müssen oder bereits gefällt haben, und welche Konsequenzen das haben kann/wird. Damit kritisiert Regisseur Mohammad Rasoulof ziemlich deutlich das iranische Regime, das seine Bewohner zu gewissen Dingen zwingen kann. Was er genau kritisiert, können wir aus Spoiler-Gründen nicht enthüllen. Verraten können wir jedoch, dass dieser aus vier Storys bestehende Episodenfilm definitiv sehenswert ist und einen noch eine Weile begleiten wird.

Über There Is No Evil, den neuen Film des iranischen Regisseurs und Drehbuchautors Mohammad Rasoulof, zu schreiben, ist ein bisschen heikel. Das übergreifende Thema, das sich durch alle vier Geschichten dieses Episodenfilmes zieht, wird erst ganz am Ende der ersten Story offenbart, wo es wie eine furchtbar böse Pointe wirkt. Diese wollen wir nun hier natürlich nicht verraten, denn sonst wären die ersten, etwas banal wirkenden 40 Minuten des Filmes ziemlich langweilig. Es kann jedoch gesagt werden, dass Rasoulof hier das iranische Regime kritisiert und dessen Willen, seine Bewohner zu Dingen zu zwingen, die ihre Seelen kaputtmachen können.

Die Geschichten funktionieren dabei auch wunderbar nur für sich alleinstehend. Zwar sind zwei davon sogar miteinander verbunden, doch fehlt einem nichts, wenn man während einer dieser beiden eingeschlafen ist. Schlafen sollte man aber ohnehin nicht. Die Bilder, welche Kameramann Ashkan Ashkani auf die Leinwand bringt, sind eindrücklich und erinnern in einigen Sequenzen aufgrund ihrer Schönheit an die Werke des türkischen Regisseurs Nuri Bilge Ceylan (Winter Sleep).

There Is No Evil ist ein Film mit vielen kleinen Überraschungen, über die man nach dem Film angeregt diskutieren kann. Aber eben, das kann man erst wirklich nach dem Film tun. Aus diesem Grund wollen wir nun auch still sein, was den Inhalt dieses aufwühlenden Dramas betrifft. Zwar sind einige Passagen in dem 150-minütigen Werk zu lange geraten, in der zweiten Story haben die Macher bei der Musik danebengegriffen und die vierte ist eine Spur zur melodramatisch ausgefallen. Doch ist dies nicht entscheidend, denn der Film gibt einem einiges an spannendem Material, über welches man noch eine Zeitlang nachdenken wird.

/ crs