The Secret: Dare to Dream (2020)

The Secret: Dare to Dream (2020)

The Secret - Das Geheimnis
  1. ,
  2. 107 Minuten

Filmkritik: Wunder sind doch nur Zufälle

Wenn alles schon katastrophal ist ...
Wenn alles schon katastrophal ist ... © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Nach dem Tod ihres Mannes hat es Miranda Wells (Katie Holmes) nicht leicht. Sie muss ihre drei Kinder alleine grossziehen, Schulden abbezahlen und im Haus stehen dringende Reparaturen an. Dabei reicht ihr Gehalt nur für das Nötigste. Und das Schicksal scheint es wirklich nicht gut zu meinen mit ihr. Eine anstehende Wurzelbehandlung, ein drohender Hurrikan und schliesslich ein Auffahrunfall bestätigen wieder einmal Mirandas These: Wie schlimm es auch gerade ist, es kommt immer noch schlimmer. Allerdings ahnt sie da noch nicht, dass der Unfall eine Fügung des Schicksals ist.

... dann kommt es definitiv noch schlimmer.
... dann kommt es definitiv noch schlimmer. © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Denn im Truck vor ihr sitzt geheimnisvolle Bray Johnson (Josh Lucas) mit einem besonderen Brief, was Mirandas Leben bald auf den Kopf stellen wird. Uneigennützig bietet Bray ihr an, das Auto zu reparieren. Dabei stellt er zu seiner Überraschung fest, dass sie die Person ist, die er gesucht hat. Da er es nicht übers Herz bringt, ihr den Brief persönlich zu überreichen, wirft er ihn heimlich in den Briefkasten. Doch der Hurrikan vereitelt seinen Plan, nimmt den Briefkasten mitsamt Inhalt mit und verlängert somit Brays Aufenthalt bei der Familie Wells.

The Secret: Dare to Dream bietet atmosphärisch schöne Landschaftsaufnahmen. Dazu tragen auch Licht und Ton sehr viel bei. Inhaltlich bildet vor allem der geheimnisvolle Brief, dessen Inhalt erst zum Ende des Films hin gelüftet wird, einen Spannungsbogen. Dadurch werden die üblichen vorhersehbaren Aspekte einer gewöhnlichen Liebesgeschichte um ein Element erweitert, was der Geschichte zugutekommt. Allerdings sind die von einem esoterischen Selbsthilfebuch inspirierten Dialoge teilweise haarsträubend, sodass es manchmal schwierig fällt, die Figuren ernst zu nehmen.

2006 erschien Rhonda Byrnes Buch «The Secret - Das Geheimnis» und wurde sofort zu einem Weltbestseller. Darin wird die Macht der Gedanken thematisiert und wie man durch positives Denken ein besseres, erfüllteres und erfolgreicheres Leben führen kann. Diese Grundidee hat Regisseur Andy Tennant nun in eine romantische Liebesgeschichte eingebettet. Allerdings hätte eine subtilere Umsetzung dem Film nicht geschadet. Denn die Dialoge klingen stellenweise wie eine Aneinanderreihung von Motivationssprüchen, die einem auf allen möglichen Social-Media-Kanälen ins Auge springen. Besonders Brays Aussagen à la «We get what we expect» oder «You get what you give» wirken oftmals deplatziert und wollen nicht so recht in Mirandas Realität hineinpassen.

Abgesehen davon entspricht der Plot den üblichen Genrekriterien und funktioniert soweit gut. Dass bei Liebesfilmen die Logik oftmals auf der Strecke bleibt und praktisch alles vorhersehbar ist, überrascht nicht. Wenn man sich auf das Genre einlässt, kann man auch gut darüber hinwegsehen. Zudem deuten Brays Anwesenheit sowie der mysteriöse Briefumschlag auf einen Twist in der Story hin, der eine gewisse Spannung erzeugt. Neu ist das Ganze gewiss nicht und in vielerlei Hinsicht weist The Secret: Dare to Dream Parallelen zu Nicolas-Sparks-Verfilmungen wie zum Beispiel Safe Haven oder The Best of Me auf. Besonders hinsichtlich der Landschaftsaufnahmen und der Verwendung von Licht und Musik, um uns einen stärkeren emotionalen Zugang zur Geschichte zu verschaffen, ist er ihnen sehr ähnlich.

The Secret: Dare to Dream bleibt dem Genre des Liebesfilms treu und erzeugt mit den genretypischen Stilmitteln eine idyllische Welt des Wohlbehagens, in der sich schliesslich alles zum Guten wendet und Konflikte unkompliziert gelöst werden. Auf die Theorien aus Byrnes Buch hätte er allerdings getrost verzichten können.

Sule Durmazkeser [sul]

Sule schreibt seit 2019 als Freelancerin für OutNow. Sie ist Hitchcock-Fan, liebt das Hollywoodkino der Sechziger- und Siebzigerjahre und hat eine Schwäche für paranormale Horrorfilme und düstere Thriller. Mit dem derben Humor vieler US-Komödien kann sie wenig anfangen.

  1. Artikel
  2. Profil