Time to Hunt - Sanyangeui sigan (2020)

Time to Hunt - Sanyangeui sigan (2020)

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  2. 134 Minuten

Filmkritik: Bloss raus aus Südkorea!

70. Internationale Filmfestspiele Berlin 2020
«Alles auf rot oder du bist bald tot.»
«Alles auf rot oder du bist bald tot.» © Union Investment Partners, Littlebig Pictures, Sidus

Südkorea, in naher Zukunft: Der Kleinkriminelle Jun-seok (Lee Je-hoon) hat seine dreijährige Haftstrasse abgesessen und wird von seinen beiden besten Kumpels Ki-hoon (Choi Woo-shik) und Jang-ho (Ahn Jae-hong) abgeholt. Der Ex-Knacki hat sich auf ein Leben in Saus und Braus gefreut, doch die Beute ihres letzten gemeinsamen Coups hat sich aufgrund der jüngsten Finanzkrise in nichts aufgelöst. Die südkoreanische Währung Won ist nichts mehr wert; wer reich sein will, muss US-Dollars haben.

Die Besuchzeiten im Krankenhaus waren wohl schon rum.
Die Besuchzeiten im Krankenhaus waren wohl schon rum. © Union Investment Partners, Littlebig Pictures, Sidus

Solche gibt es zuhauf in einem illegalen Casino, welches die drei Freunde bestens kennen. Um sich selbst ein sorgenfreies Leben auf einer entfernten Insel zu ermöglichen, wollen sie nun die Spielhölle überfallen. Es werden Waffen gekauft und Pläne geschmiedet. Am Abend des Überfalls scheint alles nach Plan zu laufen und die Jungs erbeuten tatsächlich eine stattliche Summe. Die Besitzer des Casinos finden es aber gar nicht toll, was die drei Freunde da abgezogen haben - und schicken ihnen den psychopathischen Auftragskiller Han (Park Hae-soo) auf den Hals.

Time to Hunt ist zunächst ein cooler Heist-Film, der sich in seiner zweiten Hälfte zu einem Horrorstreifen mit Schusswaffen entwickelt. Auch dank der brachialen Tonabmischung entstehen so spannende Minuten, die einen in den besten Momenten ordentlich durchschütteln. Ein knallharter, unterhaltsamer und wuchtiger Actioner.

Rein vom Plot her haben viele Film-Fans solche Stoffe wie Time to Hunt bereits zur Genüge gesehen: Eine Gruppe von Kriminellen macht sich an einen Raubüberfall und versucht mit der Beute zu entkommen. Das weiss wohl auch Yoon Sung-hyun, der dieser Ausgangslage ein entscheidendes Element hinzufügt. Mit der Inklusion eines gnadenlosen Auftragskillers, der Jagd auf die Protagonisten macht, schafft es der Regisseur, die Spannung kontinuierlich anzuziehen und so ein intensives Filmerlebnis zu schaffen.

Dieser Killer mit dem Namen Han ist ein echt furchteinflössender Zeitgenosse. Gleich in seiner ersten Szene wird demonstriert, dass dieser Herr keinen Spass versteht und nicht ruhen wird, bis er seinen Auftrag ausgeführt hat. Mit seiner Gnadenlosigkeit und Zielstrebigkeit erinnert er an den Terminator oder an Javier Bardems Chigurh aus No Country for Old Men. Nach dem Raubüberfall entwickelt sich so eine regelrechte Hatz, wobei man sich beim Sounddesign einiges von Horrorfilmen abgeschaut hat. Die Schüsse aus HansWaffen sind dermassen laut abgemischt, dass sie an Jump-Scares erinnern - und genau die gleiche Wirkung erzielen.

So bleibt Time to Hunt die ganze Spielzeit über durchaus spannend, auch wenn die Figuren einem ein bisschen mehr ans Herz wachsen dürften und aus der Ausgangslage des finanziell kollabierten Südkorea zu wenig gemacht wurde. Auch ist die Laufzeit von 135 Minuten gar lang für den dünnen Plot. Doch Action-Fans werden bei diesem, auch was die Bildgestaltung und Beleuchtung angeht, top-inszenierten Film definitiv auf ihre Kosten kommen.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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