Run Sweetheart Run (2020)

Run Sweetheart Run (2020)

  1. 93 Minuten

Filmkritik: Scent of a Woman

Prime Video
Der Countdown beginnt.
Der Countdown beginnt. © Netflix

Cherie (Ella Balinska) ist eine ehrgeizige Anwaltsgehilfin, die Job und die Erziehung ihrer kleinen Tochter unter einen Hut bringen will. Als sie für ihren Chef zwei Termine zur gleichen Zeit bucht, willigt sie ein, selbst beim Essen mit dem Geschäftspartner Ethan (Pilou Asbæk) teilzunehmen. Das Treffen entpuppt sich schnell als Blind Date - und Cherie ist sichtlich angetan vom millionenschweren Gentleman.

Die Abstandsregel wurde nicht eingehalten.
Die Abstandsregel wurde nicht eingehalten. © Netflix

Sie willigt sogar ein, nach dem angenehmen Abend einen letzten Drink in Ethans Villa zu nehmen. Doch hier wendet sich das Blatt: Kurze Zeit später stürmt Cherie verletzt und schreiend aus dem Haus und flüchtet auf die Strasse hinaus. Als sie zwei Frauen vor einem Kino um Hilfe bittet, alarmieren diese die Polizei. Cherie hofft, bald in Sicherheit zu sein. Sie ahnt nicht, dass ihr Kampf ums Überleben gerade erst begonnen hat.

Männer sind Schweine: Shana Festes Horrordebüt Run Sweetheart Run ist ein poppig inszeniertes Katz- und Mausspiel, das oberflächlich betrachtet typisches Popcornkino bietet, auf den zweiten Blick jedoch ein nicht zu ignorierendes #MeToo-Exempel darstellt. Der wahre Horror liegt bei diesem Prime-Streamer definitiv zwischen den Zeilen.

Run Sweetheart Run feierte seine Premiere am Sundance Festival. Der geplante Release fiel dann der Corona-Pandemie zum Opfer. Aber nach zwei Jahren ungeduldigen Wartens und einigen Reshoots ist der Horror-Actioner nun im Prime-Abo verfügbar.

Drehbuchautorin und Regisseurin Shana Feste (Endless Love) hat in Run Sweetheart Run persönliche Erlebnisse von sexueller Gewalt verarbeitet. Anstatt Frauen als blosse Opfer darzustellen, dreht Feste den Spiess in ihrem ersten Horrorfilm um: Cherie - gespielt von Ella Balinska - mag zwar einen süssen Namen haben und lächeln, wenn ihr Boss sie «Sweetheart» nennt, aber diese Nacht, die ihr Leben verändert, lässt sie zur kaltblütigen Kämpferin werden. Dieses Konzept ist nicht wirklich neu, aber Run Sweetheart Run greift die #MeToo-Debatte auf eine erfrischende Weise auf, punktet mit rasantem Erzähltempo und einigen Twists.

Die männliche Dominanz wird trotz der poppigen Inszenierung nie ins Lachhafte gezogen. Nein, wenn Cherie rennen muss, dann gilt es ernst und sie muss zu allen erdenklichen Mitteln greifen, um am Leben zu bleiben. Kein Wunder, denn Pilou Asbæk spielt den monströsen Bösewicht Ethan sehr wirkungsvoll - da rennt man sogar ohne Puste weiter. Somit verzeihen wir dem Endprodukt gerne, dass die Reshoots den Film erzähltechnisch und stilistisch etwas zerfleddert und zugleich inhaltlich überfüllt haben.

Aber beim Grand Finale dürfte uns allen klar werden, welche Botschaften wir aus Run Sweetheart Run mitnehmen. Männliche Dominanz und fehlende Gleichberechtigung sind immer noch alltäglich. Der Film beweist, dass ein simples, als süffiger Horrorfilm inszeniertes Katz- und Mausspiel im nächtlichen Los Angeles eben auch auf gesellschaftskritische Themen aufmerksam machen kann.

Christian Wolf [woc]

Christian arbeitet seit 2009 als Freelancer bei OutNow. Er mag ultradüstere Filmperlen und süffige Survival Horror Games. Animationsfilme sind ihm ein Gräuel. Christian vertritt als Einziger den smoothen Berner Dialekt im Team.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. Twitter
  4. Instagram
  5. Letterboxd