The Heist of the Century - El robo del siglo (2020)

The Heist of the Century - El robo del siglo (2020)

Der Jahrhundertraub
  1. ,
  2. 114 Minuten

Filmkritik: Fernando's Five

16. Zurich Film Festival 2020
Im Dunkeln ist gut munkeln.
Im Dunkeln ist gut munkeln. © trigon-film

2006: Der argentinische Künstler Fernando Araujo (Diego Peretti) hat beim Kiffen eine Art Erleuchtung, bei der ihm seine Berufung klar wird: die Planung und Ausführung des perfekten Banküberfalls. Er heckt einen simplen wie genialen Plan aus, der nur schwer schiefgehen kann. Doch alleine kann er dieses Vorhaben nicht in die Tat umsetzen. So holt sich Fernando fünf Komplizen ins Boot, wobei nur einer von ihnen ein Verbrechensprofi ist. Es handelt sich dabei um den charmanten, auf Einbruch spezialisierten Uruguayer Luis Mario Vitette (Guillermo Francella).

«Bitte beachten Sie, dass dieses Gespräch für Schulungszwecke aufgezeichnet wird.»
«Bitte beachten Sie, dass dieses Gespräch für Schulungszwecke aufgezeichnet wird.» © trigon-film

Obwohl es in den Vorbereitungen auf den grossen Coup wegen Fernandos übermässigen Marihuana-Konsums und wegen des Budgets immer wieder zu Reibereien innerhalb der Bande kommt, wird trotzdem stetig fleissig zusammen für das gemeinsame Ziel gearbeitet. Ein Ziel, welches in Argentiniens Geschichte eingehen wird.

El Robo del Siglo ist am Anfang noch etwas unfokussiert, doch spätestens als zum titelgebenden Jahrhundertraub geschritten wird, entwickelt sich ein sympathisches und vor allem lustiges Heistmovie, dessen Charme man sich wegen der dreisten Diebe nur schwer entziehen kann. Ein echter Publikumsliebling.

Vorsicht, Verwechslungsgefahr: Im Jahr 2020 wurden gleich zwei Projekte mit dem Titel «El robo del siglo» veröffentlicht. Zum einen ist da die Netflix-Miniserie über Bankraub in Kolumbien, der 1994 statgefunden hat, und zum anderen ist da dieses hier besprochene Heistmovie, in dem es um einen Coup in Argentinien in dem Jahr 2006 geht. Also nicht glauben, dass man sich diesen Film jetzt locker auf Netflix anschauen kann. Denn dann würde man im Kino eine herrlich unterhaltsame und charmante Krimikomödie verpassen.

Zu Beginn kommt das Ganze aber eher etwas chaotisch daher und erinnert mehr an den Gefühlszustand eines Mannes, der zu viel gekifft hat. Aber das würde ja passen, da Protagonist Fernando dem Gras mehr als nur ein bisschen zugeneigt ist. Die meisten aus der Diebesbande werden am Anfang mehr schlecht als recht eingeführt, sodass wir eigentlich fast nur Fernando und den Einbrecher Luis einigermassen kennenlernen.

Doch Fernando wird im Film nicht müde zu betonen, dass er sich nach dem Konsumieren von Marihuana viel besser fokussieren kann. Und so ist nach dem etwas verhängten Start der im Titel erwähnte Jahrhundertraub wunderbar fokussiert und bringt zum Lachen - Stichwort «Geburtstagsständchen».

Das Ganze erinnert dank der Dreistigkeit der Diebe an Genre-Kollegen wie Ocean's Eleven und Inside Man. Wie beim Casinoraub-Spass mit George und Brad werden auch hier einige clever ausgedachte Tricks erst während des Coups enthüllt. Es wird also nicht alles bei den Vorbereitungen erklärt und so kommt es noch zu kleineren Überraschungen. Dies hat auch den netten Nebeneffekt, dass noch etwas Restspannung vorhanden ist, da wir nicht schon hundertprozentig wissen, wie das Ganze vonstattengehen wird.

So glatt der Bankraub auch ist, verliert der Film gegen Ende hin wieder etwas an Tempo und an Leichtigkeit. Doch sei's drum. Der argentinische Spielfilm El Robo del Siglo ist ein Spass, an den man sich noch etwas länger mit einem Lächeln zurückerinnern wird.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Letterboxd