Rifkin's Festival (2020)

Rifkin's Festival (2020)

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  2. 88 Minuten

Filmkritik: Sue Jo San Sebastian

Filmfestival-Alltag
Filmfestival-Alltag © Frenetic Films

Der New Yorker Filmprofessor Mort Rifkin (Wallace Shawn) reist mit seiner Frau Sue (Gina Gershon) ans Filmfestival von San Sebastian, wo sie für das Regie-Talent Phillippe (Louis Garrel) die Pressearbeit koordiniert. Mort ist sichtlich genervt von dem Rummel um Phillippe. Nicht nur hält er ihn für einen überbeschätzten Regisseur, der niemals die Klasse eines Godard oder Truffaut erreicht, auch hilft es nicht, dass Phillippes Spitznamen für Mort «The Grinch» ist. Was es noch schlimmer macht: Mort vermutet, dass sich Sue zum jungen Regisseur hingezogen fühlt.

Nicht nur im Kinosaal gibt es Popcorn.
Nicht nur im Kinosaal gibt es Popcorn. © Frenetic Films

Diese Gedanken wirken aber wie weggewischt, als Mort wegen (eingebildeten) Herzproblemen die junge Ärztin Jo (Elena Anaya) aufsucht. Weil auch sie Phillippe für überschätzt hält und sie noch viele schöne Erinnerungen an ihre Studienzeit in New York hat, freunden sich Jo und Mort an und verbringen einige schöne Tage miteinander.

Rifkin's Festival lässt trotz sonnendurchflutender Bilder grösstenteils ziemlich kalt. Die Geschichte eines Hypochonders, der durch eine junge Ärztin nochmals einen Tritt in den bemitleidenswerten Arsch bekommt, ist zum Glück nicht so platt, wie sich das wohl anhören mag. Aber letzten Endes ist das alles eine Spur zu seicht, es fehlen die wirklich guten Dialoge und auch sonst gibt es kaum komödiantische Höhepunkte. Zwar durchaus schön anzusehen und nett, ist der Film aber auch schnell wieder vergessen.

Für ausgewiesene Filmkennerinnen und -kenner wird Woody Allens Rifkin's Festival zu einem zwar nicht sonderlich schwierigen, aber trotzdem durchaus amüsanten Rätselraten. In mehreren Traumsequenzen findet sich der von Wallace «Inconceivable» Shawn gespielte Protagonist in nachgestellten Szenen aus Filmklassikern der Herren Welles, Godard, Bergman, Truffaut und Buñuel wieder.

Wer die Filme zuerst errät, gewinnt von einigen Wenigen etwas Hochachtung, aber von der Mehrheit das Prädikat «Snob». Ähnlich geht es wohl Rifkin selbst, der zwar durchaus Ansehen geniesst, aber von vielen Menschen wegen seiner Art belächelt wird und auch deswegen zu einem Hypochonder geworden ist. Leider wird diese Geschichte aber so schleppend und ohne Charme erzählt, dass man sich irgendwann fast nur nach der nächsten Traumszene sehnt.

Woody Allen bietet den Zuschauern hier einfach zu wenig Gründe, wieso wir uns 88 Minuten mit diesen Figuren abmühen sollen. Shawn ist ein toller Schauspieler, dessen Wortgewandtheit unter anderen in Louis Malles My Dinner with André zu sehen und hören ist. Aber hier wirkt er dermassen phlegmatisch, und seine Dialoge sind so wenig inspirierend, dass sich der Film ab einem gewissen Punkt nur noch die Länge zieht. Man hofft hier nicht wirklich, dass Rifkin seine Ehe zu retten vermag, sondern sorgt sich eher, dass er noch mit der viel zu jungen spanischen Ärztin anbandelt - eine Altherrenfantasie par excellence. Ob dieses Spannungselement jedoch von Allen so gedacht war, darf ernsthaft bezweifelt werden.

So plätschert Rifkin's Festival auf der eigentlichen Handlungsebene für den grossen Teil der Laufzeit dahin und erinnert in einer Szene an den bekanntesten Spanien-Trip Allens. Das Feuer aus Vicky Christina Barcelona konnte der fleissige Filmemacher hier nicht mehr entfachen. Dafür ist das Gezeigte einfach zu dünn, zu ereignislos und zu seicht. Auch ist der Wortwitz fast komplett abwesend. Dieser Film ist wirklich nur für Woody-Allen-Komplettisten und Filmfans, die den Ehrgeiz haben, die volle Punktzahl beim oben beschriebenen Quiz zu erreichen.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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Trailer Englisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 02:17