Rebecca (2020)

Rebecca (2020)

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  2. 121 Minuten

Filmkritik: Die Geister, die ich nicht rief

Netflix
Gleich lupft es mir den Hut!
Gleich lupft es mir den Hut! © Netflix

Ein Dienstmädchen unterer Klasse (Lily James) weilt mit seiner arroganten Hausherrin an der französischen Riviera in Monte Carlo. Sie lässt die konstanten Erniedrigungen über sich ergehen, weil sie durch diese Stelle viel reisen kann. Der noble Aristokrat und Witwer Maxim de Winter (Armie Hammer) wird auf sie aufmerksam und umwirbt sie. Schon bald folgt die Heirat und Maxim bringt seine neue Ehefrau auf sein Anwesen Manderley nahe der Küste Englands.

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?
Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? © Netflix

Mrs. de Winter fühlt sich dort jedoch unwohl. Maxim De Winters verstorbene erste Ehefrau Rebecca ist omnipräsent. Mrs. Danvers (Kristin Scott Thomas), die langjährige Haushälterin von Manderley, fühlt sich mit ihr immer noch stark verbunden und blickt mit Argwohn auf die neue Mrs. de Winter. Die Angestellten auf Manderley sprechen über Rebecca, doch sobald ihr Hinschied zum Thema wird, hüllen sie alle einen Mantel des Schweigens darum. Rebecca ist mit ihrem Segelboot im Meer untergegangen und ertrunken. Schnell wird klar, dass es kein einfacher Unfall war und sich Rebecca sehr wahrscheinlich das Leben genommen hat. Doch warum?

Nach einem langatmigen Anfang nimmt die Geschichte Schwung auf. Besonders in Manderley zieht sie die Zuschauer immer mehr in ihren Bann und lässt sie bis hin zum Schlussbouquet oft erschaudern. Dank Lily James und Kristin Scott Thomas sowie den schönen Bildern ist diese Neuverfilmung des Romans von Daphne Du Maurier durchaus sehenswert.

Netflix hat für diese Produktion das Gerüst von Darkest Hour verwendet. Es sind die gleichen Produzenten, und die beiden Schauspielerinnen Lily James und Kristin Scott Thomas sind auch wieder dabei.

Rebecca ist eine Neuinszenierung mit wunderschönen Bildern. Alfred Hitchcock hat den Stoff bereits 1940 verfilmt und dadurch die Messlatte sehr hoch gelegt. Ben Wheatleys Regiearbeit orientiert sich jedoch nicht am Master of Suspense, sondern zeigt eine neue unabhängige Interpretation des Romans von Daphne Du Maurier, was sich für den Film als Glücksfall erweist.

Der Anfang des Films ist aber sehr langatmig geraten und die Story will einfach nicht abheben. Die wunderschönen Bilder der französischen Riviera sind sehr opulent und anmutig, aber für ein wirkliches Genusserlebnis braucht es einfach mehr. Der amerikanische Schauspieler Armie Hammer wirkt als steifer schicker Brite langweilig und belanglos. Seine fade Leistung kommt dabei fast an seine Performance als Lone Ranger heran. Dass er sein Metier durchaus beherrscht, hat er in anderen Filmen schon mehrmals unter Beweis gestellt. Ironischerweise gehört Free Fire dazu, seine erste Zusammenarbeit mit Ben Wheatley.

Überzeugender ist da Lily James in der Hauptrolle, die sich auch nicht vor Kristin Scott Thomas verstecken muss, die als Haushälterin Mrs. Danvers ein weiteres Mal eine Top-Performance hinlegt.

Der Film eiert lange vor sich hin und aus heiterem Himmel nimmt er Fahrt auf und fährt richtig ein. Das Leitmotiv sind Recht und Gerechtigkeit. Die Story geht damit an ihre äusserste Grenze, und dadurch läuft es den Zuschauern kalt den Rücken hinunter.

Giancarlo Schwendener [gia]

Giancarlo ist James Bond 15 Jahre lang auf Augenhöhe begegnet. Mit dem Abgang von Daniel Craig ist damit vorerst Schluss, aber er hat diese Zeit genossen. Er liebt die grosse Anzahl an denkwürdigen Filmen, aber drei Leute bilden für ihn das Triumvirat: Sergio Leone, Robert De Niro und Marlon Brando.

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