Ratched (2020)

Ratched (2020 / Serie)

  1. , ,

Serien-Review: Alles wird gut!

Netflix
Was gibt's da zu tuscheln?
Was gibt's da zu tuscheln? © @Netflix

Im Jahr 1947 schlägt ein brutaler Mörder zu. Edmond (Finn Wittrock) begeht mehrfach Mord an Priestern und wird deshalb vorübergehend in die psychiatrische Klinik «Lucia State Hospital» in Nordkalifornien eingeliefert. Dort hat Doktor Hanover (Jon Jon Briones) das Sagen und wird unterstützt von Oberschwester Bucket (Judy Davis). Nun aber taucht eine Dame auf, stellt sich als Mildred Ratched (Sarah Paulson) vor und verschafft sich über Umwege und Fiesheiten einen Job als Krankenschwester. Und diese Schwester Ratched hat es faustdick hinter den Ohren, denn nicht nur ist ihre Anstellung in der Klinik auf nicht ganz sauber Art geschehen, sie scheint auch einen Plan zu verfolgen, in dessen Mittelpunkt ausgerechnet der eingelieferte Mörder Edmond zu stehen scheint.

Unauffällig geht anders
Unauffällig geht anders © @Netflix

Ausserhalb der Klinik steht das Leben inzwischen nicht still. Ratched hat sich in einer kleinen Pension eingemietet, die von einer schrägen Dame geführt wird und wo sich die Journalisten der grössten Zeitungen die Klinke in die Hand geben. Begegnungen mit dem Gouverneur (Vincent d'Onofrio), der die Klinik und den Mörder für seine Wiederwahl einsetzen will und dessen Assistentin Gwendolyn (Cynthia Nixon), die ein Auge auf die junge Krankenschwester geworfen hat, gehören zur Tagesordnung. Denn nicht nur Ratched hat Leichen im Keller, auch der mit Drogen experimentierende Doktor Hanover muss seine Dämonen bekämpfen. Und die tauchen in Form der reichen Leonore Osgood (Sharon Stone) schon bald auf.

Mit einer überragenden Hauptdarstellerin in einer vielschichtigen Rolle, interessanten Nebenfiguren und toller Ausstattung überzeugt Ratched in sechs der acht Folgen hervorragend. Erst die letzten beiden Episoden fallen gegenüber dem Rest etwas ab. Als Höhepunkt dieser Staffel darf sicherlich das Puppenspiel in Folge Sechs genannt werden, das uns von der Vergangenheit der Hauptfigur erzählt. Optisch ist Ratched wunderbar und die blutigen Einschübe passen zur schrägen Stimmung der Serie. Wir freuen uns auf die zweite Staffel, da (natürlich) die Geschichten weitergeführt werden müssen.

Wir alle kennen - hoffentlich - One flew over the Cuckoo's Nest, den oscargekrönten Film von Milos Forman von 1975. Die grosse Gegenspielerin von Jack Nicholsons Charakter war damals Louise Fletchers Oberschwester Mildred Ratched. Als eine der besten Fieslinge aller Zeiten mehrfach ausgezeichnet, schuf man mit dieser Pflegerin eine Hassfigur, die es zu Weltruhm brachte. Nun präsentiert Netflix die Vorgeschichte Ratched, in welcher Sarah Paulson überragend einen Charakter vorträgt, bei dem man lange Zeit nicht weiss, ob man ihn jetzt hassen oder bemitleiden soll.

Ratched besteht in der ersten Staffel aus acht Folgen, die jeweils knapp 60 Minuten dauern und vor allem in den ersten sechs Episoden einen Aufbau betreiben, der bemerkenswert ist. Viele kleine Storys werden früh angezogen und entwickeln sich dann über die nächsten Episoden. So ist der Fokus nicht nur auf eine Geschichte gelegt, sondern schwenkt zwischen den Ereignissen hin und her. Im Mittelpunkt steht natürlich Sarah Paulson, die absolut überragend ihre Figur porträtiert und zwischen absoluter Kaltblütigkeit und aufopfernden und ehrlichen Gefühlen hin und her schaltet. Was ist echt bei dieser Oberschwester und was steckt dahinter? Wie kalt ist diese Frau wirklich?

Die Nebenfiguren sind ebenfalls überdurchschnittlich interessant, sei es der drogensüchtige Oberarzt, der verunstaltete Kriegsheld oder die grosse Konkurrentin, die es unserer Hauptfigur immer schwerer machen. Mit dem durchgeknallten Mörder Edmond hat man zudem einen Charakter integriert, der auf den ersten Blick ein Irrer ist, aber dann doch noch ein bisschen mehr Inhalt zu bieten hat. Das gleiche gilt für die von Sharon Stone dargestellte Dame, die man auch nur mit Mühe einer Seite zuordnen kann.

Besonders interessant an Ratched ist aber die Ausstattung. Wer American Horror Story kennt und mag, wird einige Ähnlichkeiten feststellen. Auch dass man mitunter auf brutalste Weise Blut spritzen lässt oder Experimente an Patienten vornimmt, lässt den Zuschauern das Popcorn im Hals stecken bleiben. Allerdings passt das alles wunderbar zusammen und ergibt am Ende eine Staffel, die fast durchgehend interessant und faszinierend ist.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. facebook
  5. Instagram
  6. Website