Platzspitzbaby (2020)

Platzspitzbaby (2020)

  1. 98 Minuten

Kommentare Total: 4

Du musst dich einloggen oder registrieren um einen Kommentar zu schreiben.

Sortierung:

crs

Filmkritik: Weder Hinderschi no Fürschi

ebe

Es gibt da so eine Szene, in der die Protagonisten im Auto unterwegs sind und der Moderator die Eishockeyresultate der NLA verliest. Der EHC Arosa führe die Tabelle an, heisst es da. Als Kind der Neunziger, das damals oft in hiesigen Eishockeystadien anzutreffen war, wusste ich gleich, dass das nicht sein konnte: Der EHC Arosa ist seit Mitte Achtziger nicht mehr in der NLA, geschweige denn an der Tabellenspitze. Hätte man das nicht schnell auf Wikipedia checken können?

Klar: Das ist ein Detail, und darauf herzumzureiten mag als pedantische Kritik scheinen von jemandem, der ums Verrecken ein Haar in der Suppe sucht. Dennoch ist es irgendwie symptomatisch für die Darstellung der Neunziger - meiner Teeniezeit - im Film. Diese scheint mir irgendwie unsorgfältig umgesetzt, sei es, wenn die Jungdarsteller in der heutigen Jugendsprache ("hey Alti!") miteinander kommunizieren, sei es in der Musikwahl. Eine 13-Jährige im Jahr 1995 hörte doch entweder Nirwana oder Technopop, aber kaum ein süsses "Sloop John B."-Cover.

Immerhin: In einer Szene ertönt der fast halbvergessene Song The Feeling has Gone des weniger erfolgreichen DJ-Bobo-Klons Jo Fox. Dort hat mein Herz kurz gestrahlt, die Single-CD liegt heute noch in irgendeiner Kiste in meinem Keller. Solche Nostalgie-Momente hätte ich mir etwas mehr erhofft, auch wenn es zugegebenermassen etwas falsch anmutet, in einem Drogendrama Nostalgie-Momente zu erwarten.

Ansonsten aber tolle Leistung aller Beteiligten: Die Geschichte geht ans Herz und kommt dabei ohne Pathos oder verlogene Feelgood-Harmonie klar. Luna Mwezi ist eine super Sympathieträgerin, doch besonders beeindruckt hat mich Sarah Spale als heroinabhängige Mutter. Ich habe sie gleichzeitig gehasst und mit ihr mitgelitten. Eine grossartige Performance, die den Schweizer Filmpreis aber sowas von verdient hätte, wenn der Film denn überhaupt eingereicht worden wäre.

yan

Als alter Eishockey-Fan ist mir das mit dem EHC Arosa auch sofort aufgefallen. Mein Vater hat in den Achtzigern sogar noch beim damaligen Bündner Top-Verein gespielt.

Ich fand das aber weniger störend, als die unpassende Jugendsprache. Das hat mich mehrmals aus dem Film geworfen.

Nirvana schreibt man übrigens mit einem V - wenn wir schon dabei sind, auf Details herumzureiten ;)

ebe

@yan: Fair enough. Wo du recht hast, hast du recht... :-)

Kommentar schreiben