Peninsula (2020)

Peninsula (2020)

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  2. 116 Minuten

Filmkritik: Umsteigen vom Zug nach Busan auf das Schiff nach Seoul

Postapokalyptische Gladiatoren
Postapokalyptische Gladiatoren © Praesens Film

Vier Jahre sind vergangen, seit Südkorea von einer Zombie-Invasion erschüttert wurde. Der Soldat Jung-seok (Dong-Won Gang) entkam ihr damals nur knapp und lebt heute in Hongkong. Doch nun soll er in seine alte Heimat zurückkehren. Von zwielichtigen Personen erhält er den Auftrag, nach Seoul zu reisen, wo er mit einer Gruppe von Söldnern einen Lastwagen voller US-Dollar finden und diesen dann sicher zum Hafen fahren soll. Da dies eine illegale Operation und Südkorea eigentlich abgeriegelt ist, können die Söldner in einem Ernstfall nicht auf Verstärkung zählen.

Verzweifelte Eltern prügeln sich an Heiligabend mal wieder um das letzte Spielzeug.
Verzweifelte Eltern prügeln sich an Heiligabend mal wieder um das letzte Spielzeug. © Praesens Film

Diese könnten sie jedoch dringend gebrauchen, als die Mission völlig aus dem Ruder läuft. Nun stehen sie nicht nur einer Horde Zombies gegenüber, sondern auch der gefährlichen Miliz Unit 631, welche in Seoul ihre eigenen Gesetze macht und vor gar nichts zurückschreckt. Für Jeon-seok beginnt ein halsbrecherischer Kampf ums nackte Überleben.

Peninsula ist die temporeiche Fortsetzung zu Train to Busan. Die Intensität des Erstlings wird zwar nicht erreicht, aber dafür gefallen viele coole Schauplätze und lässige neue Figuren, während die Action mit Ausnahme eines etwas zu CGI-lastigen Finales mächtig Laune macht. Für Action-Fans ein Muss.

Bevor sich Christopher Nolan während der Corona-Pandemie aufmachte, mit Tenet die Kinos zu retten, war da Peninsula. Die Fortsetzung zum südkoreanischen Zombie-Überraschungshit Train to Busan wurde Mitte Juli 2020 - und damit einen Monat vor dem Nolan-Film - in die Kinos gebracht und spielte am ersten Wochenende in seiner Heimat gleich mal 20 Millionen Dollar ein - bei einem Budget von 16 Millionen Dollar. Ein Zeichen dafür, dass Kinoerfolge auch in Zeiten von Maskenpflicht und Social Distancing möglich sind.

War Train to Busan in erster Linie ein Horrorfilm, haben sich die Macher für ihre Fortsetzung - es gibt mit Seoul Station übrigens auch ein animiertes Prequel - dem Beispiel Alien/Aliens orientiert. Der zweite Teil wird nicht aus der Sicht von fast hilflosen und überforderten Protagonisten gezeigt, sondern aus jener von schwer bewaffneten Soldaten, die auf einer Mission sind. Es ist dabei fast schon comichaft lustig, wie sehr der Film mit seinem Mad Max-Finale an den 2008er-Schocker Doomsday erinnert. Der Plot wurde fast 1:1 übernommen.

Wie das Alien-Franchise-Beispiel zeigt, führt eine solche Neuausrichtung zu mehr Action, aber im Falle von Peninsula leider zu weniger Spannung. Durch die gefährliche Miliz, mit der sich die Protagonisten ebenfalls herumschlagen müssen, treten die Zombies fast in den Hintergrund. Es gibt zwar noch eine äusserst beeindruckende Gladiatoren-Sequenz in der Mitte des Filmes, doch ansonsten haben die Untoten nicht mehr viel zu melden.

So kann dieses Sequel nicht wirklich mit Train to Busan mithalten, auch wenn es ein paar ganz coole neue Figuren einführt, denen man gerne durch diese Apokalypse folgt - einige dieser Charaktere sind gegen Ende hin allerdings auch für etwas zu viel Melodramatik verantwortlich.

Bleibt noch die Action. Diese bereitet viel Freude und sorgt regelmässig für Adrenalinschübe. Schade nur, dass die finale, 20 Minuten lange Autoverfolgungsjagd wegen der vielen Computereffekte eher wie ein Game aussieht - zwar immerhin wie ein gut gerendertes, aber halt doch offensichtlich nicht an Ort und Stelle gedreht. Aber sei's drum, denn unterhalten wird man während der fast zwei Stunden trotzdem ganz anständig.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Kommentare Total: 3

gunrock

Wusste nur, dass ich kein "Train to Busan" erwarten soll.
Mit ausnahme der letzten Dramaszene hat mich der Film nie gelangweilt. Ja, die Story ist grösstenteils vorhersehbar und die CGI Szenen sind als solches klar erkennbar, aber das hat mich nicht gestört.
In weiten Teilen des Films kommt er mir wie eine Kreuzung aus Fast and Furious und Mad Max vor. Der Motor des Liegerwagens is definitiv getuned ;-)

crs

Filmkritik: Umsteigen vom Zug nach Busan auf das Schiff nach Seoul

Murikov

Ganz übles Sequel vom 2016-Zombie Hit Train to Busan...

Enttäuscht auf ganzer Linie mit oberflächlichen Darstellern, schlechter Story, mässigem CGI und langweiliger Melodramatik.

Verstehe es nicht, wie es der gleiche Regisseur und Produzent so verhunzen konnten.

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