Nowhere Special (2020)

Nowhere Special (2020)

Filmkritik: Wenn der Vater mit den Sohne ...

77. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2020
Ein hoher Geburtstag wird entsprechend gefeiert.
Ein hoher Geburtstag wird entsprechend gefeiert. © Studio / Produzent

Der Fensterputzer John (James Norton) zieht Michael (Daniel Lampton) alleine gross. Der Kindergarten-Knirps und sein hingebungsvoller Vater wurden von der Mutter kurz nach der Geburt verlassen. Ohne dass Michael etwas davon weiss, hat John nur noch wenige Monate zu leben. Es ist deshalb sein erklärtes Ziel, die perfekte Adoptiv-Familie für seinen Sohn zu finden.

Zusammen mit Adoptions-Agentin Shona (Eileen O'Higgins) werden unterschiedliche Optionen im persönlichen Kennenlernen getestet: eine reiche Familie, welche Michael Zugang zu den besten Schulen ermöglichen könnte; ein Paar, das sich Kinder wünscht, aber die Strapazen einer Geburt vermeiden möchte; oder eine alleinstehende Frau.

Ein in Belfast gedrehter Tränendrüsen-Drücker des Full-Monty-Produzenten Uberto Pasolini, der auf wahren Begebenheiten basiert. Die langsame Erzählung verstärkt die gewollt nüchterne Darstellung der melodramatischen Tragik des Plots. Würden sich der grosse und der kleine Hauptdarsteller von Nowhere Special nicht so gut verstehen, wäre der Film «nowhere near special».

Kinderdarsteller sind so eine Sache. Von altklug bis einfach nur nervig hat man schon vieles gehen. Wenn sie jung sind, werden sie oft von Zwillingen gespielt, die man leicht tauschen kann on-camera. Weil sie gerade nicht wollen, oder der Jugendschutz schaut, dass sich die Arbeitszeiten nicht ins Unendliche ziehen.

Mit Daniel Lampton war nur ein Kind am Set von Nowhere Special. Die Hauptaufgabe des Jungen ist vor allem, einfach mal süss zu sein. Viel reden muss der kleine Lastwagen-Fan nicht. Altklug als negative Figurenzeichnung fällt deshalb schon mal weg. Da Lampton und sein Filmpapi Norton auch abseits der Kamera Zeit miteinander verbrachten, entstand die für den Film nötige Vertrautheit. Davon zehrt der Film beim Gute-Nacht-Geschichten-Lesen, den Badeszenen und dem Rumspazieren.

Vor allem vom Rumspazieren gibt's viele Szenen im Film, der zu sehr darauf vertraut, dass man sich in Lampton vernarrt und deshalb für einen guten Ausgang der Geschichte betet. Norton, der vom Look auch in Gangsterfilme passen würde, muss in seiner Rolle als moderner Daddy hingegen die Emotionen unterdrücken. Das kann er fast so gut wie mit Vierjährigen umgehen. Für richtig grosses Kino ist in Nowhere Special aber alles zu berechnend.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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Kommentare Total: 2

tyson

Die Erkrankung des Alleinerziehenden Vaters kommt am Rande zur Sprache und gibt dadurch einen wunderbaren Einblick in eine fürsorgliche, innige und sehr liebevolle Vater-/Sohngeschichte. Empfehelnswert!

rm

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