Nightlife (2020)

Nightlife (2020)

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  2. 111 Minuten

Filmkritik: Wie macht der Uhu?

Cocktail war nur der Anfang!
Cocktail war nur der Anfang! © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Die beiden Barkeeper Milo (Elyas M'Barek) und Renzo (Frederick Lau) schlagen sich zwar die Nächte in Berlin um die Ohren, wollen aber eigentlich raus aus dem Nachtleben. Ruhe, Familie, Kids und Fahrradausflüge sollen es künftig sein und deshalb suchen sie nach einer eigenen Bar. Da die Bank da nicht so recht mitmachen will, muss die nötige Kohle anderswie her, was Renzo dazu bringt, ein krummes Ding zu drehen, das natürlich in die Hose geht. Rettungsmassnahmen, seien sie auch noch so kurios, wollen auch nicht klappen und die Jungs sehen sich finsteren Gesellen gegenüber, die Kohle sehen wollen. Und zwar bis morgen Mittag!

Pirates of the Currywurstbude
Pirates of the Currywurstbude © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Milo, inmitten der Geld- und Gangstersorgen, hat aber eigentlich gar keine Zeit für solche Dramas, er will sich mit der schönen Sunny (Palina Rojinski) treffen und mit ihr ein romantisches Date verbringen. Die hat ihm nämlich total den Kopf verdreht und scheint genau die Art Frau zu sein, mit der sich Milo eine Zukunft vorstellen kann. Zwischen gemütlichem Essen und ein bisschen Kennenlernen geht's für Milo und Sunny nun also auch gegen die Unterwelt Berlins, denn auf ihren Kopf ist eine Belohnung ausgesetzt worden. Zusammen mit Kumpel Renzo starten sie in die gefährlichste und aufregendste Nacht ihres Lebens.

Nightlife ist mit knapp zwei Stunden Laufzeit etwas zu lang geworden und zieht sich vor allem gegen Ende recht in die Länge. Bis dahin punktet der Film vor allem mit gut gecasteten Darstellern, die ihre Chemie ins Publikum bringen und sympathisch agieren. Ein paar kurrlige Nebenrollen obendrauf, und schon hat man einen Film, der keinen vom Stuhl haut, aber halt doch anständig unterhält. Das Ganze ist zwar nicht besonders witzig oder spannend, aber gut gespielt und mit einigen gelungenen Momenten. M'Barek ist halt doch der bessere Schweiger.

Regisseur Simon Verhoeven hat 2016 Willkommen bei den Hartmanns einen Überraschungshit gelandet und ist als Darsteller auch immer wieder selber in kleinen Rollen zu sehen. In seinem neuesten Film Nightlife übernimmt er auch eine klitzekleine Nebenrolle, lässt aber den Vortritt seinem Starduo Elyas M'Barek (Fack ju Göhte) und Palina Rojinski, das wunderbar funktioniert und die verzwickten Ereignisse der Nacht mit grosser Sympathie über die Runden bringt.

Das sollte dann auch schon der grosse Pluspunkt von Nightlife sein: sein Starduo. M'Barek und Rojinski zeigen eine tolle Chemie, mögen sich auch abseits der Kamera und bringen diese Gefühle wirksam vor die Kamera. Man mag es beiden Figuren gönnen, einen neuen Lieblingsmenschen gefunden zu haben und stört sich auch daran nicht, dass Regisseur Verhoeven mitunter ein bisschen dick aufträgt. Als Gegenpol agiert Frederick Lau (Das perfekte Geheimnis), der mit seinen Aktionen und Handlungen immer wieder für Schwung und Komplikationen sorgt. Dabei will er doch bloss endlich mal auf die Fahrradtour.

In einer wilden Nacht durch Berlin, verfolgt von Gaunern und unterstützt von komischen Spiele-Nerds, entwickelt der Film bald ein flottes Tempo, lässt allerdings Spannung und Überraschungsmomente vermissen. Die Story verfolgt vorgegebene Pfade und steuert mit ein paar Scherzen und Sprüchen auf ein Finale zu, das die Zuschauer dann auch zufrieden, aber halt nicht vollkommen überzeugt zurücklässt.

Eine der Nebenrollen muss unbedingt noch erwähnt werden, weil sie schlichtweg hammermässig vorgetragen wird. Gangsterboss "Herr Kempa" wird vom Wiener Star Nicholas Ofczarek so herrlich schräg und überbordend dargestellt, dass er jede noch so kleine Szene sofort an sich reissen kann. Der Kerl mit viel Schmäh sorgt allein dafür, dass diese (leider zu wenigen) Auftritte des Obergauners zu Highlights des Films werden. Mehr solcher Figuren und Nightlife wäre richtig stark geworden!

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag von Animation über alte Monsterfilme bis zu intergalaktischen Abenteuern alles, was ansteht. Bei öden Rom-Coms kriegt er vielfach Bauchweh, aber im IMAX überlebt er auch das.

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