Mulan (2020)

Mulan (2020)

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  2. 115 Minuten

Filmkritik: Loyal, brave and ... naja

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Katniss wer?!?!?!
Katniss wer?!?!?! © The Walt Disney Company Switzerland. All Rights Reserved.

Von ihren Eltern wurde der jungen Mulan (Yifei Liu) schon immer eingetrichtert, dass eine Tochter ihrer Familie nur auf eine Art Ehre bringen kann: Indem sie sich stets ziemlich verhält, einen angesehenen Ehemann heiratet und ihm eine gute Frau ist. Doch der Wildfang Mulan klettert lieber auf Dächern herum, reitet pfeilschnell übers Land und erlernt von ihrem Vater die Kampfkunst. Als die Heiratsvermittlerin sie aufgrund eines Missgeschicks für unvermittelbar erklärt, sieht es düster aus für Mulans Zukunft als brave Hausfrau und Mutter.

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Anstehen für das neue iphone © The Walt Disney Company Switzerland. All Rights Reserved.

Doch da kommen Gesandte des chinesischen Kaisers (Jet Li) ins Dorf und verkünden, dass Eindringlinge aus dem Norden das Reich bedrohen. Deshalb muss per kaiserlichem Dekret aus jeder Familie ein Mann in den Kampf ziehen. Da Mulans Vater Hua Zhou (Tzi Ma) keine Söhne hat, will er trotz Alter und Kriegsverletzung selbst dem Einberufungsbefehl folgen. Mulan ist sich jedoch sicher, dass er dies nicht überleben wird, weshalb sie in der Nacht seine Ausrüstung stiehlt und an seiner Stelle dem Befehl folgt. Verkleidet als Mann nimmt sie den Namen Hua Jun an und absolviert unter dem Kommandant Tung (Donnie Yen) die Kriegerausbildung, die sie schliesslich in den Kampf gegen die Eindringlinge führt.

Disneys Live-Action-Remake des modernen Animationsklassikers Mulan verzichtet auf lustige Tierfiguren und Gesang und setzt stattdessen auf die Karte Action-Epos. Neben bekannten Gesichtern sowie wunderschönen Landschaftsaufnahmen bietet der Film allerdings wenige Schauwerte und lässt auch die Leichtigkeit und Entrücktheit der chinesischen Wuxia-Filme, auf die hier ebenfalls angespielt wird, leider etwas vermissen. Als Action-Film ist Mulan ganz ordentlich, als Film über eine starke Heldin hingegen fast schon ärgerlich, wischt der Film den mutigen Weg der Heldin zur Selbstbestimmung doch kaltschnäuzig unter den Teppich.

Wie jedes der gross angelegten Live-Action-Remakes, die das Maus-Haus in den letzten Jahren mit bombastischem Aufwand und noch höherem Budget auf die Leinwand gebracht hat, kommt auch dieses nicht um den Vergleich mit der animierten Version herum. Im Gegensatz zu Lion King oder Aladdin, die sich recht nahe an den Trickfilm hielten, sucht sich Mulan jedoch seinen eigenen Weg. Dafür entschied man sich, wieder zurück zum chinesischen Ursprung der Geschichte zu gehen und auf amerikanische Stilelemente möglichst zu verzichten. So gibt es im Film weder Gesangseinlagen noch die tierischen Helfer, die der Heldin im Trickfilm beistanden und für so manchen Lacher sorgten. Fantastische Elemente gibt es jedoch weiterhin: So ist die Hexe eine der interessanteren neuen Figuren, und in gewisser Weise erhält der Drache Mushu einen Ersatz, indem wiederholt ein Phoenix als Mulans spiritueller Beistand ins Bild fliegt.

Im Grunde ist Mulan ein seltsames Ding geworden, handelt es sich doch um eine US-amerikanische Produktion, die chinesische oder aus China stammende Darsteller auf Englisch agieren lässt, während sich der Film aber unverkennbar an ein asiatisches Publikum richtet. Auf dem Regiestuhl sitzt mit Niki Caro zudem eine Neuseeländerin, die ja bereits mit Whale Rider eine wunderschöne Geschichte um ein kleines tapferes Mädchen erzählt hat. Leider bekam Caro - wie auch schon Ava Duvarney mit A Wrinkle in Time - nicht das richtige Material, um ihre Fähigkeiten zu zeigen. Herausgekommen ist so ein Film, der zwar irgendwie ganz ordentlich gemacht ist, jedoch deutlich mehr Potenzial gehabt hätte. Zu sehen sind zwar sympathische Darsteller, deren Figuren jedoch besser hätten vorgestellt werden können. Schade ist es auch um die an sich ansprechenden Kampfsequenzen, die einerseits Anklänge ans chinesische Wuxia Genre (wie etwa in Crouching Tiger, Hidden Dragon) erkennen lassen, sich andererseits aber doch nie ganz an deren Umsetzung trauen.

Richtig enttäuschend ist schliesslich der feministische Aspekt der Geschichte, der hier völlig unter die Räder kommt. Ging es im Trickfilm noch darum, sich selbst zu finden - wie im Song «Reflections» eindrucksvoll ausgedrückt -, ist Mulan hier nicht sich selbst, sondern allein dem Reich und dem Militär verpflichtet. Ihr neues Mantra «loyal, brave and true» - im Abspann wiederum gesungen von Christina Aguilera - kehrt so die starke Botschaft des Animationsfilms förmlich in sein Gegenteil um. Ob dies nun eine Rückkehr zur chinesischen Sage oder schlicht chinesische Propaganda ist, die Individualität konsequent verbietet, sei dahingestellt. Einem westlichen Publikum bleibt am Ende ohnehin ein leicht fahler Beigeschmack zurück.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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Kommentare Total: 2

muri

Schöne Bilder, aber inhaltlich halt wirklich mager und (natürlich) altbekannt. Zudem wird Jet Li als Kaiser verschwendet, Ming-Na Wen (bekannt aus "Agents of Shield" und die Stimme der Animations-Mulan von 1998) darf am Ende noch durchs Bild huschen und der gute Jason Scott-Lee (1993 noch als Bruce Lee filmisch unterwegs) darf als Bösewicht auch kaum sein Können zeigen.

Mir haben am Ende vor allem die Bilder gefallen. Das haben die Disneyaner halt einfach drauf. Wenn sie sich jetzt wieder auf neue Stories konzentrieren, als jeden Animationsfilm der letzten 50 Jahre wieder in "realer" Fassung zu bringen, dann kommt's gut. Hier geht's natürlich vor allem um die Kohle, die wieder mächtig eingeschaufelt werden muss.

pps

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