Minari (2020)

Minari (2020)

  1. 115 Minuten

Filmkritik: Kleines Filmwunder ganz gross

«Home in Run» geschlagen?
«Home in Run» geschlagen? © Pathé Films

Der Südkoreaner Jacob (Steven Yuen) träumt von einer eigenen Farm und ist deshalb mit seiner Frau Monica (Yeri Han), Tochter Anne (Noel Cho) und Sohn David (Alan S. Kim) in das Land der unbegrenzen Möglichkeiten gezogen: die Vereinigten Staaten von Amerika. Nachdem sie eine Weile in Kalifornien gewohnt haben und dort ihr Geld mit dem Sortieren von Küken nach Geschlecht verdient haben, wagen sie den Umzug nach Arkansas. Dort soll die Farm entstehen und der Traum wahr werden.

Oma ist die Beste.
Oma ist die Beste. © Pathé Films

Die Realität sieht jedoch ernüchternd aus. Auf dem erstandenen Stück Land sind schon andere Farmer gescheitert und der Wohnwagen, in dem die Familie fortan leben muss, macht nicht alle Familienmitglieder glücklich. Als das Vorhaben zu scheitern droht, bringt Grossmutter Soonja (Youn Yuh-jung) immerhin ein bisschen Leichtigkeit in den Familienalltag zurück.

Minari ist ein wunderbarer Film. Mit viel Feingefühl hat Regisseur Lee Isaac Chung hier ein Werk geschaffen, der mit vielen kleinen Szenen und Momenten die Zuschauer zu berühren weiss. Toll gespielt, wunderschön gefilmt und mit traumhafter Musik untermalt: ein echter Hit, der nahegeht und einen mit einem guten Gefühl wieder entlässt.

Minari war in der Awards-Saison 2020 ein kleines Filmwunder. Das Werk des Regisseurs Lee Isaac Chung feierte am Sundance seine Weltpremiere und startete von dort aus einen beeindruckenden Siegeszug, welcher bis zu den Oscars anhielt, wo Youn Yuh-jung mit dem Goldmännchen als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde. Diese Vorschusslorbeeren helfen natürlich dem Schweizer Verleiher, der den Film mit vielen Preisen auf dem Poster in die hiesigen Kinos bringen kann. Doch diese lassen auch die Erwartungen nach oben schnellen, womit man dem Film fast ein bisschen ungerecht tut. Denn Minari ist ein kleiner, berührender Film, den man am liebsten selbst entdeckt hätte und der von den ganzen Lobpreisungen fast ein bisschen erdrückt wirkt.

Man sollte hier also nicht unbedingt den nächsten Parasite erwarten, also einen Film, der alle umzuhauen vermag. Minari ist feinfühlig und ganz subtil. Kein Film der lauten Töne, sondern einer, der die ruhigen umso besser trifft. Natürlich kommt der Film nicht ganz um eine grosse dramatische Szene herum, doch sind es die kleinen, die einen nach dem Film noch etwas begleiten werden - vor allem jene mit Youn Yuh-jung und ihrem Filmenkel sind schlicht zauberhaft.

Die Geschichte einer Familie, die den amerikanischen Traum zu leben versucht, hat man schon einige Male gesehen. Doch Lee Isaac Chung schafft es mit viel Einfühlsamkeit, diese Story nicht so abgedroschen wirken zu lassen, sodass sie einem nicht das Gefühl gibt, dass man sie schon einige Male gesehen hat. Auch ist es erfrischend zu sehen, dass sich die Südkoreaner im Film kaum Rassismus ausgesetzt sehen, sondern die gezeigte Gemeinde in Arkansas an einem Zusammenleben interessiert ist. So umschifft Lee Isaac Chung auch locker viele Klischees und fährt, begleitet vom wunderbaren Score von Emile Mosseri, mit seinem Filmtraktor gemütlich durch die zwei Stunden, sodass einem warm um Herz wird. Wir würden am liebsten hier schreiben, dass Minari ein wunderbarer Geheimtipp ist. Wegen den Awards ist er nun zwar nicht mehr wirklich geheim, was den Film jedoch nicht minder sehenswert macht.

Chris Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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Kommentare Total: 2

chr

Sehr fein wird das Streben nach dem amerikanischen Traum gezeigt ohne dabei die Rassismus-Keule zu schwingen. Und zum Ende hin war der Film sehr berührend. Hat mir insgesamt sehr gut gefallen.

crs

Filmkritik: Kleines Filmwunder ganz gross

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