Love and Monsters (2020)

Love and Monsters (2020)

Monster Problems
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  3. 109 Minuten

Filmkritik: A boy and his Boy

Brave Jungs kriegen ein Leckerli. Oder werden zum Leckerli ...
Brave Jungs kriegen ein Leckerli. Oder werden zum Leckerli ... © Netflix

Als der riesige Asteroid Agatha 606 auf die Erde zurast, schliessen sich die Menschen zusammen und schiessen alle möglichen Raketen auf das Ungetüm im Weltall. Und es funktioniert! Doch leider regnen mit den Überresten der Raketen auch chemische Stoffe zurück auf die Erde, durch die alle kaltblütigen Tiere zu riesigen Monstern mutieren. Nach einem Jahr Kampf gegen monströse Insekten, Echsen und Würmer ist die Menschheit um 95 Prozent reduziert und die Überlebenden verschanzen sich in unterirdischen Bunkern.

Bad Hair Day
Bad Hair Day © Netflix

Sieben Jahre später lebt der junge Joel Dawson (Dylan O'Brien) in einer familienähnlichen Kolonie, wo er fleissig kocht und für den Abwasch sorgt. Jedoch fühlt er sich sehr einsam, da er der einzige ohne Partner ist. Nur über Funk kann er mit seiner Jugendfreundin Aimee (Jessica Henwick) sprechen, die er noch immer liebt. So beschliesst er, an die Oberfläche zu gehen und sich alleine die 85 Meilen bis zu Aimees Kolonie durchzuschlagen. Dumm nur, dass Joel überhaupt keine Ahnung hat, wie man in dieser monsterverseuchten Welt überlebt und bei nahender Gefahr sofort in Schockstarre verfällt. Trotzdem zieht er mutig los und trifft bald mal einen cleveren Hund, der ihn auf der gefährlichen Reise begleitet.

Love and Monsters erfindet weder den Monsterfilm noch Endzeitszenarien neu und hatte das wohl auch gar nie im Sinn. Vielmehr besticht das Monsterabenteuer durch eine flotte Erzählweise, sympathische Figuren und eine gelungene Mischung aus Action, Drama, Komödie und ein bisschen Romantik - eine familienfreundlichere Version von Zombieland, sozusagen. Neben den beeindruckenden oscarnominierten Monsteranimationen ist es jedoch vor allem der enorme Charme von Hauptdarsteller Dylan O'Brien, der diese an sich einfache Reise zu einem ansprechenden Filmspass macht.

Unter dem ursprünglichen Titel «Monster Problems» war das Drehbuch von Brian Duffield und Matthew Robinson bereits vor über sechs Jahren fertiggestellt worden. Umgesetzt werden konnte der Film dann aber erst mit Regisseur Michael Matthews, der hier nach dem hochgelobten in Südafrika spielenden Western Five Fingers for Marseilles erst seinen zweiten Langfilm präsentiert. Dass die Verantwortlichen hinter den Kulissen nicht zu den üblichen Verdächtigen bei solchen Produktionen gehören, merkt man dem Film auch an. Denn trotz der Grösse des Projekts und den vielen Spezialeffekten erzählt der Film eine an sich einfache, sehr persönliche Geschichte.

Fast erstaunlich ist dabei, wie familienfreundlich das Ganze herausgekommen ist. Zwar hat es riesige Monster, diese sind aber kaum wie fürchterliche Horrorwesen inszeniert. Auch die Welt an sich hebt sich erfreulich von den düsteren Zukunftsvisionen ab, die wir in den letzten paar Jahren zu sehen bekamen. Ein bisschen erinnert Love and Monsters deshalb auch an Abenteuerklassiker aus den Achtzigern, bei denen in erster Linie der Spass im Vordergrund stand. Und Spass gibt es reichlich, sowohl durch die Erzählweise - unter anderem mit einem frechen gezeichneten Intro - als auch durch die sympathischen Figuren und Darsteller. Für einmal funktionieren sogar die Voice-off-Kommentare richtig gut. Nicht nur durch die Aufzählung der verschiedenen Überlebensregeln kommt auch immer wieder ein Zombieland-Feeling auf, wenn auch freilich viel weniger blutig.

Neben den witzigen Dialogen sind es vor allem die Figuren, die zu überzeugen wissen, allen voran natürlich der Protagonist Joel, der von Dylan O'Brien mit viel Charme verkörpert wird. O'Brien, der in der Vergangenheit mit Rollen in der Maze Runner-Reihe und American Assassin eher auf die wenig interessante Heldenrolle reduziert war, macht hier wieder den Bogen zurück zum liebenswerten Loser, wie er ihn schon in der Serie Teen Wolf erfolgreich dargestellt hatte. Auch weil ihm das emotional ausbalancierte Drehbuch erlaubt, sowohl sein komödiantisches Timing als auch sehr persönliche Augenblicke zu zeigen, ist dieser liebenswerte Protagonist eine willkommene Abwechslung zum männlichen Filmhelden, den man normalerweise in solchen Rollen zu sehen bekommt.

Das Team-up mit dem cleveren Hund Boy ist dann nur noch das Tüpfelchen auf dem I eines Filmes, der zwar kein Meisterwerk geworden ist, mit seinen sympathischen Figuren und der positiven Botschaft aber einfach mächtig Laune macht.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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