Locke + Key (2020)

Locke + Key (2020 / Serie)

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Serien-Review: Ich bin der Schlüsselmeister!

Netflix
Reinstecken, rumdrehen
Reinstecken, rumdrehen

Seit Vater Rendell Locke (Bill Heck) vor ein paar Monaten von einem seiner Schüler ermordet worden ist, ist die ganze Locke-Familie neben der Spur. Mutter Nina (Darby Stanchfield), Tochter Kinsey (Emilia Jones), Sohn Tyler (Connor Jessup) und der kleine Bode (Jackson Robert Scott) ziehen daher in das alte Locke-Familienhaus, das sogenannte "Key-House", und versuchen, sich an einem neuen Ort zurechtzufinden. Bald aber entdeckt der kleine Bode kleine Schlüssel, die Türen öffnen und dem Besitzer Kräfte verleihen. Mit der Unterstützung einer im grossen Brunnen lebenden Frau, die sich später als "Dogde" (Laysla de Olivera) entpuppt, macht sich der Bub auf, das Haus zu erforschen.

Gruselige Ansichten
Gruselige Ansichten

Mit jedem weiteren gefundenen Schlüssel begeben sich die Locke-Kinder in grössere Gefahr. "Dodge" ist nämlich keinesfalls eine harmlose und etwas schräge Frau aus dem Brunnen, sondern eine Gefahr für Leib und Seele. Sie ist auf der Suche nach dem "Omega-Key", der die Tür in eine andere Dimension öffnen soll. Dieser, nebst dem "Anywhere-Key" der mächtigste der Schlüssel, soll in ihre Hände fallen, um ihr Schicksal zu erfüllen. Dabei spielt die Familiengeschichte der Lockes und vor allem der verstorbene Vater eine wichtige Rolle. Was hat die Clique von damals mit den Schlüsseln zu tun, wer ist verantwortlich, dass Dämonen im Haus umhergeistern und wie soll es den Kids gelingen, dieses Rätsel um die geheimnisvollen Schlüssel zu lösen?

Die Serie startet gemächlich und entfaltet dann ihr volles Potenzial. Mit gut gecasteten Darstellern wird eine spannende Story erzählt, die immer wieder ins Mysteriöse und Gruselige abschweift und Ähnlichkeiten mit anderen, noch bekannteren Produktionen aufweist. Natürlich sind nicht alle zehn Folgen gleich stark. Vor allem der Einstieg ist etwas zäh, und im grossen Finale scheitert man in der Spezialeffekt-Abteilung. Als Gesamtpaket entpuppt sich Locke + Key aber als gute und mitunter auch schaurige Serie, die Potenzial hat und in den nächsten Staffeln noch ein paar Schippen drauflegen darf.

Joe Hill ist der Sohn von Stephen King. Deshalb überrascht es nicht, dass der Mann ebenfalls als Autor von Horror- oder Fantasybüchern tätig ist. Eine Mini-Comicserie von ihm aus dem Jahr 2008 dreht sich um ein Haus, in dem diverse mächtige Schlüssel versteckt sind, weshalb sich eine Familie mit Dämonen und allerlei Gesindel auseinandersetzen muss. Nachdem die Verfilmung des Stoffes diverse Ankündgungen und auch Vorproduktionen über sich ergehen lassen musste, schnappte sich Streaming-Gigant Netflix schlussendlich die Rechte und legt nun die erste Staffel der Serie Locke + Key vor, die uns in zehn Folgen einen Einblick in die Familiengeschichte der Lockes ermöglicht und den ersten Kontakt zu einigen der Schlüssel beinhaltet.

Da die Macher natürlich nicht mit der Tür ins Haus fallen können (oder wollen), startet Locke + Key erstmal gemächlich und bietet in den ersten Folgen vor allem ein Porträt der Familie Locke, die Schlimmes durchlebt und deren Mitglieder nun versuchen, den Schritt in die Normalität zu wagen. Neue Schule, neue Freunde, ein grosses Haus und viele Entdeckungen begleiten ihren Weg, wobei die Schlüssel zwar immer wieder auftauchen, aber keiner so richtig weiss, womit man es da nun zu tun hat. Selbst die mysteriöse Frau aus dem Brunnen macht einen harmlosen und hilfreichen Eindruck, wobei sich dieser spätestens bei der Enthüllung ihres Plans natürlich ins Gegenteil umwandelt. Überhaupt macht "Dogde" eine interessante Entwicklung durch. Diese erreicht den Höhepunkt in den letzten Folgen, als sie ihr Ziel mit aller Kraft und List umzusetzen versucht.

Die Lockes hingegen wandeln ein bisschen auf den Spuren der Kids aus Stranger Things und werden mit übersinnlichen Kräften konfrontiert, die sie weder zuordnen noch bekämpfen können. Es bilden sich Grüppchen junger Menschen, die nebst den Schlüsseln auch noch ganz eigene Probleme mit sich bringen. Zwischenmenschliche Begegnungen, Wut auf die Welt, Trauer um den Vater und die Ermittlungen in die Vergangenheit prägen ihre Charaktere. Da die Macher sich zehn Folgen Zeit zur Auflösung des ersten Mysteriums gegeben haben, macht die Entwicklung der Charaktere auch keine zu grossen Sprünge, sondern lässt den Figuren Zeit, das Gesehene und Erlebte immer wieder zu verarbeiten. Erst im grossen Finale dieser ersten Staffel dreht man ein bisschen viel an der Spannungsschraube, so dass die letzen zwei Folgen nicht mehr ganz zum angenehmen Tempo der Serie passen mögen. Aber Schattengeister und Dämonen kann man halt kaum gemächlich inszenieren, oder?

Darstellerisch haben wir es (glücklicherweise?) mit keinen allzugrossen Namen zu tun. Der Cast nimmt sich seiner Rollen aber recht schnell an, die Sympathien verteilen sich, der Fokus bleibt auf den Figuren und nicht auf den Darstellern. So können sich die einzelnen Personen auf die Entwicklung ihrer Charaktere konzentrieren und finden im Lauf dieser ersten Staffel den Weg zu den Zuschauern problemlos. Man darf davon ausgehen, dass wir den einen oder anderen der Darsteller bald in einer grösseren Produktion erleben dürfen.

/ muri