Lindenberg! Mach dein Ding (2020)

Lindenberg! Mach dein Ding (2020)

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  2. 139 Minuten

Filmkritik: Deutschrock - Das geht ja mal gar nicht!

Bewährungsprobe
Bewährungsprobe

Was passiert, wenn man in einem kleinen Dorf in der westfälischen Provinz aufwächst und grosse Träume hat? Man wird erwachsen und begräbt sie irgendwann. Nicht so Udo Lindenberg (Jan Bülow): Überzeugt davon, der nächste grosse Star zu sein, verfolgt er unbeirrt den Traum von einer erfolgreichen Musikkarriere. Denn bereits als 5-Jähriger weiss Udo ganz genau, was er will: raus aus dem kleinen Gronau und die grosse Welt sehen.

«Ich werde mal ein grosser Star!»
«Ich werde mal ein grosser Star!»

Das Aufwachsen in bescheidenen Verhältnissen und die Aussicht, wie sein Vater Klempner zu werden, lösen in im jungen Udo enormen Widerwillen aus. Nach einer abgebrochenen Kellnerlehre setzt er ab 1963 nur noch auf die Karte Musik. Doch dieser Weg ist kein einfacher; sporadische Engagements als Studiomusiker für Werbejingles, aussichtslose Einsätze als Schlagzeuger in verschiedenen Bands und ein traumatisierender Auftritt vor US-Soldaten in Libyen folgen. Alles das schreckt den jungen Musiker nicht ab. Mehr denn je wird ihm klar: «Von jetzt an mach ich nur mein Ding!» Denn an Selbstvertrauen mangelt es Lindenberg definitiv nicht. Frei nach dem Motto «Frechheit siegt!» überzeugt er den Musiker-Scout Mattheisen (Detlev Buck) von sich - und der Rest ist Geschichte.

Lindenberg! Mach dein Ding erzählt den Werdegang des Deutschrock-Wegbereiters Udo Lindenberg bis zu seinem grossen Durchbruch mit dem Hit «Alles klar auf der Andrea Doria». Regisseurin Hermine Huntgeburth vereint verschiedene Lebensereignisses des Ausnahmemusikers zwischen 1951 und 1973 mosaikartig zu einem unterhaltsamen und kurzweiligen Künstler-Biopic.

In einer Zeit, in der es verpönt war, deutsche Songs zu schreiben, die keine seichten und ewig-positiven Schlager waren, hat Udo Lindenberg das schier Unmögliche geschafft: Die deutschsprachige Rockmusik, die bisher ein Nischendasein fristete, wurde salonfähig. Das liegt natürlich auch daran, dass Lindenberg sich vehement geweigert hat, sich zu verbiegen, nur um dem Mainstream zu entsprechen.

Lindenberg! Mach dein Ding porträtiert auf gelungene Weise diesen eigenwilligen Charakter mit ganz klaren Vorstellungen und Plänen, ohne ihn je unsympathisch wirken zu lassen. Untermalt mit Lindenbergs bekanntesten Songs, erweckt der Film vor allem auch die Hamburger Reeperbahn der 1970er Jahre zum Leben. In St. Paulis berühmt-berüchtigtem Rotlichtmillieu, wo es von Drogen, Alkohol, Sex sowie schräger Vögel und skuriller Ereignisse wimmelt, findet Lindenberg immer mehr zu seiner eigenen Musik. Allerdings wirken besonders in diesen Szenen einige Dialoge zu gekünstelt und erinnern mehr an Songtexte als an authentische Gespräche.

Nichtsdestotrotz werden solche Ungereimtheiten vorwiegend durch die überzeugende schauspielerische Leistung der Darsteller wettgemacht. Insbesondere Jan Bülow verkörpert den Musiker auf eine Art und Weise, die weit entfernt ist von reiner Imitation und dadurch äusserst glaubwürdig wirkt. So wird sein Lindenberg trotz Ecken und Kanten sehr schnell zur Identifikationsfigur und Sympathieträger. Dieses intensive Spiel, Bülows frappante Ähnlichkeit zum jungen Udo Lindenberg sowie der Soundtrack mit Lindenbergs Hits machen aus Lindenberg! Mach dein Ding einen sehenswerten Film - und zwar nicht nur für Lindenberg-Fans.

/ sul