The King of Staten Island (2020)

The King of Staten Island (2020)

  1. ,
  2. 136 Minuten

Filmkritik: Voll verhängt

Big Daddy 2.0
Big Daddy 2.0 © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Der Mittzwanziger Scott (Pete Davidson) leidet noch immer darunter, dass sein Vater bei einem Feuerwehreinsatz ums Leben kam, als er selbst erst sieben Jahre alt war. Seither hat er nicht viel auf die Reihe gebracht und verbringt seine Tage am liebsten damit, mit seinen Freunden abzuhängen und viel Marihuana zu rauchen. Seine Schwester Claire (Maude Apatow) macht sich derweil bereit, um aufs College zu gehen und sorgt sich um ihren Bruder. Was soll nun mit Scott werden und wie lange wird Mutter Margie (Marisa Tomei) ihn noch bei sich behalten, bevor sie ihn aus dem Familienhaus schmeisst?

Möchtegern-Siebesiech
Möchtegern-Siebesiech © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Um letzteres sorgt sich auch Scott. Vor allem, als Margie den Feuerwehrmann Ray (Bill Burr) kennenlernt und mit ihm auf Dates geht. Scott zettelt einen Kleinkrieg mit Ray an und versucht so, den neuen Mann im Leben seiner Mutter wieder loszuwerden. Doch dies ist leichter gesagt als getan.

The King of Staten Island ist zwar abschnittsweise durchaus gmögig, doch wegen seiner Hauptfigur immer wieder frustrierend und ohne grosse Überraschungen. 136 Minuten sind definitiv zu lang für einen Film über einen verhängten Mittzwanziger, der langsam merkt, dass es Zeit ist, erwachsen zu werden. Andere Apatow-Filme wie Knocked Up oder Trainwreck waren ähnlich, hatten aber deutlich mehr Humor und Herz als diese auf dem Leben von Pete Davidson basierende Tragikomödie.

Schon mal was von Pete Davidson gehört? Wer diese Frage mit «nein» beantwortet, wird es bei The King of Staten Island schwer haben. Denn der Sehgenuss hängt sehr damit zusammen, wie gut man den Stand-up-Comedian aus dem New Yorker Stadtbezirk Staten Island kennt und vor allem mag. Dieser Film ist semiautobiographisch und orientiert sich häufig an dem nicht einfachen Leben des Mannes, dessen Vater als Feuerwehrmann arbeitete und bei den Terroranschlagen vom 11. September 2001 ums Leben kam.

Im Film kommt 9/11 übrigens nicht zur Sprache, der Vater von Protagonist Scott kam bei einem anderen Feuer ums Leben. Dies ist also nicht eine Geschichte über das Trauma, das die USA vor fast 20 Jahren erlitten, sondern eine um einen verhängten Jungen, der nicht erwachsen werden will. Leider ist Davidsons Figur nicht wirklich sympathisch, und Regisseur Judd Apatows Neigung zu viel zu langen Tragikomödien macht sich auch hier wieder bemerkbar - der Film hat eine stolze Laufzeit von 136 Minuten.

Eine Zeitlang macht The King of Staten Island aber durchaus Spass. Wie Scott mit seinen Freunden abhängt, bringt einige Lacher, wobei vieles auch am Set improvisiert wurde. Nur die Story will nicht wirklich in Bewegung kommen - vor allem dann nicht, wenn der Film auf die Dramaspur wechselt. Alles ist überaus vorhersehbar, und nach einer Weile würde man Scott am liebsten anschreien, dass er sich bei seinem Weg zur Besserung etwas beeilen möchte. Aber Scott ist ein ziemlicher Löli und lässt sich Zeit bei seiner Selbstfindung. Das ist im echten Leben zwar auch so, aber Apatow liefert nicht viele Gründe, warum man hier so lange mithoffen sollte.

Erst wenn man weiss, was Davidson in echt durchleben musste, findet man einen Zugang zu seiner Figur Scott. Nur das, was in The King of Staten Island zu sehen ist, gibt den Zuschauern jedoch wenig Anlass, über zwei Stunden mit Scott abzuhängen. Denn auch die Binsenweisheiten, die der Film parat hält, sind nicht sonderlich neu, und rein vom Filmischen her ist den Machern auch nicht wirklich viel eingefallen. So sind es letzten Endes die Nebenrollen, die einiges herausholen. Marisa Tomei als Mutter, Bill Burr als ihr Verehrer, Regisseur-Tochter Maude Apatow als Schwester und Bel Powley als Scotts Freundin geben dem Film jeweils einen Herzschlag. Schade spielt niemand von ihnen die Hauptrolle.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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