Into the Beat - Dein Herz tanzt (2020)

Into the Beat - Dein Herz tanzt (2020)

  1. 98 Minuten

Filmkritik: Tanz zwischen zwei Welten

Ballett ist alles...
Ballett ist alles... © Praesens Film

Für die 16-jährige Katya (Alexandra Pfeifer) ist der Weg schon vorgezeichnet: Titelrolle bei der Ballettaufführung - Stipendium an der New York Ballet Academy ergattern - in die Fussstapfen ihrer Eltern treten. Etwas anderes kann sie sich nicht vorstellen. Neben dem Ballett und ihrer Familie gibt es für sie nichts anderes. Doch dann verletzt sich ihr Vater Victor (Trystan Pütter), ein Ballettstar, während einer Aufführung. Und Katyas sorgfältig organisierte Welt, die bereits mit dem Tod der Mutter vor zwei Jahren aus den Fugen geraten ist, beginnt zu wanken. Eine banale Fahrradpanne bringt schliesslich ihre Emotionen zum Überlaufen.

...oder vielleicht doch nicht?
...oder vielleicht doch nicht? © Praesens Film

In diesem Moment der Verzweiflung trifft sie auf Feli (Ina Geraldine Guy), ein B-Girl, die ihre Hilfe anbietet und Katya kurzerhand ins «Battle-Land» mitnimmt. Die wummernden Beats und akrobatischen Tanzeinlagen im Studio sind das krasse Gegenteil von dem, was Katya bisher unter Tanzen verstanden hat. Sie fühlt sich überwältigt, aber zugleich auch angezogen - und dann ist da noch der B-Boy Marlon (Yalany Marschner). Plötzlich schleichen sich bei Katya Zweifel ein. Ist eine Karriere als Balletttänzerin wirklich das, was sie will?

Zwar wirken die Dialoge teilweise zu gekünstelt und es hapert stellenweise an der Logik. Doch ein mitreissender Sound, beeindruckende Dance-Moves und gute DarstellerInnen machen Into the Beat - Dein Herz tanzt zu einem unterhaltsamen, kurzweiligen Tanzfilm. Die Coming-of-Age-Story, die sich zwischen den Tanzeinlagen entwickelt, überzeugt und verdeutlicht Katyas inneren Kampf zwischen Pflichtgefühl und Selbstverwirklichung.

Sind wir mal ehrlich: Von Tanzfilmen wird kein Tiefgang erwartet. Entsprechend ist die Story in solchen Filmen auch eher dünn und die Figuren flach. In erster Linie geht es darum, die Tanzszenen durch vorhersehbare Handlungsstränge miteinander zu verknüpfen. Entsprechend bietet auch Into the Beat - Dein Herz tanzt nichts Weltbewegendes, was das Genre revolutionieren könnte. Dennoch hebt sich der Film von Genrevertretern wie Step Up ab, was vor allem der Hauptdarstellerin zu verdanken ist. Alexandra Pfeifer beweist in ihrer ersten Filmrolle, wie viel vom Innenleben einer Figur allein durch Haltung, Gestik und Mimik zum Ausdruck kommen kann. Die Dialoge überzeugen zwar nicht, doch in diesem Genre überrascht das kaum. Denn es fehlt einfach der Raum, damit sich tiefergehende Dialoge zwischen den Figuren entwickeln können.

So werden denn auch die Coming-of-Age-Story sowie Katyas innere Zerrissenheit weniger durch das Gesagte transportiert. Vielmehr sind es das non-verbale Spiel und der Ausdruck der Hauptdarstellerin, die eine Identifikation ermöglichen und die Schwierigkeit des Erwachsenwerdens verdeutlichen. Allgemein funktioniert der Film auf visueller Ebene überaus gut. Regisseur Stefan Westerwelle setzt die DarstellerInnen gekonnt in Szene und arbeitet bewusst mit Kontrasten, um die Unterschiede zwischen der Ballett- und der Hip-Hop-Welt zu verdeutlichen. So erklingen fette Hip-Hop-Beats während Katya klassisch tanzt und Hip-Hop-Moves werden mit klassischer Musik unterlegt.

Dass eine solche Synthese durchaus möglich ist, hat die Tanzgruppe Flying Steps in ihren Live-Shows bereits mehrfach erfolgreich unter Beweis gestellt. Westerwelle arbeitete für Into the Beat - Dein Herz tanzt eng mit den Mitgliedern der Gruppe zusammen, die sowohl die Choreografien beisteuerten als auch als Tänzer mitwirkten. Durch diese Zusammenarbeit ist ein mitreissender Film entstanden, dessen Tanzsequenzen beim Zuschauen direkt Lust aufs Tanzen machen.

Alles in allem bleibt Into the Beat - Dein Herz tanzt seinem Genre treu und mag daher nicht jedermanns Sache sein. Doch Fans von Tanzfilmen werden auf ihre Kosten kommen.

Sule Durmazkeser [sul]

Sule schreibt seit 2019 als Freelancerin für OutNow. Sie ist Hitchcock-Fan, liebt das Hollywoodkino der Sechziger- und Siebzigerjahre und hat eine Schwäche für paranormale Horrorfilme und düstere Thriller. Mit dem derben Humor vieler US-Komödien kann sie wenig anfangen.

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