I Am Not Okay with This - Staffel 1 (2020)

I Am Not Okay with This - Staffel 1 (2020 / Serie)

I Am Not Okay with This
  1. ,
  2. 30 Minuten

Serien-Review: Carrie's Diary

Netflix
Was zum Teufel ...?
Was zum Teufel ...? © Netflix

Die 16-jährige Sydney «Sid» Novak (Sophia Lillis) lebt ein langweiliges Aussenseiterleben in einem Kaff in Pennsylvania. Ihre einzigen Bezugspersonen sind ihre beste Freundin Dina (Sofia Bryant) und ihr kleiner Bruder Liam (Aidan Wojtak-Hissong), für den sie gewissermassen die Mutterrolle übernommen hat, da die Mutter (Kathleen Rose Perkins) ständig arbeiten muss. Sid ist frustriert, weil die Familie nie über den Vater spricht, der sich vor einem Jahr ohne Vorwarnung das Leben genommen hat.

Ups! War ich das etwa?!?
Ups! War ich das etwa?!? © Netflix

Als Dina mit dem Footballstarspieler Brad (Richard Ellis) zusammenkommt, gefällt das Sid gleich aus mehreren Gründen nicht. Sie beginnt daraufhin, mehr Zeit mit dem schrägen Stanley Barber (Wyatt Oleff) aus der Nachbarschaft zu verbringen, der ein bisschen mit Gras dealt und unbedingt mit ihr zum Homecoming Dance gehen will. Doch Sid hat ganz andere Probleme, scheint sie doch plötzlich seltsame Kräfte zu entwickeln, wenn sie emotional sehr aufgewühlt ist. Was ist bloss los mit ihr? Bildet sie sich das nur ein, oder hat sie vielleicht doch tatsächlich Superkräfte?

I Am Not Okay With This erfindet das Rad weder in Sachen Coming of Age noch bei Superkräften neu; in der Kombination sowie mit einem gehörigen Schuss Comedy weiss die Serie jedoch absolut zu unterhalten. Dank sympathischer Figuren und gut zusammenspielender Darsteller - allen voran Sophia Lillis und Wyatt Oleff, die seit It dicke Freunde sind - erhält das an und für sich bekannte Setting einen hipsterig-sympathischen Pepp. Auch dank der sehr kurzen Folgen und einer Welt, die in den sieben Episoden erst angedeutet wird, ist die schräge kleine Serie absolut einen Blick wert.

Schon vor etwa zehn Jahren hat sich Show-Runner, Autor und Regisseur Jonathan Entwistle in die selbst publizierten Comics von Charles Forsman verliebt. Nachdem er aus «The End of the F***ing World» bereits 2014 einen Kurzfilm gemacht hatte, folgte daraus eine über zwei Staffeln laufende Serie, die für den britischen Channel 4 produziert wurde, international aber auf Netflix zu sehen ist. Nun haucht Entwistle einem weiteren Forsman-Comic Leben ein, wofür er unter anderem die Unterstützung der Produzenten Dan Cohen und Dan Levine erhielt, die immerhin bei einer «kleinen» Serie namens Stranger Things mitmischen.

Für I Am Not Okay With This hatte Entwistle von Anfang an eine Vision: Er wollte Teen-Unterhaltung, etwa von John Hughes, mit der Superheldenthematik kombinieren, dabei aber nicht alleine Teenager als Zielgruppe ansprechen. Seinen ambitionierten Pitch «X-Men meets The Breakfast Club meets Lady Bird» konnte er dabei vielleicht nicht ganz umsetzen, dafür bleibt die übernatürliche Komponente noch etwas stark im Hintergrund und die Story hat allgemein noch etwas wenig Fleisch am Knochen. Das ist aber gar nicht mal schlimm, halten einen die kurzen, teils nicht einmal 20 Minuten langen Folgen doch durch sympathische Darsteller, gut ausgearbeitete Figuren und trockenen Humor bei der Stange.

Mit dem seltsam auf Retro getrimmten Look, der dem Ganzen einen hipsterig-nostalgien Touch verleiht, erhält die Geschichte zudem eine irgendwie zeitlose Komponente. Unterstrichen wird dies durch den hipsterig-kurrligen Soundtrack, der gleichermassen aus einem Mumblecore-Film stammen könnte. Freilich steht und fällt die Serie mit den Darstellern, und diese machen ihre Sache richtig gut. Sophia Lillis drückt ihre Wut, ihre Identitätssuche wie auch die aufkeimenden Gefühle für ihre beste Freundin eindrücklich aus. Highlight ist aber zweifellos Wyatt Oleff, der hier nach It erneut einen Stan spielt und mit seiner selbstbewusst-schrägen Art für einige Lacher sorgt, aber irgendwie auch das Herz der Geschichte ausmacht.

Keine Frage: I Am Not Okay With This ist kein Jahrhundert-TV-Event, und vieles wurde erst angedeutet und für eine allfällige zweite Staffel aufgespart. Die kleinen, feinen, teils auch peinlichen Nuancen des Erwachsenwerdens - freilich mit übernatürlichem Bonus - setzt die kurze Staffel jedoch sehr schön um. Übrigens: Wer The End of the F***ing World kennt, kann eventuell sogar ein paar Easter Eggs entdecken.

/ pps