I Am Greta (2020)

I Am Greta (2020)

  1. 97 Minuten

Filmkritik: Die Greta lacht

77. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2020
Greta-Bild mit Gruppe oder Gruppenbild mit Greta?
Greta-Bild mit Gruppe oder Gruppenbild mit Greta? © Studio / Produzent

Im Sommer 2018 setzt sich die damals 15-jährige Greta Thunberg vor das schwedische Parlament mit einer handgeschriebenen Tafel auf der "Skolstrejk för klimatet" stand. Immer freitags schwänzt sie die Schule als ein stiller und doch wütender Protest für härtere Massnahmen gegen den Klimawandel. Erste Passanten nehmen sie wahr und gesellen sich teils dazu.

Als Thunberg bei der UN-Klimakonferenz in Katowice im Dezember desselben Jahres den Delegierten ins Gewissen redet, wird aus der Einzelaktion eine globale Bewegung. Unter dem Namen "Fridays for Future" streiken Schülerinnen und Schüler auf allen Kontinenten. Greta Thunberg wird zur Aktivistin, die von Politikern hofiert wird. Zusammen mit ihrem Vater reist sie fortan umher. Den Weg zu einer UN-Konferenz in New York legt sie aus Umweltschutzgründen sogar per Segelschiff zurück.

Der Schwede Nathan Grossman, der eher zufällig im bisherigen Leben der Aktivisten-Ikone Greta Thunberg mit der Kamera zugegen sein konnte, zeichnet die wichtigsten Stationen ihres Weges zum Weltruhm auf, ohne den Blick auf den privaten, mit dem Asperger-Syndrom beschäftigten Teenager zu vergessen. Szenen, in denen Greta tanzt oder sogar lacht, werden den Greta-Hype weiter anfeuern. Worum es ihr aber eigentlich geht, strengere Klimaschutzmassnahmen, erklärt I am Greta nicht.

Es gab schon mal eine weltberühmte Schwedin namens Greta. Zu Stummfilmzeiten - und ein wenig darüber hinaus - war Greta Garbo ein Star. Sie wurde als geheimnisumwittert und unnahbar vermarktet von den Filmstudios. Immer mit ernster Miene, bis auf den einen Billy-Wilder-Film Ninotschka, der mit dem Slogan "Die Garbo lacht" beworben wurde.

Auch Greta Thunberg ist bekannt für ihren säuerlichen Gesichtsausdruck. Sie lachen zu hören, ist eine der grossen Überraschungen des Dokfilms I am Greta. Es sind schrille Gluckslaute. Fast meint man, sie kriege keine Luft. Es passiert bei Video-Chatten mit der Mutter. Einer der vielen privaten Momente, die Regisseur Nathan Grossman mit seiner Kamera einfangen konnte.

Grossman hatte Glück. Eher zufällig war er schon 2018 dabei, als Thunberg erstmals in der Strasse vor dem schwedischen Parlament streikte. Er bekam einen Tipp von Freunden der Familie Thunberg. Greta erlaubte ihm, ein Mikro anzustecken. Und was eine kurze Reportage werden sollte, wurde zwei Jahre später zum Festivalfilm ausser Konkurrenz in Venedig, der in den USA vom Streamingdienst Hulu verbreitet wird.

I am Greta ist ein Film für Fans. Ein Home-Movie-Biopic, das ganz nah an den berühmtesten Teenager der Welt herankommt. Wie Greta (und ihr omnipräsenter Papa) staunt man über ihren wachsenden Einfluss. Die Doku klammert aber auch die Anfeindungen der Mächtigen und andere Schattenseiten des Aktivisten-Daseins nicht aus. Nur über den Klimawandel selber erfährt man gar nichts. Was dem Globus droht, wenn wir so weitermachen wie bisher? Darüber muss man sich anderweitig schlau machen.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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Trailer Englisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 02:38