The Hunt (2020)

The Hunt (2020)

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  2. 89 Minuten

Filmkritik: This is America

«You're gonna need a bigger gun!»
«You're gonna need a bigger gun!» © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Crystal (Betty Gilpin) erwacht geknebelt zusammen mit elf anderen Menschen (u. a. Emma Roberts, Ike Barinholtz, Ethan Suplee und Justin Hartley) auf einer Waldlichtung, ohne zu wissen, wie und warum sie dort gelandet ist. Die bunt zusammengewürfelte Gruppe Amerikaner entdeckt eine grosse Holzkiste. Nachdem einer von ihnen sie geöffnet hat, spaziert ein bekleidetes Schweinchen heraus. Zudem finden sie darin ein ganzes Arsenal an Waffen und die Schlüssel für die Knebel. Gegenseitig befreien sie sich und rüsten sich mit Waffen aus. Auf einmal eröffnet jemand aus der Ferne das Feuer.

«Who said I was hunted?»
«Who said I was hunted?» © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Den Entführten wird schlagartig bewusst, dass sie auf einem Schlachtfeld gelandet sind. Sie sind die Auserwählten in einem perfiden Spiel. Ein Trupp elitärer Sadisten hat es auf die simpel gestrickten Amis abgesehen und macht von nun an Jagd auf sie. Doch die reichen Veranstalter haben nicht bedacht, dass sich auch das einfache Volk anständig zur Wehr setzen kann. Vor allem Crystal lässt sich nicht so einfach aus dem Verkehr ziehen. Sie macht sich auf, die Hintergründe ihrer Entführung und der Menschenjagd selbst aufzudecken.

Das Drehbuch-Autorenduo Damon Lindelof/Nick Cuse (Watchmen) trifft mit seinen absurd-witzigen Dialogen ins Schwarze. Betty Gilpin ist das zentrale Element dieser satirischen Menschenjagd und legt mit ihrer Performance den Grundstein für das blutige Vergnügen. The Hunt ist kein Anti-Trump-Film und stellt sich auch auf keine politische Seite, sondern feiert es gleichermassen, liberale Weltverbesserer wie konservative Klimawandel-Leugner vor den Kopf zu stossen. Dies macht tierisch Laune und zeigt auf schwarzhumorige Art, dass der politische Graben für das ganze Land problematisch ist.

Ursprünglich hätte The Hunt von Craig Zobel, der unter anderem den packenden Thriller Compliance und eine Westworld-Folge inszeniert hat, bereits Ende September letzten Jahres in die US-Kinos kommen sollen. Nach Amokläufen in den Vereinigten Staaten und einer von republikanischer Seite gestarteten Kampagne gegen den Film hat Universal den Kinostart ausgesetzt. Im März 2020 hat es die polarisierende Satire dann doch noch in die Lichtspielhäuser der USA geschafft. Der im Mai geplante Schweizer Kinostart wurde wegen der Coronavirus-Krise gestrichen, doch nun erscheint der meistdiskutierte Film 2019 endlich für das Heimkino.

The Hunt punktet vor allem mit seinem Humor und ist eine Horrorkomödie, wie man sie nur selten zu sehen bekommt: Blutig, unterhaltsam und für einmal auch äusserst clever geschrieben. Was Horrorfilme betrifft, ist man da von Blumhouse Productions auch anderes gewohnt. Der lose auf Richard Connells Kurzgeschichte «Das grausamste Spiel» aus dem Jahr 1924 basierende Film, in der Reiche einfach gestrickte Menschen jagen, und auf überspitzte Art und Weise den Graben zwischen den beiden politischen Lager der Vereinigten Staaten thematisiert, ist mehr als platte Provokation. Man kann den Machern in ihrer übertriebenen Darstellung von Links und Rechts zwar eine gewisse Oberflächlichkeit vorwerfen, doch Unrecht haben sie mit dem Gezeigten nicht. Und lustig sind die Jokes und Seitenhiebe gegen das Verhältnis zwischen liberaler und konservativer US-amerikanischer Politik, gegen Verschwörungstheoretiker und Verfechter der Political Correctness allemal.

Als Splatter ist The Hunt grundsätzlich nichts Besonderes, dennoch sind die Kills einfallsreich in Szene gesetzt und erwartungsgemäss blutig. Herauszustechen vermag Betty Gilpin als weiblicher Rambo. Die Powerfrau aus GLOW hatte sichtlich Spass an ihrer Rolle und steckt den Zuschauer damit richtiggehend an. Während die anderen Figuren beider Seiten absichtlich als von Klischees triefende Karikaturen dargestellt werden, bleibt sie apolitisch und sorgt dafür mit ihren teils schrägen Gesichtsausdrücken und schnörkellosen Sprüchen für viele zusätzliche Lacher. Auch wenn Zobel das hohe Tempo der ersten Hälfte nicht bis zum Schluss durchziehen kann, bietet The Hunt erfrischende Unterhaltung für Splatter- und Comedyfans und trumpft am Ende mit einen Final-Girls-Moment mit Kultpotential auf.

/ yan

Kommentare Total: 4

pradox

erschreckend gut

muri

Gelungen, unterhaltend (sofern man das so sagen kann) und intensiv. Hat mir besser gefallen als erwartet.

Guinness

Ach du Scheisse... Was für ein geiler, vor Schwarzem Humor und Blut nur so triefender Kracher. Böser und Durchgeknallter war lange kein Film mehr.
Aber Vorsichtig! Nichts für Schwache Gemüter.

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