Die Hochzeit (2020)

Die Hochzeit (2020)

  1. 119 Minuten

Filmkritik: Der Tote mit dem Riesending

Jöö, so läss!
Jöö, so läss! © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Der einst notorische Fremdgänger Thomas (Til Schweiger) scheint die Frau seines Lebens gefunden zu haben. Dummerweise floppte aber sein aktuelles Musikalbum, weshalb die Beiden ihre anstehende Hochzeit nicht problemlos angehen können. Thomas' beste Kumpels Nils (Samuel Finzi) und Andreas (Milan Peschel) tragen ebenfalls zur Ungemütlichkeit bei: Beim einen ist die Ehe im Arsch und der andere wurde von seiner Gattin betrogen. So trifft sich das Trio zum Bowlen, worauf einen ihrer Kollegen (derjenige, der Nils Gattin gerumpelt hatte) auf dem Klo der Sekundentod trifft. Somit steht für unsere Herren vor Thomas' Hochzeit noch eine Beerdigung an.

Die ratlose Reisegruppe
Die ratlose Reisegruppe © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Die findet weit vom Ort der Trauung entfernt statt. Als Begleitung schnappt sich Thomas' Stieftochter Lilli (Lilli Schweiger) einen Platz im Wagen, sodass die Gruppe nun zu viert den Roadtrip startet. Thomas hat versprochen, rechtzeitig zur Hochzeitszeremonie zurück zu sein, also ist er darauf angewiesen, dass alles reibungslos abläuft. Doch bei der Beerdigung geht schon alles drunter und drüber und das grosse Hochzeitsfest driftet ins totale Chaos ab.

Wer die Schweiger-Filme mag, der wird auch bei Die Hochzeit auf seine Kosten kommen. Allerdings ist der Witzfaktor gering, die Romantik wird mit dem Holzhammer traktiert und die musikalische Untermalung dringt permanent durch. Somit wurde aus Die Hochzeit keine richtige Komödie, sondern eine halbgare und mit zunehmender Filmdauer immer langweiligere Angelegenheit, die ihren anfänglichen Schwung ziemlich schnell verpuffen lässt.

Klassefesten heisst der dänische Film von 2011, der zwei Fortsetzungen mit sich brachte und auf den sich Regisseur/Schauspieler/Produzent Til Schweiger mit seinem letztjährigen Klassentreffen 1.0 - Die unglaubliche Reise der Silberrücken bezog. Wie in seiner Vorlage kriegen wir auch von dieser deutschen Produktion eine Fortsetzung zu sehen, die unter dem Titel Die Hochzeit ein weiteres Mal 120 Minuten typisch Schweiger'sche Filmart präsentiert. Untermalt von allerlei bekannten Songs, die dieses Mal eher im Schlagerbereich angesiedelt sind, gelingt dem Allesmacher dabei aber nur eine klitzekleine Verbesserung zum Vorgänger.

Nackte Väter, andauernde Schwellungen im Intimbereich, grosse Verwechslungen und hilfloses Getue beim Speed-Dating kriegen wir zu sehen und weise Sprüche wie «Männer kommen und gehen, aber Freundinnen bleiben fürs Leben» um die Ohren geschlagen. Und drumherum liefert Schweiger eine Story, die simpel und unaufgeregt vorankommt. Die drei «Helden» haben noch immer ihre Macken, ziehen sich aber vermehrt zurück, um über das Leben (und die Liebe) zu sinnieren, während Schweiger-Töchterchen Lilli sich mit vollgequatschten Comboxen und einem störrischen Verehrer («Lenny ist ein Arschloch!») rumschlagen muss.

Klar, Die Hochzeit hat gute Momente, die zum Schmunzeln einladen. Leider sind die so selten, dass man schon nach kurzer Zeit einen Blick auf die Uhr riskiert, um dann zu merken, dass zwei Stunden im Kino auch recht lang sein können. Immerhin drängt sich Til Schweiger nicht penetrant in den Vordergrund, sondern überlässt die guten Szenen seinen Buddies. Das nützen Peschel und Finzi aus, um ihren Figuren etwas mehr Fleisch zu verleihen und «Seich zu machen». Da kann der Til meist nur kopfschüttelnd daneben stehen und staunen.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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Trailer Deutsch, 02:31