Hitman: Agent Jun (2020)

Hitman: Agent Jun (2020)

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  2. 110 Minuten

Filmkritik: Er ist gezeichnet!

NIFFF 2020
Eine Pistolonaise!
Eine Pistolonaise! © NIFFF

Jun (Kwon Sang-woo) hat als Kind den Traum, Comiczeichner zu werden. Seine Eltern kamen bei einem Autounfall ums Leben, seither lebt er in einem Waisenhaus. Da fällt er durch seine Kampfbereitschaft immer wieder negativ auf, bis er von einem Scout einer streng geheimen koreanischen Elite-Einheit entdeckt und rekrutiert wird. In dieser Schule wird er zum Killer für den südkoreanischen Staat ausgebildet, die Aussenwelt weiss nichts davon. Bei einer Mission täuscht er seinen Tod vor, um endlich seinem Kindheitstraum nachgehen zu können.

Dieser Kindheitstraum entpuppt sich als wenig lukratives Geschäft. Sein Webcomic erntet lediglich Spott und Hohn in den Kommentarspalten, seine Frau beschimpft ihn als faulen Nichtsnutz und seine Tochter hat keinen Respekt vor ihm. Als sein Webcomic dann auch noch abgesetzt wird, wird ihm alles zu viel. Er betrinkt sich und veröffentlicht unbeabsichtigt einen neuen Comic: seine Herkunftsgeschichte in der Elite-Einheit. Dieser wird im Internet zwar gefeiert, macht aber auch ungemütliche Zeitgenossen auf ihn und die Existenz der Einheit aufmerksam.

Hitman: Agent Jun vermischt Actionkomödie mit Animationsfilm und überzeugt damit total - in der ersten Stunde. Danach verliert er sich mit mehreren Bait-and-Switches, drängt die Animationsteile in den Hintergrund und verliert die Balance zwischen Komödie und Drama mehrfach. Bis dahin unterhält der Film aber mit witzigen, überzeichneten Figuren und einer coolen Inszenierung. So ist Hitman: Agent Jun kein Kulthit, sondern nur passable Unterhaltung.

Wie inszeniert man die Geschichte eines Comiczeichners mit Agenten-Hintergrund? Richtig, als Live-Action-Animations-Hybrid. Diese Mischung ist nicht nur visuell ansprechend, sondern dient auch der Geschichte. So ist Choi Won-subs Regiedebüt vor allem in der ersten Hälfte clever umgesetzt - und verliert sich gegen Ende immer mehr.

Denn die erste Stunde von Hitman: Agent Jun macht richtig Spass. Jun ist ein sympathischer Protagonist, der einem richtig leid tun kann, wenn er wieder von seinem Verleger ausgelacht oder zusammengestaucht wird. Dieser Verleger hat leider nur wenige Auftritte, ist aber locker die lustigste Figur im Film. Er ist, wie ziemlich alle anderen Figuren, ein totaler Cartoon. Apropos Cartoon: In der ersten Hälfte kommen auch die Comic-Elemente besser zum Zug und sind ein cleverer Weg, wie Juns Hintergrundgeschichte erzählt werden kann. Der Artstyle ist richtig stark und bietet einige coole Übergänge. Dazu kommt der total überzeichnete Schurke mit seinen langen schwarzen Haaren, einem brandvernarbten Gesicht und endlos cooler Sonnenbrille.

Die Actionsequenzen sind dann aber von Anfang an keine Augenweide. Dafür sind sie viel zu hektisch und inkohärent geschnitten. Schade, denn in einige Einstellungen sieht man, dass eigentlich Können der Schauspieler vorhanden wäre. Da hat sich der Cutter wohl etwas verloren. Und je länger der Film geht, desto mehr verliert dieser sich. Der Plot bleibt zwar relativ spannend, wird aber nicht befriedigend umgesetzt. Zu viele Bait-and-Switches («Haha! Ich lebe doch noch!») sowie seltsame und überlange Zeitlupeneinsätze ziehen das letzte Drittel unnötig in die Länge.

In diesem Abschnitt gelingt auch die Balance zwischen Komödie und Drama am wenigsten. Nach einem dramatischen Ableben einer Figuren wird zum feigen Einsatzleiter geschnitten, der sich totstellt. Solche schnellen Wechsel passieren hier dann doch zu oft. Hätte man sich zu Beginn etwas mehr Zeit gelassen und dafür gegen Ende etwas gestrichen sowie mehr mit den Comic-Elementen gearbeitet, hätte Hitman: Agent Jun Kultpotenzial gehabt. So ist er halt nur passable Unterhaltung.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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