His House (2020)

His House (2020)

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  2. 93 Minuten

Filmkritik: Im Dunkeln ist nicht gut schunkeln

Netflix
«Was denn? Wir waren ganz brav.»
«Was denn? Wir waren ganz brav.» © Aidan Monaghan/NETFLIX

Bol (Sope Dirisu) und seine Frau Rial (Wunmi Mosaku) sind via Mittelmeer aus Afrika geflüchtet, ihre Tochter Nyagak ist unterwegs gestorben. Nach einem Jahr Gefängnis werden die beiden auf Bewährung in die Zivilisation entlassen. Ihnen wird vom Staat in einer völlig verwahrlosten Gegend ein sehr grosses Haus zugewiesen. Als sie ihr neues Heim zum ersten Mal betreten, fällt die Tür aus den Angeln. Ausserdem stinkt es und überall liegen vergammelte Essensresten herum. Auch das Licht funktioniert nicht. Trotzdem sind die beiden glücklich.

Was ist denn hier los?
Was ist denn hier los? © Aidan Monaghan/NETFLIX

Doch schon nach kurzer Zeit passieren unheimliche Dinge. Aus dem Nichts funktioniert das Licht plötzlich doch, lässt sich aber nicht mehr ausschalten. Vor allem Bol sieht Dinge, die so eigentlich nicht sein dürften; die Wände scheinen mit ihm zu sprechen. Spukt es hier, oder bildet er sich das nur ein?

His House ist ein Horrorfilm der besonderen Art. Er verknüpft eine teils surreale Handlung mit einem aktuellen Thema, der Flüchtlingsproblematik. Das ganze ist von Regisseur Remi Weekes toll und vor allem sehr unheimlich inszeniert. Was zudem die beiden Hauptdarsteller Wunmi Mosaku und Sope Dirisu aufs Tapet bringen, ist erstklassig.

Regisseur Remi Weekes gelingt mit His House ein äusserst unheimliches Erstlingswerk. Er verknüpft ein sozialkritisches Thema mit grandiosem Horror, der einem teilweise kaum mehr Zeit zum atmen lässt. Wenn auch der Horror immer leicht die Oberhand behält, wird auch immer die Ausweglosigkeit der beiden Flüchtlinge gezeigt.

Der Film lässt kaum Zeit zu atmen. Nach nicht einmal einer Viertelstunde lässt er innerhalb weniger Minuten etliche Jump-Scares in einen regelrechten Jump-Scare-Marathon ausarten, sodass sich der Zuschauer unter Umständen die Frage stellt, ob er die restlichen 75 Minuten dieses eineinhalbstündigen Horrorfilms wirklich weiterhin im Dunkeln verbringen möchte.

Die tolle Kameraarbeit von Jo Willems, die den Horror perfekt ins Wohnzimmer transportiert, muss besonders hervorgehoben werden. Herausragend sind auch die beiden Hauptdarsteller Wunmi Mosaku (Rial) und Sope Dirisu (Bol). Nur schon deren Gesichtsausdrücke sind sehr furchteinflössend. Sope Dirisu dürfte vor allem der Fan-Gemeinde der Serie «Gangs of London» ein Begriff sein. Auch die Nebendarsteller sind grandios. Vor allem die Freundinnen von Rial sind allesamt sehr unheimlich.

Die erste Stunde, die stark an eine Mischung zwischen The Conjuring und The Shining erinnert, war etwas vom Besten im Bereich Horror der letzten Jahren. In der letzten halben Stunde verliert der Film ein klein wenig an Bedrohlichkeit. Trotzdem kann es gut sein, dass man nach diesem äussert unheimlichen Horrorfilm nicht mehr im Dunkeln schlafen möchte.

Christoph Reiser [chr]

Christoph arbeitet seit 2020 als Freelancer für OutNow. Er weiss, dass man Animationsfilme nicht hassen darf, dafür liebt er Sergio-Leone-Western. Der Besuch eines Filmfestivals ist zuoberst auf seiner Bucket-List, naja fast. Und er mag kein Popcorn im Kino, denn er steht auf Chips.

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Kommentare Total: 2

sma

Realer Horror mit den Geistern der Vergangenheit. Mehr als nur ein Spukhaus. Ein Kampf für einen Neuanfang und die Frage nach der Aufgabe der eigenen Kultur.

chr

Filmkritik: Im Dunkeln ist nicht gut schunkeln

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