The High Note (2020)

The High Note (2020)

L.A. Love Songs - Der Sound meines Lebens
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Filmkritik: Seelenloser Soul

Da wird man ja gelb vor Neid.
Da wird man ja gelb vor Neid. © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Maggie Sherwoode (Dakota Johnson) ist die überarbeitete Assistentin der grossen Soul-Diva Grace Davis (Tracee Ellis Ross). Ihre Aufgabe ist es, sich um die Bedürfnisse von Grace zu kümmern und dafür zu sorgen, dass die Künstlerin immer bester Laune ist. Keine leichte Aufgabe, denn Grace macht der Bezeichnung «Diva» alle Ehre und geht kaum auf die Wünsche ihrer Assistentin ein.

Bitch please
Bitch please © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Doch Maggie macht das kaum was aus. Ihr grosser Traum ist es, einmal eine erfolgreiche Musikproduzentin zu werden, und dafür nimmt sie den Stress gerne in Kauf. Tagein, tagaus steht sie ihrer launischen Chefin zur Verfügung und vernachlässigt dabei ihr eigenes Leben. Eines Tages wird Grace von ihrem Manager (Ice Cube) vor eine unschöne Wahl gestellt, die ihre Karriere beeinflussen würde. Für Maggie geht dabei ein Türchen auf, das sie bisher nicht für möglich hielt. Doch als sie den talentierten Musiker David (Kelvin Harrison Jr.) kennenlernt und sich mit ihm anfreundet, hat sie plötzlich ein Problem mit ihrem Zeitmanagement.

The High Note von Nisha Ganatra (Late Night) ist ein braves, angenehm romantisches Märchen aus dem Musikbusiness mit überzeugenden Schauspielleistungen. Das oberflächliche und humorlose Drehbuch mit formelhaften Figuren und ihren First-World-Problems, die wenig eingängigen Songs und der schreckliche Twist am Ende trüben das versprühte Gute-Laune-Feeling aber erheblich und lassen die Musikkomödie im Durchschnitt hängen.

Regisseurin Nisha Ganatra hat 2019 mit Late Night einen Achtungserfolg gefeiert. Die überzeichnete Komödie über das glänzende Showbusiness kam bei vielen Kritikern sehr gut an. Von der Late-Night-Welt wechselt Ganatra nun in ihrem neusten Film The High Note in die Musikbranche von Los Angeles. Wie schon im Vorgängerwerk handelt es sich auch hierbei um ein Business, das von Männern dominiert wird. Mit Fifty Shades of Grey-Nackedei Dakota Johnson und Tracee Ellis Ross (Black-ish), der Tochter von Soul-Legende Diana Ross, hat Ganatra zwei Powerfrauen verpflichtet, die der Männerwelt gehörig Feuer unter dem Hintern machen sollten. Leider kommt dieser Aspekt zu kurz. The High Note ist «nur» ein angenehmes Karrieremärchen mit romantischem Flair der Marke Hollywood geworden. Ein ernstzunehmender, vielleicht auch kritischer Einblick in die Branche blieb dabei leider auf der Strecke.

Für einen Musikfilm hat The High Note eindeutig zu wenig Schwung. Tracee Ellis Ross hat zwar eine gewaltige Stimme, die komponierten Pop- und Soul-Stücke haben aber kaum Ohrwurmcharakter und klingen sich oft zu ähnlich. Dafür macht Ross dem Image einer exzentrischen Soul-Diva alle Ehre und strapaziert mit ihren formelhaften Starallüren die Nerven der Zuschauer. Ob gewollt oder nicht, etwas weniger Diva und etwas mehr Soul, wäre wünschenswert gewesen. Auch Kelvin Harrison Jr., dem Riesentalent aus dem in der Schweiz noch nicht erschienenen Meisterwerk Waves, hat gesanglich einiges auf dem Kasten, doch auch bei seinen Songs kommen die gleichen Schwierigkeiten zum Vorschein.

Dakota Johnson als eifrige Assistentin mit dem Traum eine Karriere als Musikproduzentin zu starten, zeigt sich ausdrucksstark. Ihre Figur ist zwar sympathisch, aber in jeder Hinsicht zu ruhig und anständig, was in gewissen Situationen schlicht unnatürlich wirkt. Schuld daran trägt aber nicht die Schauspielerin, sondern das glatt-gebügelte Drehbuch von Debütantin Flora Greeson, das den Figuren keinerlei Spielraum für eine nennenswerte Entwicklung zulässt. Stattdessen beschäftigt sich The High Note vor allem mit Alltagsproblemen eines gealterten Stars und die einer ehrgeizigen, aber nicht ganz ehrlichen Frau mit grossen Ambitionen, nur um dann am Ende dem Zuschauer das unverdiente und überaus konstruierte Happy End mit obligatem Twist zu bescheren. Die wenigen wirklich guten Ansätze, wie den thematisierten Konflikt zwischen Kunst und Kommerz enden im Nirgendwo und werden mit dem zahmen Rom-Com-Finale überspielt.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

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