Happiest Season (2020)

Happiest Season (2020)

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  3. 102 Minuten

Filmkritik: Wo ist John McClane, wenn man ihn braucht?

2. OutNow Film Festival 2021
Bitches be crazy, right?
Bitches be crazy, right? © Hulu

Abby (Kristen Stewart) und Harper (Mackenzie Davis) sind glücklich verliebt und es könnte nicht besser zwischen ihnen laufen. An einem romantischen Abend voller Vorweihnachtsfreude fragt Harper, ob Abby mit ihrer Familie die Weihnachtstage verbringen möchte. Abby, durch diese Geste darin bestätigt, dass Harper die Richtige ist, plant bei dieser Gelegenheit deren Vater, Ted (Victor Garber) um die Hand seiner Tochter zu bitten.

Lueg mal, han ich viel Schuppe? - Hihihi nei, aber en riesige Asatz. Wäh!
Lueg mal, han ich viel Schuppe? - Hihihi nei, aber en riesige Asatz. Wäh! © Hulu

Kurz bevor das Paar im Elternhaus ankommt, gesteht Harper, dass ihre Familie keine Ahnung davon hat, dass sie homosexuell ist. Da Ted gerade in einer Wahlkampagne als Bürgermeister steckt, darf sich die Familie keinen Skandal leisten, weshalb die Beziehung über die Festtage weiterhin geheim bleiben soll. Und so spielt Abby die platonische (und heterosexuelle) Mitbewohnerin. Was am Anfang noch romantisch ist, wird zunehmend eine starke Belastungsprobe für das junge Paar. Mit jedem Tag offenbart sich eine ganz andere Harper, und Abby beginnt sich zu fragen, ob das immer noch die Frau ist, die sie heiraten möchte...

Happiest Season ist ein eher langweiliger Weihnachtsfilm, der trotz einigem Potenzial in der Handlung kaum Humor aufweist. Viel zu verbissen versucht der Film ernste Themen auf absurd-komische Weise anzusprechen. Dabei hinterlässt er jedoch mit seinen vielen passiv-aggressiven Dialogen ein eher «unfestliches» Gefühl.

Amerikanische «Christmas RomComs» gibt es ja wie Sand am Meer. Clea DuVall (war als Schauspielerin unter anderem bei The Faculty dabei) schuf mit Happiest Season ein weiteres 0815-Sandkorn. Die Genrebezeichnung «Comedy, Drama, Romance» ist dabei etwas gar weit hergeholt. Zum Lachen gibt es in den 102 Minuten nämlich nicht wirklich viel, und die Romantik bleibt in der passiv-aggressiven Stimmung völlig auf der Strecke. Die Grundhandlung des lesbischen Paars, das über die Feiertage zwei platonische und heterosexuelle Mitbewohnerinnen spielen muss, damit die konservative Familie während einer Wahlkampagne nicht in einen Skandal verwickelt wird, hätte so viel Potenzial für eine sozialkritische Satire werden können. Leider bleibt es eine klischeegeladene, vorhersehbare Ami-Rom(-Com).

Gerade der Comedy-Aspekt hätte bei dieser Geschichte gut ausgeschöpft werden können. Nur schon John, der beste Freund von Abby, gespielt von Dan Levy (Schitt's Creek), hätte den Film etwas aufgelockert. Ihm gelingt es immerhin, in diese passiv-aggressive Atmosphäre etwas Humor reinzubringen. In Anbetracht der Thematik wirkt dieser Charakter aber leider völlig deplatziert. Happiest Season zeigt ja eigentlich, mit was für Konflikten Homosexuelle immer noch zu kämpfen haben. Dass dann ausgerechnet die einzige Figur, die das Ganze etwas auflockert, ein klischeehaft übertrieben gespielter schwuler bester Freund der Protagonistin ist, macht den kritischen Hintergrund komplett zunichte.

Abgesehen von der dürftigen Haupthandlung bieten auch die Nebenhandlungen und auch die schauspielerischen Leistungen des Casts keinen Platz für Komplimente. Kristen Stewart zeigt einmal mehr ihre in der Twilight-Reihe perfektionierte einseitige Mimik (ich sage nur Mouthbreather). Victor Garber (Titanic, Alias) wirkt völlig fehl am Platz. Abgesehen von Abby, mit der man einfach nur Mitleid hat, und John, der immerhin für die zwei oder drei Lacher sorgt, sind alle Charaktere sehr unsympathisch und fies. Aber hey, im Abspann gibt's dann nette und LGBTQ-befürwortende Instaposts, also ist ja alles wieder gut *augenroll*.

Diana Rolny [dro]

Diana arbeitet seit 2013 als Freelancerin bei OutNow. Sie liebt Dokumentationen wie «The Life of Brian» und Wanderfilme aus Mittelerde. Zu schwarzhumorigen Komödien geniesst sie gerne einen Martini Dry, bei Sci-Fi einen Pangalactic Gargleblaster und bei sinnfreien Kunstfilmen einen Molotowcocktail.

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Kommentare Total: 2

ebe

Gute Romcoms zeichnen sich ja normalerweise dadurch aus, dass man mit den Protagonist*innen mitfiebert und hofft, dass sie am Schluss zusammenkommen. Bei dieser habe ich hingegen inbrünstig gehofft, dass sie endlich auseinandergehen. Irgendetwas ist da falsch gelaufen.

dro

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