The Grudge (2020)

The Grudge (2020)

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  3. 93 Minuten

Filmkritik: Da helfen auch keine Ghostbusters mehr

Also, mit einem Anti-Schuppen-Shampoo wäre das nie passiert.
Also, mit einem Anti-Schuppen-Shampoo wäre das nie passiert. © Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH

Nach dem Krebs-Tod ihres Ehemanns zieht Detective Muldoon (Andrea Riseborough) mit ihrem Sohn Burke (John J. Hansen) in eine neue Stadt und heuert dort beim örtlichen Polizeiposten an. Dort erhält sie den ebenfalls vom Schicksal gezeichneten Goodman (Demián Bichir) als Partner zur Seite gestellt. Ihr erster gemeinsamer Fall führt das Duo zu einem Waldstück, wo ein Auto in einen Baum gefahren ist. Die sich darin befindende Leiche ist furchtbar entstellt und erinnert Goodman an einen Fall, welcher ihn heute noch verfolgt.

Das Bad war dringend nötig.
Das Bad war dringend nötig. © Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH

Um was es bei den damaligen Ermittlungen genau ging, will er seiner neuen Kollegin jedoch nicht mitteilen. So beginnt Muldoon auf eigene Faust zu ermitteln und steht schon sehr bald vor einem Haus, in dem vor zwei Jahren grausame Morde passiert sind. Als Muldoon das Haus betritt, hat dies jedoch furchtbare Folgen. Fortan scheint sie von etwas verfolgt zu werden, was sich nicht abschütteln lässt.

Der von den Bildern her recht heftige Horrorfilm The Grudge besitzt einiges an Verstörungs-Potential. Leider ist die Story mit vier unterschiedlichen Zeitebenen unnötig kompliziert erzählt, und so kommt der Erzählfluss immer wieder zum Erliegen. Kommt hier also für Blut und Gore, aber bloss nicht für eine packende Geschichte.

Totgesagte leben länger - im Horror-Genre sowieso. Nachdem die japanische Horror-Reihe Ju-on und die amerikanische Remake-Franchise The Grudge eigentlich abgeschlossen schienen, hat Produzent Sam Raimi (Evil Dead) den Defibrillator hervorgeholt und nachgesehen, ob vielleicht doch noch etwas Leben in der Geister-Geschichte steckt. Offensichtlich hat er einen Puls entdeckt und dem Horror-Shooting-Star Nicolas Pesce die Regie sowie das Skript beim neusten Film anvertraut. Es handelt sich dabei nicht um einen Reboot, sondern das Ganze existiert im selben Universum wie die Filme mit Sarah Michelle Gellar. Gesehen haben muss man die Vorgänger jedoch nicht. Alles, was man wissen muss, wird während der Laufzeit mehrfach erläutert. Pesce bringt hier einige sehr unheimliche und unangenehme Bilder auf die Leinwand, doch sein Drehbuch erinnert leider mehr an ein Kind, welches nicht aufhören kann/will, nach dem "Wieso?" zu fragen - und Pesce gibt dabei immer geduldig eine Antwort, anstatt das Kind selber mal hirnen zu lassen.

Denn erzählt wird The Grudge auf vier unterschiedlichen Zeitebenen, wobei sich die ganze Geschichte zwischen 2004 und 2006 abspielt. Der Film springt ständig hin und her bietet so audiovisuelle Antworten auf Fragen, welche sich Andrea Riseboroughs Protagonistin stellt. Dabei dürfte recht schnell klar sein, dass wohl kaum einer aus den Rückblenden im Ermittlungsjahr 2006 noch am Leben ist. Wieso sollten uns also diese Rückblenden und Figuren kümmern? Da Pesce diese Momente auch noch in die Länge zieht, kommt da kaum Spannung auf.

Pesces Stärken liegen aber ohnehin bei den Bildern. Wer seinen The Eyes of my Mother gesehen hat, weiss, dass der gebürtige New Yorker lieber mit verstörenden Bildern als mit lauten Jump-Scares erschrecken will. Das gilt auch bei The Grudge. Zwar darf man zwischendurch schon kurz aus dem Sitz springen, doch ist das mehr ein Film, nach dem man früher auf dem Schulplatz wegen der gezeigten Brutalität angegeben hat. In dieser Hinsicht ist der Film äusserst effektiv und die wüsten Szenen bleiben einem auch noch eine Weile im Kopf. Pesce nutzt da die gegebenen Freiheiten, denn sein The Grudge ist der erste der US-Reihe, welcher von vornerein mit einer Erwachsenenfreigabe konzipiert wurde. Gorehounds werden hier also auf ihre Kosten kommen.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Kommentare Total: 2

muri

Fand den Einstieg eigentlich recht vielversprechend, aber dann verzetteln sie sich in irgendwelchen Zeitsprüngen und zu komplexen Geschichten, wo wir doch alle nur auf die Geister warten. Die kommen zwar auch, aber mit einer Ankündigung, dass jeder Depp es merkt, wenns gruslig wird.

Die ganze Sache passt nicht und lässt einmal mehr darauf rumhacken, dass man Grusel-Reboots doch bitte sein lassen soll. Das Kinojahr 2020 ist jedenfalls ganz schwach gestartet.

crs

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