Gretel & Hansel (2020)

Gretel & Hansel (2020)

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Filmkritik: Das dunkle Läckerlihuus

Nur hereinspaziert!
Nur hereinspaziert! © Capelight Pictures

Gretel (Sophia Lillis) ist mit ihrem Jungen Bruder Hansel (Samuel Leakey) unterwegs, um eine Anstellung zu finden. Das mag aber nirgends gelingen, der Hunger wird gross und die beiden Kinder sehnen sich nach einem Dach über ihrem Kopf. Als sie ein solches zu finden scheinen, erscheint ihnen ein geisterhafter Mann mit gellendem Schrei, der von einem Jäger getötet werden kann. Dieser schickt die beiden Kinder weiter in den Wald hinein, wo sie, nach dem Verzehr einiger komischer Pilze, schlussendlich im Haus von Holda (Alice Krige) landen.

Wenn das nicht einladend aussieht!
Wenn das nicht einladend aussieht! © Capelight Pictures

Diese beherbergt die Kinder, kann ihnen erstaunlicherweise jeden Tag frisches Essen auftischen und lässt Gretel für sich arbeiten, während der kleine Hansel im Wald an seiner Axt-Kunst feilen soll. In den Nächten allerdings ereilen Gretel üble Albträume, die sie den puren Horror erleben lassen. Visionen, auftauchende Gestalten und unbekannte Räume lassen dem Mädchen keine Ruhe und sie beginnt, während Holdas Abwesenheit das Haus zu erforschen. Dabei stösst sie nicht nur auf die Wahrheit hinter der mysteriösen Gastgeberin, sondern erkennt, dass an einer Kindergeschichte weit mehr dran ist, als sie es je zu glauben gewagt hätte.

Gretel and Hansel kann leider nur selten punkten für Gänsehaut sorgen. Überwiegend folgt der Film unauferegt einer Geschichte, die kaum grusliger ist als die übliche Geisterbahn und in der sich die Charaktere nur bedingt entfalten können. Mit Alice Krige hat man zwar eine solide Antagonistin, aber auch ihr sind mangels eines guten Drehbuchs die Hände gebunden. In den schrägen Traumsequenzen allerdings wird interessantes Bildmaterial geboten. Für einen ganzen Film ist das aber schlicht zu wenig.

Die Gebrüder Grimm bieten in ihren weltbekannten Märchen und Geschichten immer wieder optimale Vorlagen für Horror- und Gruselfilme. Dabei hat sich die Story der beiden Kinder Hänsel und Gretel schon ein paarmal als Grundlage für solche Produktionen beweisen. Das letzte Mal war dies 2013 mit Hansel and Gretel: Witch Hunters in einer «grösseren» Produktion der Fall. Nun folgt ein weiterer Streich, der allerdings den Fokus auf das Mädchen Gretel setzt und dies im Titel Gretel and Hansel offensichtlich macht.

Mit der jungen Sophia Lillis (It) in der Hauptrolle hat Regisseur Oz Perkins eine Hauptdarstellerin engagieren können, welche sich dem Wahnsinn mit grossen Augen und staunenden Mund gegenüberstellt. Hingegen kommt der kleine Bruder kaum positiv zur Geltung. Er ist stetig hungrig, nervt mit seinen Kommentaren und schleift seine Axt. Da wurde viel Pulver verschossen.

Gar nichts verschossen wurde dafür (einmal mehr) bei Alice Krige. Die Schauspielerin, die schon in Silent Hill einen Charakter verkörperte, der dem Wahnsinn nah war, und 1996 als Borg-Queen in Star Trek: First Contact für Gänsehaut sorgte, ist ein sicherer Wert als geheimnisvolle Frau mit den schwarzen Fingern. Dass bei ihr was nicht stimmt, ist vom ersten Blick an sonnenklar. Was genau, bleibt allerdings länger vernebelt.

So skurril und unangenehm die einzelnen Traumsequenzen sind, so langweilig und nichtssagend ist die Geschichte dazwischen. Zwar hat man mit der Kindergeschichte einen schönen Einstieg in den Film gefunden, lässt diesen dann aber für längere Zeit fallen und zeigt stattdessen nichtssagende Dialogsequenzen. Erst wenn Gretel zu träumen beginnt und wir die Visionen nicht mehr von der Realität unterscheiden können, spielt Gretel and Hansel die Stärken aus, die wir eigentlich vom ganzen Film erhofft hatten. Aber ein Hauch Kubrick ist immerhin besser als gar nichts.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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Kommentare Total: 3

yan

Visuell beeindruckende Märchenverfilmung, die streckenweise an Malicks Schaffen erinnert. Leider bleibt der Film storytechnisch absolut uninteressant und die bedrohliche Stimmung zerfällt in sich selbst. Schöne Bilder, tolle Optik - als Musicclip okay, als Film viel zu öde.

ma

Äusserst stimmungsvolle Neuverfilmung des Märchens, welches zurecht den Fokus auf eine toughe Gretel legt.

Mit einem tollen Score und düsteren Bildern. Must see.

muri

Filmkritik: Das dunkle Läckerlihuus

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